Simone Strohmayr
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Erinnern Sie sich noch an Ihre Grundschulzeit, wie Sie Lesen, Schreiben, Rechnen gelernt haben? – Woran Sie sich aber bestimmt erinnern können, ist das gemeinsame Singen in der Grundschule, vielleicht an ein besonders schönes Werkstück, das Sie für Ihre Eltern erarbeitet haben, oder an ein Bild, das Ihnen ganz besonders gut gelungen ist. Möglicherweise erinnern Sie sich auch noch ans Häkeln, das vielleicht beim einen oder anderen nicht so gut geklappt hat; das ist aber eine andere Geschichte. Mit der Hand zu arbeiten, kreativ zu sein, selbst etwas zu schaffen, Ergebnisse zu sehen – all das gehört zur Grundschule, zu einer guten Grundschule. (Beifall bei der SPD) Das sehen nicht nur wir so, sondern über 200.000 Menschen haben die Petition "Stoppe die Zusammenlegung der Fächer Kunst, Musik und Werken in den Grundschulen in Bayern" unterschrieben. Wir sagen: mit Recht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer die Not an den Schulen kennt, der weiß, dass, wenn man den Schwerpunkt auf Deutsch und Mathe legt, Fächer wie Kunst, Musik, Werken notgedrungen wegfallen werden und damit viel Qualität an den Grundschulen verloren geht. Gleichzeitig gibt es in Bayerns Grundschulen drei Stunden Religionsunterricht, so viel wie in keinem anderen Bundesland. Teilweise gibt es gar nicht genug Lehrkräfte, um diese Religionsstunden zu halten. Ich sage das als überzeugte evangelische Christin. Ich habe viel Kontakt zu den Kirchen und weiß, wie es ausschaut. Ich bin der Meinung, wir brauchen hier Regelungen mit den Kirchen, damit wir den Religionsunterricht für die Zukunft gemeinsam fit machen. (Beifall bei der SPD) Dabei muss die Selbstständigkeit der Schulen gestärkt werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es kann doch nicht Ihr Ernst sein, dass als einzige Antwort auf die erneute Pisa-Klatsche ein Qualitätsverlust in Kauf genommen wird. Wir verstehen das einfach nicht. Wir brauchen doch mehr Qualität und nicht weniger. (Beifall bei der SPD) Wir brauchen mehr Weitblick und mehr Ressourcen in der Grundschule. Für uns heißt das insbesondere, dass Kinder, die aus verschiedenen Familien kommen, ganz unterschiedlich lernen. Das bedeutet, dass wir vor allen Dingen mehr Differenzierung mit individueller Förderung durch zusätzliches Personal brauchen. Das muss an allererster Stelle stehen: Wir brauchen für die Grundschule zusätzliche Ressourcen und zusätzliches Personal. (Beifall bei der SPD) Wir brauchen auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschule. Die Zusammenarbeit muss viel enger und nachhaltiger werden. Wir können in diesem Bereich so viel mehr und so viel besser machen. Wir wissen aus den früheren Pisa-Ergebnissen, dass eine gute Ganztagsschule die Resilienz der Schülerinnen und Schüler fördert und damit die Grundlage für späteren Bildungserfolg ist. Deswegen brauchen wir dringend mehr rhythmisierte Ganztagsschulen – und zwar von der Grundschule bis hin zum Gymnasium. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen da noch ganz viel nacharbeiten. (Beifall bei der SPD) Kolleginnen und Kollegen, das alles kostet viel Geld. Da ist es doch so richtig gut, dass die Ampelkoalition mit ihrem Startchancen-Programm einen richtig großen Wurf gelandet hat. Der Bund finanziert Bildungsprojekte der Länder auf zehn Jahre mit insgesamt zehn Milliarden Euro. Das ist das größte Bildungsprogramm, das jemals vom Bund aufgelegt wurde. (Beifall bei der SPD) Ich kann Sie nur auffordern: Nehmen Sie diese gute Nachricht zur Kenntnis. Allein für Bayern heißt das: Wir bekommen in den nächsten Jahren vom Bund zusätzlich 1,3 Milliarden Euro. Das ist eine unvorstellbar große Summe. Das bedeutet Startchancen für 580 Schulen in Bayern. 60 % davon sind Grundschulen, 40 % Mittelschulen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt ist die Staatsregierung in der Pflicht. Schade, dass die Ministerin heute nicht da ist. Sie muss endlich einen Sozialindex auf den Weg bringen. Sie muss die Schulen auswählen. Ich kann Sie nur auffordern: Machen Sie das Startchancen-Programm zu einem echten Erfolg hier in Bayern! Ich kann Ihnen garantieren: Das wird allen Grundschulen in Bayern helfen. Zum Schluss möchte ich noch drei Takte zum Antrag der GRÜNEN sagen. Der Antrag geht sicherlich grundsätzlich in die richtige Richtung. Wir finden ihn aber einfach unehrlich. Ihr sagt einfach: Wir brauchen eine Stunde mehr Unterricht. Natürlich wäre eine Stunde mehr Unterricht schön. Aber ich frage euch: Wie soll das in der jetzigen Situation, bei dem Lehrermangel, gelingen? (Katharina Schulze (GRÜNE): Bitte lesen!) Wir müssen doch erst einmal überhaupt den Unterricht hinbekommen, den wir jetzt schon auf dem Blatt stehen haben. (Katharina Schulze (GRÜNE): Stufenweise aufbauen!) Deswegen, weil uns hier einfach die Lösungen fehlen, werden wir bei diesem Antrag mit Enthaltung stimmen. (Beifall bei der SPD)
