Susann Enders
Sehr geehrtes Präsidium, meine Damen und Herren! Ich denke, jeder von uns hat schon die Erfahrung gemacht, dass eine fehlende medizinische Versorgung, das Fehlen eines Arztes auf dem Land droht oder vielleicht sogar in der Heimatregion schon ganz aktuell vorhanden ist. Immer mehr Hausarztpraxen schließen; so zentriert sich die Versorgung auf die Ballungsräume und auf die Städte. Ich gehe noch einen Schritt weiter, ich zeige nicht nur auf andere Bundesländer, sondern sage ganz konkret: Die Krankenhausreform der Bundesregierung ist der Sargnagel einer flächendeckenden medizinischen Versorgung. Warum sage ich das hier in Bezug auf die Landarztquote? Wenn unsere Medizinstudenten nämlich in der Region keine Krankenhäuser mehr haben, in denen sie wohnortnah oder auch praxisbezogen ihre Ausbildung ergänzen können, dann ist genau das auch der Grund dafür. Vielen Dank, Bundesgesundheitsminister Lauterbach, "vielen Dank" natürlich ironisch gemeint; denn es ist eine Schweinerei, was noch dazukommt. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN) Die Kommunen werden im Stich gelassen. Als Krankenschwester beobachte ich dieses Erodieren unserer medizinischen Versorgung seit Jahrzehnten. Einer der Gründe ist, dass es zu wenig Landärzte gibt. Es mangelt an Nachwuchs; schon vor vielen Jahren haben wir darauf aufmerksam gemacht. 2017 mahnte unsere FREIE-WÄHLER-Landtagsfraktion, dass Landärzte an der absoluten Belastungsgrenze angelangt sind. Viele von ihnen arbeiten über das Rentenalter hinaus, weil sie keinen Nachfolger bekommen. 2020 ist für mich ein ganz besonderes Datum; denn damals wurde diese Quote an Bayerns Universitäten eingeführt, durch uns FREIE WÄHLER auf den Weg gebracht (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Na, na, na!) in Zusammenarbeit mit der CSU. Ein Studium der Humanmedizin via Landarztquote an bayerischen Universitäten war ab 2020 auch ohne Einser-Abitur möglich. Ich höre noch Ihre Unkenrufe damals, gerade aus dieser Richtung, gerade wenn ich an die Wortmeldung von Frau Weber denke: Das bringt doch keine Verbesserung, das dauert doch alles viel zu lang, wir brauchen heute die Ärzte, das bringt auch nicht mehr Studienplätze usw. Ich sage nur: Sie haben es bis heute nicht begriffen. Denn wir sind mittlerweile so weit, dass die ersten Ärztinnen und Ärzte bald ihre Tätigkeit ausüben können. Das heißt, bei einem so langen Studium gibt es nun mal eine Übergangszeit vom Beschluss bis zum ersten fertig ausgebildeten Arzt oder der fertig ausgebildeten Ärztin, die sich dann in einem strukturschwachen Gebiet niederlassen kann. Mit unserem jetzigen Antrag wollen wir die Landarztquote weiter erhöhen. Als kommunaler Stimme ist uns als FREIEN WÄHLERN dieses Thema besonders wichtig; denn gerade ältere Menschen brauchen zunehmend medizinische Versorgung. Ohne Auto haben sie kaum eine Chance, sich bei chronischen Erkrankungen oder mal spontan versorgen zu lassen. Die Busfahrpläne außerhalb der Zentren sind überschaubar und der ÖPNV damit keine echte Alternative. Bürgermeister berichten uns, dass die Suche nach einem neuen Arzt sehr schwer ist. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Förderprogrammen. So zahlt zum Beispiel der Freistaat Bayern eine Landarztprämie von bis zu 60.000 Euro und fördert Medizinstudienplätze für künftige Landärzte. Doch das alles ist noch ausbaufähig. Da muss ich noch mal in diese Richtung schauen und noch mal sagen: Es langt nicht für ganz Deutschland, wenn ausschließlich in Bayern mehr Medizinstudienplätze geschaffen und finanziert werden, wenn wir damit für ganz Deutschland sozusagen der Medizinstudienplatz sind. Auch hier hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach für Abhilfe zu sorgen. Wenn die Länder nicht von allein auf die Spur kommen, so wie Bayern das ausgezeichnet macht, dann muss ein Bundesgesundheitsminister Lauterbach seine Verantwortung wahrnehmen und die anderen Bundesländer dazu bringen, eine vernünftige gesundheitliche Versorgung durch genügend Medizinerinnen und Mediziner in ganz Deutschland möglich zu machen. Sonst bezahlen wir diese teuren Medizinstudienplätze, die jungen Menschen kommen hierher und studieren hier und gehen dann wieder nach Hause, was ihr gutes Recht ist. Eine Landarztquote erleichtert jungen Menschen den Zugang zum Medizinstudium, wenn diese sich im Gegenzug verpflichten, nach Abschluss des Studiums und der Weiterbildung zehn Jahre lang als Hausärztin oder Hausarzt in einer Region mit zu wenig Ärzten zu arbeiten. Das ist meist auf dem Land. Denn wie bereits beschrieben, sind immer mehr Gebiete in Bayern mit Ärzten unterversorgt. Die Kassenärztliche Vereinigung zählte im Dezember 2023 13 unterversorgte Planungsbereiche. In 7 davon sind es die Hausärzte, die fehlen, in anderen etwa auch Hautärzte oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. In 35 Planungsbereichen herrscht drohende Unterversorgung, in 18 Planungsbereichen droht Unterversorgung bei Haus- und in 6 bei Kinderärzten. Viele junge Menschen haben die Leidenschaft für dieses Studium. Der Notendurchschnitt sagt nun einmal nicht allein, ob das zukünftig ein guter Arzt oder eine gute Ärztin werden kann.
