Holger Grießhammer
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute sind die Wirtschaftspolitiker gefragt. Wir haben über dieses Thema im Wirtschaftsausschuss debattiert. Schade, dass der Minister bei der Debatte heute nicht selber anwesend ist. Ich kann Ihnen sagen: Wer sich im Vorfeld mit der Thematik befasst hat, kann durchaus einen wirtschaftlichen Aspekt erkennen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Umbau unserer heimischen Wälder hin zu Mischwäldern ist die Aufgabe unserer Zeit. Nicht umsonst geben die Bayerischen Staatsforsten dieses Leitmotiv aus. Dabei kann uns eine völlig kostenlose Lösung helfen, nämlich der Eichelhäher, wenn man ihn nur lässt. (Beifall bei der SPD) Bayern ist das einzige Bundesland, das eine Jagdzeit für den Eichelhäher festsetzt. Folgt man dem Agrarbericht des Landwirtschaftsministeriums, werden jährlich bis zu 15.000 Tiere abgeschossen. Je nachdem, wo man nachschaut, variieren die Zahlen. Das ist auch während der Sammelzeit von Mitte Juli bis Mitte März der Fall. Darunter fallen auch viele ältere Tiere, die auch ohne Brut Nahrungsdepots für den Winter anlegen. Dabei ist klar: Die Zukunftsfähigkeit unserer Wälder hängt direkt vom Eichelhäher ab. Mit seiner Hähersaat sorgt er für eine standortgerechte Waldverjüngung. Die von ihm im Boden vergrabenen Samen sorgen für eine schnelle Aufforstung, und das ganz ohne fremde Hilfe. Jetzt sollen Teile dieser besonders wichtigen Population dran glauben. Das unterstreicht auch der Biologe Dr. Ulrich Knief von der Ludwig-Maximilians-Universität. Er macht deutlich, dass die Jagd auf den Eichelhäher der Naturbewaldung völlig entgegensteht. (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN) Der Bayerische Rundfunk hat kürzlich den Häher als Hausmeister des Waldes betitelt. Die Position, mit der Bejagung andere Arten zu schützen, ist ebenfalls zu vernachlässigen. Zwar überwiegt in den warmen Monaten tierische Nahrung; hier sind es aber überwiegend forstschädliche Insekten, die vom Häher gefressen werden, nicht etwa Wirbeltiere. Der Bruterfolg und die Populationsgröße sind de facto selbstregulierend. Natürliche Feinde wie Habichte, Sperber und Eulen wachsen ebenso in ihren Beständen. Der Mensch muss hier also nicht regulierend eingreifen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch der finanzielle Schaden, der durch die Jagd auf den Eichelhäher entsteht, ist nicht zu vernachlässigen. Er vergräbt in jeder Saison sieben Mal so viel Eicheln, wie er für seinen Fortbestand benötigt. So entstehen durch jedes Tier jährlich über 1.500 Eichenbäume, und das auf ganz natürliche Art und Weise, ohne dass wir einen Cent dafür bezahlen müssten. Dieser Nutzen ist Biologen und Forstleuten schon lange bekannt. Auch unsere österreichischen Nachbarn nutzen dies aus. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter: Im Benediktinerstift Altenburg forstet der Eichelhäher nämlich ganze Waldviertel auf. Durch gezieltes Füttern im Herbst mit Bucheckern und Eicheln spart sich der Vogel die eigene Futtersuche. Liebe Kolleginnen und Kollegen, welche Ergebnisse bringen die hinterlegten Samen in der Erde? – Es entsteht ein toller Mischwald mit jungen Pflanzen, wie wir ihn in den immer heißer werdenden Sommern dringend brauchen.
