Roland Weigert
Sehr geehrtes Präsidium, meine sehr verehrten Damen und Herren! Lieber, geschätzter Kollege Hierneis, nun kenne ich Sie als einen sehr bodenständigen Menschen. Ich kenne Sie auch als einen ansprechenden Gesprächspartner, dazu noch – das sage ich frei heraus – als einen sympathischen Menschen, vor allen Dingen als einen Mandatsträger – das muss ich sagen –, bei dem Politik kein apokalyptischer Prozess ist. Sie sehen alles immer sehr positiv. Deshalb schätze ich Sie – und das meine ich wirklich ernst –, und ich schätze Sie dafür sogar sehr. Weil ich Sie wirklich für Ihre Unvoreingenommenheit schätze, frage ich Sie, Kollege Hierneis, lieber Christian: Wie konntest du dem süßen Gift der Klientelpolitik verfallen? (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN – Heiterkeit bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU) Mein Herz brennt. Ich muss dir das sagen, ich gehe jetzt zum Du über, weil ich dir das sagen muss: Beim Lesen des Antrags – ich schaue auf die Uhr: 4 Minuten 55 Sekunden – ist der Eindruck entstanden. Jenny Schack hat aus meiner Sicht auch schon sehr deutlich dargelegt, wo der Hund begraben liegt. Kollege Stümpfig, die Modellrechnung passt doch nicht zu Ihrer Nachfrage: Wir reden doch von 10.000 bis 20.000 Eichelhähern. Da gehen wir wahrscheinlich davon aus, dass die Zahl aus der Streckenliste B der amtlichen Statistik heraus generiert ist. Da wissen wir, dass nicht alles geschossen ist, sondern dass da Fallwild drin ist und auch gerupfte und tot aufgefundene Tiere. Also reden wir nicht von 20.000 Eichelhähern, sondern vielleicht von 10.000. Das wissen wir nicht. Das ist auch noch eine stattliche Zahl, da haben Sie recht. Reden wir dann von dieser stattlichen Zahl von meinetwegen 10.000, dann reden wir immer noch nicht davon – und die Modellannahme fehlt bei Ihnen auch –, dass von diesen 10.000 vielleicht auch einige einen natürlichen Abgang hätten. Wie Jenny Schack gesagt hat, fehlt in der Modellannahme auch der Anteil der nicht keimenden Eicheln. Darüber hinaus fehlt bei den Jungpflanzen auch die Annahme zur Frage: Wie viele wären durch Trockenheit eingegangen, durch Pilzbefall, durch Mäuse, durch Lichtmangel, durch mechanische Schäden der Waldbewirtschaftung, auch durch Verbiss? (Toni Schuberl (GRÜNE): Warum werden sie geschossen?) Auch das ist nicht drin. – Herr Kollege Stümpfig, was ist zum Beispiel mit dem abnehmenden Grenznutzen? (Toni Schuberl (GRÜNE): Warum werden sie geschossen?) Was soll die Rechnung? – Sie kommen auf 11 Millionen. (Toni Schuberl (GRÜNE): Warum werden sie geschossen?) Man kann die Rechnung so machen, dass man 20 Millionen rauskriegt oder auch 2 Millionen. Das ganze Ding hat wenig Substanz. (Toni Schuberl (GRÜNE): Warum wird er geschossen?) Das Ding hat wenig Substanz, darum braucht man auch diese Modellrechnung nicht. Aber: Der Kollege Hierneis hat durchaus recht, wenn er sagt: Das ist ein sympathischer und auch ein nützlicher Vogel, übrigens nicht nur für die Förster, sondern auch für die Jäger. Wenn der Jäger nämlich rumhockt und es wechselt irgendetwas heran, dann wird das in der Regel der Eichelhäher melden, aber – und jetzt kommt es, und das ist auch der Grund dafür, dass wir die Bejagung machen –: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. In der Natur geht es halt nicht nur um Bäume. Da geht es halt um mehr. Natürlich macht der Eichelhäher zeitlich und örtlich auch Probleme. Jetzt sage ich Ihnen etwas aus der Jagd, die ich gepachtet habe. Ich gehe da viele Jahre auf die Jagd. Ich habe da ein Gewanneteil. Das ist eine bruchähnliche Landschaft mit einer hohen Biodiversität, mit Eicheln, Bucheckern, Insekten, Vögeln, Gelege, Beeren, Reptilien, Eidechsen und Sonstigem. Da bejage ich auch den Eichelhäher. Dem stelle ich nach, genauso wie der Rabenkrähe, der Elster, dem Fuchs und dem Marder, weil dort der Tisch reich gedeckt ist. Ich mache das ganz bewusst. Ich mache das nicht, um den Eichelhäher dort möglichst zu rasieren und zu eliminieren, sondern ich mache das aus einem ganz einfachen Grund: weil wir es genauso eigentlich beim Schalenwild und bei jedem anderen Wild machen sollten. Wir machen ganz einfach eines: Wir versuchen, durch die Bejagung das Raum-Zeit-Verhalten der Wildtierarten zu beeinflussen. Ich bejage den Eichelhäher, weil mir die Eidechserl, die Fasanen und der Neuntöter am Herzen liegen. Ich versuche, den Predatorendruck wegzunehmen, indem ich das Raum-Zeit-Verhalten dieser Tierarten beeinflusse. Mir geht es nicht darum, den Eichelhäher zu eliminieren. Christian Hierneis hat recht: Das ist eine sympathische und schöne Tierart. Er verdient unser Augenmerk. Aber, meine Damen und Herren, es ist sinnvoll, den Eichelhäher zu bejagen. Lieber Christian, natürlich nutze ich den Eichelhäher nachhaltig. Ich nutze ihn für die Hundeausbildung, weil ich die Federschleppe einsetze. Ich habe vorher in einem Zwischenruf gesagt, dass ich tatsächlich noch nie einen Häher gegessen habe. Nachdem du das mit der Speise gesagt hast, werde ich meinen geschätzten Cousin Fritz, der bei einem Jägeressen vor acht Jahren neben acht Tauben auch zwei Jungraben serviert hat, was niemand gemerkt hat, bitten, etwas aus dem nächsten Eichelhäher zuzubereiten. Du bist dann herzlich eingeladen, an der Donau oder im Tertiären Hügelland. Dann werden wir beide einmal einen Eichelhäher genießen und anschließend hier darüber berichten. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU – Florian von Brunn (SPD): Pfui Deifi!) Natürlich gibt es gute Gründe, dem Eichelhäher nachzustellen. Sie sind jeweils regional verschieden, aber es gibt sie. Meinen letzten Satz kann ich nicht mehr bringen: Liebe Kollegen von den GRÜNEN, Sie machen brillante ökonomische Analysen. Ich frage mich, warum Sie solche Analysen beim Wolf oder beim Biber, wo es um die Vernässung von Ackerflächen geht, nicht auch machen und sie als Entscheidungsgrundlagen heranziehen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Langer Rede kurzer Sinn: Der Antrag ist einseitig. (Florian von Brunn (SPD): Der Wolf frisst ja den Biber!)
