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Florian von Brunn

SPD 25.04.2024 Sitzungen 19/17

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Die Corona-Pandemie – das waren wirklich schlimme zwei Jahre. So etwas Einschneidendes und Furchtbares hatten die Menschen lange nicht mehr erlebt, und alle waren betroffen. Ich bin überzeugt davon: Über solche Ereignisse muss man noch mal reden. Verschweigen und verdrängen sind keine Lösung. Wir müssen über die vielen Menschen reden, die wir verloren haben, und über die, die heute noch an den Folgen von Corona leiden. Wir müssen über die Schul- und Kitaschließungen reden und darüber, wie es den Kindern und Familien ging. Und natürlich müssen wir auch über die Einsamkeit und die Isolation durch Lockdowns und Ausgangssperren reden, insbesondere bei älteren Menschen. Bisher hatten wir dazu keine Gelegenheit; denn gleich nach der Pandemie hat Putin die Ukraine überfallen. Nach der Corona-Krise kam der Krieg und damit die nächste Krise, und so konnten wir das nicht richtig aufarbeiten. Wir sind in Deutschland vergleichsweise gut durch diese Pandemie gekommen, und trotzdem gab und gibt es bei uns schlimme soziale und psychische Folgen. Haben wir in den Familien tatsächlich genügend nachgefragt, wie es ihnen während der Pandemie ging? Haben wir den Kindern danach genug Aufmerksamkeit geschenkt? Wie war es für sie, ihre Freunde und zum Beispiel auch ihre Großeltern nicht zu treffen? Wie haben sie den Distanzunterricht erlebt? Haben wir tatsächlich besprochen, dass die Frauen wieder einmal – wie so oft – alles am Laufen gehalten haben? Haben sie genug Wertschätzung dafür erfahren, wie sie Schul- und Kitaschließungen mit ihren Kindern gemeistert und trotzdem gleichzeitig gearbeitet haben? Haben wir erschöpften und ausgebrannten Pflegekräften sowie Ärztinnen und Ärzten genügend Aufmerksamkeit geschenkt? Ich finde, es gibt viel nachzuholen, verehrte Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD) Wir müssen uns jetzt die Zeit nehmen, gemeinsam noch einmal über alles zu sprechen, daraus lernen und die richtigen Schlüsse ziehen, konstruktiv und ohne Konfrontation. Dafür schlagen wir als SPD eine Kommission mit unabhängigen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie mit Politikerinnen und Politikern des Landtags vor. Aber mindestens genauso wichtig ist, auch Bürgerinnen und Bürger und nicht nur Experten müssen an der Aufarbeitung beteiligt sein. Deswegen wollen wir einen repräsentativ ausgewählten Bürgerrat einsetzen, verehrte Kolleginnen und Kollegen. Kommission und Bürgerrat sollen innerhalb eines Jahres ihre Berichte vorlegen. Dafür – das ist wichtig – brauchen sie Zugang zu allen relevanten Akten aus dem Bayerischen Kabinett, aus dem Gesundheitsministerium und aus den Behörden. Nur so können wir Gräben überwinden und gemeinsam die richtigen Lehren ziehen. Nur mit vollständiger Transparenz kann auch Vertrauen geschaffen werden. (Beifall bei der SPD) Lassen Sie uns das jetzt gemeinsam anpacken. Lassen Sie uns überprüfen, ob wir unseren Kindern nach den Schulschließungen genug geholfen haben. Schauen wir nach, was wir an unseren Schulen verbessert haben und verbessern können. Beraten wir darüber, wie wir Frauen und Familien in schwierigen Situationen stärken und besser unterstützen können. Reden wir darüber, wie wir Einsamkeit und Isolation im Alter vermeiden können, gerade auch in Krisensituationen. Lassen Sie uns gemeinsam aus der Pandemie lernen im positiven Sinn, um unsere Gesellschaft zu versöhnen und nicht zu spalten. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPD)

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