Christian Hierneis
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Der Eichelhäher ist ein schöner Vogel. Er ist der Wächter des Waldes und verbreitet die Eiche; aber er wird geschossen. Bayern ist das einzige Bundesland, in dem Eichelhäher geschossen werden dürfen. Gibt es denn dafür einen vernünftigen Grund? Einen solchen braucht es ja, wenn Tiere getötet werden. (Zuruf von der AfD: Ja!) Als Begründung wird vor allem der Schutz von Singvögeln genannt, weil der Eichelhäher gelegentlich deren Eier und Jungvögel frisst. (Martin Wagle (CSU): Nesträuber!) Aber was sagt denn die Staatsregierung dazu? Ich zitiere aus der Drucksache 17/1429: "Singvögel", also deren Jungvögel und Eier, "haben nur einen sehr geringen Anteil an der Nahrung des Eichelhähers." Bei Singvögeln liegen die "Verluste durch den Eichelhäher in der Regel im kompensatorischen Bereich." In allen anderen Bundesländern, in denen der Eichelhäher nicht bejagt wird, ist noch kein Singvogel wegen des Eichelhähers ausgestorben. Also ist der Singvogelschutz offensichtlich kein vernünftiger Grund für die Jagd auf Eichelhäher. Welchen anderen vernünftigen Grund könnte es geben, Eichelhäher zu schießen? – Na klar, die Verwertung. Wir GRÜNEN haben das abgefragt und von der Staatsregierung folgende Antwort auf die Frage zur Verwertung eines geschossenen Eichelhähers bekommen – ich zitiere aus derselben Drucksache –: "Hierbei kommt die Verwertung des Wildbrets als Nahrungsmittel sowie Teile des Federkleides bzw. als Präparat in Betracht." Der Eichelhäher kann demnach als Nahrungsmittel verwendet werden. Es würde mich schon interessieren, wenn es in der Landtagsgaststätte eine Eichelhähersuppe geben würde, wer von Ihnen da runter rennt und sagt: "Dieses Schmankerl lasse ich mir heute nicht entgehen!" Ich glaube: keiner! (Der Abgeordnete Andreas Winhart (AfD) meldet sich – Heiterkeit bei der AfD – Zuruf von der CSU: Sie kriegen auch einen!) Verwertung von Teilen des Federkleids? Einen Vogel schießen wegen einer schönen blauen Feder am Hut? – Naa. Und als Präparate? – Also Präparate von Eichelhähern gibt es genügend. Also ist die Verwertung sicher auch kein vernünftiger Grund für die Jagd auf Eichelhäher. Bekanntlich sorgt der Eichelhäher für die Verbreitung der Eiche. Das Wildtierportal des Landwirtschaftsministeriums schreibt: "Der Eichelhäher leistet damit einen wichtigen Beitrag bei der natürlichen Verjüngung der Eiche." Es gibt also einen guten Grund, den Eichelhäher nicht zu bejagen. (Beifall bei den GRÜNEN) "Nein", sagt die Mitberichterstatterin der CSU zu diesem Antrag im Wirtschaftsausschuss; denn sie argumentiert, die These, dass Eichen besonders widerstandsfähig gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels seien, sei falsch. Ehrlich? – Was sagt denn die LWF, die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, dazu? Ich zitiere aus "LWF aktuell 119": "Eichen kommen mit trockenen und extremen Standortsituationen deutlich besser zurecht als […] die Buche. In der auf uns zukommenden Klimaerwärmung mit mehr Trockenheit, aber auch mehr extremen Witterungsereignissen gewinnen die Eichen an Konkurrenzkraft, aber auch waldbaulich an Bedeutung." Also irrt die Mitberichterstatterin der CSU. (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Vermeintlich!) Also ist auch das kein Argument für den Abschuss des Eichelhähers. Ganz im Gegenteil, es ist vielmehr ein Argument für ihn, ein Argument, ihn nicht abzuschießen. Man könne, so wird weiterhin gerne argumentiert, den Eichelhäher auch deswegen weiter jagen, weil er in Bayern nicht gefährdet sei. Aber sollen wir alles schießen, bloß weil es nicht gefährdet ist? – Nein! (Martin Wagle (CSU): Dein Jägerherz blutet doch!) Ich sehe keine Gründe für den Abschuss des Eichelhähers. Ich sehe ausschließlich Gründe, ihn nicht mehr abzuschießen. Übrigens ist die Jagdstrecke des Eichelhähers in Bayern von 1985 bis heute von rund 150.000 auf ungefähr 11.500 geschossene Eichelhäher zurückgegangen. In vielen Revieren wird er gar nicht mehr geschossen. So attraktiv scheint die Jagd auf Eichelhäher also ohnehin nicht mehr zu sein. Dann können wir sie doch gleich ganz bleiben lassen. (Michael Hofmann (CSU): Aha! Es funktioniert also schon!) Zum Schluss: Was bringt es denn, in der Jagd den Eichelhäher nicht mehr zu schießen? Der Bayerische Jagdverband möchte zu Recht die Gesellschaft für die Jagd positiv stimmen und die Jagd in der Mitte der Gesellschaft verankern. Das wollen wir alle. (Martin Wagle (CSU): Du auch! – Michael Hofmann (CSU): Du auch?) Der Bayerische Jagdverband – BJV – möchte – so sagt es sein Präsident – der Öffentlichkeit anschaulich seine Funktion als Hüter des Wildes und damit als Naturschützer vermitteln. Es wäre doch wunderbar, wenn die Hüter des Wildes den Wächter des Waldes zukünftig am Leben ließen. Der BJV ist ein anerkannter Naturschutzverband. Ein anerkannter Naturschutzverband kann eigentlich kein Interesse am Abschuss des Eichelhähers haben. (Beifall bei den GRÜNEN) Die Gesellschaft hat überwiegend kein Verständnis für den Abschuss dieses schönen Vogels. Um ihre Akzeptanz zu bekommen, sollten wir den Abschuss dieses schönen Vogels doch am besten einfach bleiben lassen. Also: Es nutzt uns allen, keine Eichelhäher mehr zu schießen: den Menschen, die den Eichelhäher so wie ich schön finden, der Eiche und dem Wald, natürlich dem Eichelhäher selbst und auch der Akzeptanz für die Jagd. Es ist also eine Win-win-Situation. Der Eichelhäher ist ein schöner Vogel. Also lassen wir ihn doch leben. (Beifall bei den GRÜNEN)
