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Martin Stümpfig

GRÜNE 25.04.2024 Sitzungen 19/17

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Lausch, als Sie heute mit Ihrer Rede begonnen haben, habe ich mir schon gedacht: Wie kommt er jetzt von den norddeutschen Ausländern über das Faxgerät zur Kernfusion? – Es war schon sehr interessant zuzuhören. Ich glaube, allzu viel Redezeit haben die Kolleg:innen nach Ihnen jetzt nicht mehr. (Felix Locke (FREIE WÄHLER): Fragen Sie mal, wie es der SPD letzte Woche ging!) Aber schauen wir mal. Zum Thema Kernfusion und – es ist ja zum Teil auch bei Ihnen angeklungen – noch mal zu den Themen Atomkraft und Isar 2 in Bayern. Erinnern wir uns, welche Sprüche letztes Jahr von der Staatsregierung geklopft wurden, auch von Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Aiwanger! Da hieß es dann: Isar 2 wird wieder angefahren. Das Atomkraftwerk Isar 2 betreiben wir in eigener Regie. Wir stoppen einen Rückbau des Atomkraftwerks. – Alles nur Phrasen! Alles ist ganz anders gekommen. Das Gleiche war in der Sendung "Jetzt red i" vom 17. Januar dieses Jahres, in der unser Ministerpräsident Sachen gesagt hat, zu denen wir jetzt noch viele Schriftliche Anfragen gestellt haben; die Verwaltung tut sich wirklich schwer, das geradezurücken. Da fielen dann Aussagen wie: Weltweit würden kleine Atomreaktoren gebaut, die jetzt vor dem Durchbruch stünden. – Alles Falschaussagen, alles Fake News. Das stimmt alles nicht. Es gibt weltweit keinen einzigen von diesen sogenannten Small Reactors. Die gibt es einfach nicht. Insofern hat man da viel Show, und das Gleiche gilt auch für diesen Antrag heute. Jetzt noch mal Achtung: Differenzierung. Es ist immer nicht so leicht in dem Haus und gerade bei Ihnen, CSU und FREIE WÄHLER, zu sagen: Hoppla, wir sind für die Grundlagenforschung. (Zuruf des Abgeordneten Michael Hofmann (CSU)) Aber wir sehen durchaus noch große Herausforderungen in dem Punkt und sagen Ja zur Grundlagenforschung zur Kernfusion, aber Nein zu diesem Hype, den Sie hier auch mit diesem Antrag zur Schau stellen. Sie sprechen im Dringlichkeitsantrag von immensen technischen Fortschritten. Jetzt schauen wir uns doch mal diese immensen technischen Fortschritte bei der Kernfusion an. Man hat es jetzt geschafft, zum Beispiel mit der JET-Anlage in Großbritannien, über mehrere Sekunden 16 Kilowattstunden Energie zu erzeugen, allerdings mit einem wahnsinnig großen Energieaufwand, der hineingesteckt werden musste. Selbst führende Atomphysiker am Kernforschungszentrum CERN sagen so elegant: Die Fusionsforschung konzentriert sich auf Probleme, für die eine Lösung denkbar erscheint, anstatt sich mit den Fragen zu befassen, für die bisher überhaupt keine Antwort in Sicht ist. – Da gibt es nämlich ganz, ganz viele. Da gibt es zum Beispiel das Problem, wie wir es jetzt schaffen, von einem Sekunden- auf einen Dauerbetrieb von Stunden und Tagen zu kommen. (Zuruf des Abgeordneten Roland Weigert (FREIE WÄHLER)) Wie schaffen wir es – der Kollege Lausch hat es schon angesprochen –, an ein Material zu kommen, das bis zu 200 Millionen Grad im Dauerzustand aushält? – Mit der Klärung dieser Fragen hat man noch gar nicht angefangen. Man hat noch nicht damit angefangen, sie zu diskutieren. (Zuruf des Abgeordneten Roland Weigert (FREIE WÄHLER)) Woher bekommen wir eigentlich das Tritium, radioaktives Gas, in der Größenordnung? – Das sind alles Fragen, die noch komplett ungeklärt sind. Wohin geht es überhaupt mit der enormen Hitze? – Alle Forscher, die damit zu tun haben, sagen: Vor 2050 werden wir keinen Beitrag leisten, hier irgendwie etwas zur Energiewende zu machen. – 2050, das ist zehn Jahre, nachdem wir hier in Bayern klimaneutral werden wollen. Nur mal so als Gedanke. Deswegen ist für uns ganz klar: Wir brauchen Masterpläne. Aber wir brauchen auch schnell wachsende Bäume, Herr Lausch, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, nicht nur einen Mammutbaum, der in fünfzig Jahren etwas wird. Sondern wir brauchen Masterpläne für die Windkraft. Wir brauchen Masterpläne für die Geothermie. Wir brauchen Masterpläne, um in der Wärmewende endlich voranzukommen. Wir brauchen einen Masterplan Netzausbau. Wo ist das alles? – Sie haben jetzt wieder irgendwo ein Wolkenkuckucksheim. Sie lenken von Problemen ab, die wir tatsächlich haben, anstatt hier mal anzupacken. Sie können ja gern Ihren Masterplan Kernfusion machen. Aber lassen Sie das andere nicht schleifen. Deswegen lehnen wir heute Ihren Antrag ab; denn wir sehen, dass es irgendetwas ist, mit dem Sie nur wieder ablenken. Irgendetwas soll umgesetzt werden, das überhaupt noch nicht formuliert ist. Packen Sie endlich die echten Probleme an. Sie können das noch ein bisschen nebenbei machen. Aber wir brauchen Masterpläne in anderen wichtigen Bereichen. (Beifall bei den GRÜNEN)

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