Martina Gießübel
Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Das Handwerk ist ein zentraler Baustein unserer gesunden und leistungsfähigen bayerischen Wirtschaft. Wir setzen im Freistaat erfolgreich auf eine ausgeprägte mittelständische Wirtschaftsstruktur. Dafür ist ein starkes Handwerk unverzichtbar, schließlich machen die bayerischen Handwerksunternehmen 9 % der Umsätze unserer Wirtschaft aus. Vor zwei Monaten bin ich umgezogen und habe wie viele von Ihnen schon einmal einen Handwerker für verschiedene Aufträge benötigt. Viele von Ihnen wissen, wie schwierig es ist, wenn man in einem solchen Moment oder mal eben auf die Schnelle einen Handwerker braucht. Diese Erfahrung hat mir einmal mehr vor Augen geführt, dass das Handwerk vor großen Herausforderungen steht: Nachwuchs fehlt. Handwerksbetriebe suchen händeringend junge Menschen, die sich für einen Handwerksberuf begeistern. Lassen Sie mich deshalb den Fokus auf die Zukunftsfähigkeit des Handwerks legen. Das Handwerk bildet bereits 30 % aller Auszubildenden in Bayern aus. Mit seinem breiten Spektrum an Berufen bietet es zahlreiche Chancen für Berufseinsteiger, unabhängig von Schulabschluss oder persönlichen Neigungen. Auch bei der Integration junger Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit spielt das Handwerk eine Schlüsselrolle in unserer modernen sozialen Marktwirtschaft. Die Gewinnung von Nachwuchskräften im Handwerk ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie beginnt bei den Eltern und den Lehrern, die ihre Kinder und Schüler für das Handwerk begeistern können. Insbesondere die Eltern sind gefordert. Es ist kein Makel, kein Abitur zu haben. Es ist auch kein Makel, nicht zu studieren. (Beifall bei der CSU sowie Abgeordneten der FREIEN WÄHLER und der SPD) Kinder haben viele Talente, die gerade bei der Berufswahl ausschlaggebend sein sollten, damit der junge Mensch glücklich und motiviert in die Arbeitswelt startet und nicht schon in der Schule vor lauter Druck von den Eltern kaputt gemacht wird. Aber auch die Politik hat einen klaren Auftrag. Die Bayerische Staatsregierung ist bereits auf vielen Feldern aktiv, um jungen Menschen den Einstieg ins Handwerk zu erleichtern, lieber Herr Grießhammer. Das Arbeits- und Sozialministerium hat vielfältige Maßnahmen etabliert. In der Allianz für starke Berufsbildung in Bayern haben sich die Staatsregierung, die Handwerkskammern, die Industrie- und Handelskammern, die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft und die Arbeitsagenturen zusammengeschlossen. Gemeinsam stärken sie mit verschiedenen Maßnahmen die berufliche Ausbildung. Unser duales Ausbildungssystem ist dadurch von so hoher Qualität, dass es weltweit geschätzt wird. Vor Kurzem war ich vor Ort bei der Gesellschaft zur beruflichen Förderung und habe mir die Ausbildungsakquisiteure und deren erfolgreiche Arbeit angeschaut, die dort geleistet wird, um junge Menschen bei der Arbeitsplatzsuche zu unterstützen. Hier fördern wir diese Ausbildungsakquisiteure mit viel Geld. Mit Kampagnen wie dem "Girls’Day" sorgen wir dafür, dass auch Mädchen und junge Frauen Lust auf einen Handwerksberuf bekommen. Ein weiteres Beispiel ist die Fördermaßnahme "Fit for Work" – Chance Ausbildung, die Jugendlichen mit höherem Förderbedarf den Einstieg in eine Ausbildung erleichtern soll. Man kann also wahrlich nicht sagen, dass hier nichts getan wird. Die Anstrengungen der Staatsregierung enden jedoch nicht bei den Ausbildungsplätzen. Mit dem "Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0" stärken wir die Bereitschaft zur Weiterbildung in unseren Unternehmen und bei den Beschäftigten. Angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung und des Fachkräftebedarfs ist dies eine zentrale Maßnahme. Auch der Meisterbonus, der vorhin schon genannt wurde, kommt hier hinzu und erhöht die Attraktivität der Fortbildungen. Lieber Kollege Grießhammer, die Entbürokratisierungsoffensive haben wir gestartet, weil wir der Meinung sind, dass sie absolut elementar ist. (Zuruf der Abgeordneten Anna Rasehorn (SPD)) Dabei brauchen wir natürlich auch die Vorschläge der SPD, die Sie dann hier vorbringen können. (Beifall bei der CSU – Zuruf des Abgeordneten Volkmar Halbleib (SPD)) Ich fasse zusammen: Unsere politischen Anstrengungen, aber auch die der Verbände und Unternehmen sind bereits massiv, um die Zukunft des Handwerks sicherzustellen. Gerade wegen der Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, wenn es darum geht, dem Mangel an Arbeitskräften und Facharbeitern abzuhelfen, bietet das Handwerk hervorragende Möglichkeiten für Aus- und Weiterbildung, die wir weiterhin unterstützen. Das Handwerk –
