Susann Enders
Sehr geehrtes Präsidium, meine Damen und Herren! Die medizinische Versorgung in Bayern befindet sich noch auf internationalem Spitzenniveau. Ich sage ganz bewusst: noch! Das ist das Wort, was mich wirklich zum Nachdenken bringt. Statistiken zeigen, dass bis 2028 etwa 25 % der niedergelassenen Zahnärzte in Bayern in den Ruhestand gehen. Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen nimmt die Bereitschaft zur Niederlassung ab. Hinzu kommen auch Fachkräfte- und Personalmangel. Das führt zu Praxissterben und damit auch zu Versorgungsproblemen. Blicken wir doch mal auf das Jahr 2030. Voraussichtlich etwa die Hälfte der heute noch praktizierenden Zahnärzte wird dann im Ruhestand sein, meine Damen und Herren, und das bei einer Bevölkerungsstruktur, die immer älter wird, und die Zähne werden auch immer älter. Dadurch wird ein nicht unerheblicher Engpass in der zahnmedizinischen Versorgung eintreten. Ausgehend von der Altersstruktur der Zahnärzte zeichnen sich dabei auch in Bayern künftig Versorgungsprobleme ab. In der Kassenzahnärztlichen Vereinigung haben bereits heute rund 44 % der Zahnärzte das Alter von 50 Jahren überschritten. Der genauere Blick auf die Altersstruktur der Zahnärzte in den einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten zeigt noch größere Abweichungen. Während in Kempten, München, Tirschenreuth, Fürth und Amberg zum Beispiel der Anteil der Zahnärzte über 55 Jahren noch unter 35 % liegt, macht diese Altersgruppe in Wunsiedel, im Fichtelgebirge und in Coburg bereits mehr als 61 % aus. Im Landkreis Hof zeigt sich die Überalterung besonders stark; hier sind bereits knapp 72 % der Zahnärzte über 55 Jahre alt. Ausgehend von der demografischen Entwicklung, der Überalterung der Zahnärzte, werden sich in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach in einigen Regionen Bayerns Versorgungsprobleme ergeben. Bei den humanmedizinischen Fachrichtungen, zum Beispiel bei der hausärztlichen Versorgung, sind diese Probleme bereits seit Langem Realität. Zur Sicherung des ärztlichen Nachwuchses gibt es deshalb bereits zahlreiche Förderansätze, die von uns in den vergangenen Jahren eingebracht wurden. Diese könnten zum Beispiel als Blaupause auch im zahnärztlichen Bereich zum Ansatz kommen. Ich kann nur bekräftigen, was schon Wirtschaftsminister Aiwanger gesagt hat – ich zitiere –: "Die Zahnärzte stehen unter zunehmendem Druck, die Rahmenbedingungen müssen dringend verbessert werden! Wir dürfen nicht immer mehr Praxen verlieren, wir brauchen bessere Perspektiven auch für junge Zahnärzte. Unsere Bevölkerung hat ein Recht auf beste Versorgung, und die ist in Gefahr! Gerade in den strukturschwachen Regionen gehen in den kommenden Jahren viele Zahnärzte in Rente, ohne dass ein Nachfolger zur Verfügung steht. Deshalb müssen wir die Rahmenbedingungen so setzen, dass eine selbstständige Tätigkeit als Zahnarzt attraktiv bleibt. Wir müssen die Freiberuflichkeit der Zahnärzte schützen, investorengestützte Medizinische Versorgungszentren dürfen das Gesundheitswesen [auch im zahnärztlichen Bereich] nicht übernehmen." Aus diesem Grund gilt es, ein Maßnahmenpaket in Angriff zu nehmen, um unsere zahnärztliche Versorgung zu gewährleisten. Das geht von einer Anpassung der Gebührenordnung über die Refinanzierung der Tarifsteigerungen für Zahnmedizinische Fachangestellte bis hin zur Gleichbehandlung von Kinderzahnärzten und zum Aufbau des Praxiszukunftsfonds für Zahnarztpraxen. Das ist sehr wichtig, das unterstützen wir. Hierfür setzen wir uns gemeinsam ein, CSU und FREIE WÄHLER. Ich bitte um Ihre Zustimmung. – Vielen Dank. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU)
