Thomas Zöller
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Besucher, vor allem die Jugend auf der Empore! Soziales Engagement und ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr können nicht nur für uns Menschen allgemein, sondern besonders für unsere Jugend sehr wertvoll sein. Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht – wie ich meine, ohne Not – gab es nicht wenige junge Männer, die eben keinen Dienst an der Waffe leisten wollten und sich somit für den Zivildienst bei unseren Hilfsorganisationen oder in Pflegeheimen oder in unseren Krankenhäusern entschieden haben. Viele dieser jungen Männer haben in diesem Dienst ihre Berufung für das Ehrenamt und ihren Beruf für das Leben erlernt. Der Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr sollten dies nun ausgleichen. Trotz vieler engagierter junger Menschen als Bufdi oder FSJler konnten diese zwei Varianten den positiven Effekt der früheren Zivis nie auch nur annähernd erreichen. Ich verspreche mir von einem verpflichtenden Gesellschaftsjahr, das wir FREIE WÄHLER schon länger gefordert haben, viele positive Aspekte für soziale Berufe. Als Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung verspreche ich mir auch viele positive Effekte insbesondere für unsere Pflegeberufe. Bei der Pflege steht nämlich der Mensch im Mittelpunkt und nichts, aber auch gar nichts anderes ist sinnstiftender, als bedürftigen Menschen zu helfen. Jugendliche können dazu beitragen, kranken und hilfs- oder pflegebedürftigen Menschen das Leben zu erleichtern. Das Gemeinschaftsgefühl unserer jungen Menschen wird ebenfalls gestärkt; denn in der Pflege gilt das Motto: Einer für alle, alle für einen! Wer sich in der Pflege sozial engagiert, lernt fürs Leben. Die Offenheit für Menschen und Situationen sowie Verantwortungsbewusstsein sind nur einige Stärken, die hierdurch gefördert werden. Wenn viele junge Menschen durch den Kontakt mit Pflegeberufen dieses Gemeinschaftsgefühl erleben, sehe ich eine große Chance, diese jungen Menschen langfristig für einen der so wichtigen Pflegeberufe zu begeistern. Durch viele Gespräche, auch mit Jugendlichen, weiß ich, dass die jungen Menschen sich durchaus sozial einbringen wollen. Oftmals ist vielen jungen Menschen nach der Schule noch gar nicht klar, in welche berufliche Zukunft es gehen soll. Viele, aber noch viel zu wenige, entscheiden sich deshalb bereits für ein Freiwilliges Soziales Jahr, zum Beispiel in einem Krankenhaus oder in einer Klinik, weil sie einen medizinischen oder pflegerischen Beruf anstreben. Ein FSJ hilft zu prüfen, ob ein Medizinstudium oder eine Krankenpflegerausbildung das Passende ist. Das FSJ bietet Medizininteressierten die Möglichkeit, den Alltag eines Krankenpflegers kennenzulernen oder andere praktische Erfahrungen im Bereich Medizin zu sammeln. Gesundheitliche Dienste wie das Rettungswesen können in Bayern bei den bekannten Hilfsdiensten wie dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Bayerischen Roten Kreuz, der Johanniter-Unfall-Hilfe, den Maltesern oder dem Paritätischen Wohlfahrtsverband durchgeführt werden. Sie sind auch erster Ansprechpartner für die FSJler in diesem Bereich. "Ich bekomme so viel zurück, ich mache so viele Erfahrungen, die andere in meinem Alter nicht machen. Und ich kriege viele Ideen, was ich später mal machen könnte – mir werden ganz neue Berufsfelder aufgezeigt." Diese Zeilen stammen nicht von mir, sondern von Anna-Lena Schümmer, einer FSJlerin in einer Kita in Bonn. Ich kann daher überhaupt nicht verstehen, dass die Bundesregierung am FSJ Einsparungen vornehmen möchte. Das ist absoluter Quatsch nach dem Motto: Sparen, egal was es kostet. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Deshalb sage ich: Für unser Gemeinwohl sollten wir möglichst schnell das verpflichtende Gesellschaftsjahr für alle bei einer angemessenen finanziellen Entschädigung einführen. Für die Verteidigungsfähigkeit brauchen wir jene jungen Menschen, die sich für die Bundeswehr entscheiden. Alle anderen, die das nicht möchten, stärken unsere sozialen Berufe durch ihr soziales Engagement. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)
