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Schenk

09.10.2026 Sitzungen 8/58

Straftaten durch K.O.-Tropfen entschlossen entgegentreten – Prävention stärken und eine statistische Erfassung einführen

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, ich denke, in allen Redebeiträgen ist genau das deutlich geworden, was uns doch immer umtreibt, wenn wir über Prävention sprechen. Dieser ganz schmale Grat, wenn es um die Prävention von Gewalttaten geht, der verläuft zwischen dem Wachsamsein, jemandem glauben und zwischen dem Verdacht, den wir alle nicht erzeugen wollen, dass die Verantwortung am Ende allein beim Täter liegt. Und ich bin Ihnen allen sehr dankbar, dass Sie genau das auch in den Fokus gerückt haben, denn natürlich ist Prävention sehr zentral, Aufmerksamkeit ist sehr zentral. Viele Landkreise haben sich in den einzelnen Veranstaltungen zum Beispiel schon auf den Weg gemacht, um das bei ihren Karnevalsveranstaltungen, Stadtfesten oder jetzt in Erfurt beim Oktoberfest – Herr Abgeordneter Quasebarth, Sie hatten es als Beispiel genannt – zu vermeiden, und das finde ich sehr zentral. Trotzdem ist natürlich wichtig, dass in einer solchen Debatte am Ende nicht der Eindruck erweckt wird, dass es die Aufgabe der Frauen oder der Mädchen ist, ihr Glas besser im Blick zu behalten. Die zentralen Forderungen in der Diskussion über K. ‑ o. ‑ Tropfen finde ich allesamt wichtig und richtig – also, die Prävention zu stärken, den Opferschutz zu stärken, die medizinische Versorgung und die entsprechende Spurensicherung zu stärken. Über Daten, das hatte Abgeordnete Croll so treffend formuliert, ist am Ende auch Sichtbarkeit zu erreichen. Denn wo es keine Daten gibt, gibt es eben auch keine Zählbarkeit des Ausmaßes eines Problems. Am Ende ist es eben auch wichtig, hier im Rund deutlich zu machen, dass dieser K. ‑ o. ‑ Tropfen-Antrag Teil der Lösung eines gesamtgesellschaftlichen Problems ist. Dieses Problem besteht darin, dass Männer sich Frauen aneignen – mit Gewalt und das vorher mit Worten tun, das mit Blicken tun, das mit Übergriffigkeit tun. Am Ende ist eben die zentrale Botschaft: Allein der Täter trägt die Verantwortung, nicht du, weil du dein Glas nicht in der richtigen Hand hattest, nicht du, weil du keinen Getränkeschutz hattest, nicht du, weil du betrunken warst, nicht du, weil dein Rock zu kurz war, nicht du, weil du überhaupt feiern gehst. Dieses gesellschaftliche Verständnis ist aktuell leider noch nicht das, was man als Mehrheitsmeinung erleben kann. Das sieht man immer dann, wenn man in die Kommentarspalten von eben solchen Zeitungsberichten geht, in denen man liest, dass sich jemand aufgerafft hat und eine Anzeige erstattet hat. Das wurde auch in der Anhörung deutlich. Wie oft steht darunter: Warum warst du überhaupt dort? Mit wem warst du dort? Warum hast du das Getränk angenommen? Und deswegen muss es am Ende auch darum gehen, ein gesellschaftliches Umfeld zu schaffen, in dem Menschen sich überhaupt ohne Scham Hilfe suchen, ihren Verdacht äußern, den Clubbetreiber ansprechen, an der Bar um Hilfe bitten. (Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD) Sonst muss jede Informationskampagne immer nur ungehört verhallen, wenn sie am Ende bloß ein Appell an diejenigen ist, die Opfer werden können. Am Ende braucht es eine gesellschaftliche Ächtung von Menschen, von Männern, die überhaupt bereit sind, so eine Waffe zu ergreifen. Und ja, wenn Sie jetzt wieder reinrufen wollen, dass das auch ganz häufig vorkommt, weiß ich nicht, wie Ihr Geschlechtsakt so abläuft, aber ich habe es selten erlebt, dass Frauen sich auf einen wehrlos daliegenden Mann setzen. Deswegen ist es eben schon zentral, genau das hier in den Fokus zu rücken. (Beifall Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD) Es geht darum, dass Männer sich Frauen aneignen, dass Männer diese Kommentare machen, dass Männer bei Vergewaltigungen fragen: Wieso warst du da allein? Und es hilft eben nicht, aus der Ausnahme die Regel zu machen, sondern gerade hier muss es um ein gesellschaftliches Verständnis gehen, denn genau das führt am Ende zu dem, was wir brauchen. Denn wer nach mehr Rechtsschutz, nach mehr Staatsanwälten, nach mehr Polizei verlangt, muss am Ende auf Basis von den Zahlen natürlich auch bereit sein, entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Natürlich sind Informationskampagnen gut. Natürlich sind Teststreifen gut. Natürlich sind Haarbänder gut, die man in einen Getränkeschutz verwandeln kann. Natürlich ist eine informierte Öffentlichkeit gut. Aber am Ende ist so eine Debatte hier ein wichtiger Baustein für eine gesellschaftliche, neue, veränderte Diskussion. Die Scham muss die Seite wechseln bedeutet am Ende nämlich, Täter zu ächten und Getränkeschutz und Streifen überflüssig zu machen. (Beifall Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD) Abgeordnete Croll hat es gut mit ihrem Zitat aus der Anhörung deutlich gemacht. Am Ende sind nicht nur die körperlichen Folgen relevant, sondern die psychischen Folgen – für eine Frau, die sich als Opfer gefühlt hat, die sich angeeignet fühlen musste, die nicht mehr berichten kann, wie ihre Selbstbestimmung eigentlich verletzt wurde. Deswegen glaube ich, ist es am Ende ein ermutigendes Signal, wenn jeder, der hier im Opferschutz, in der Prävention, in der medizinischen Versorgung und in der Datenerfassung voranschreitet – jeder Clubbetreiber, jeder Polizist, jede Ärztin – auch genau weiß, dass das alles ein Beitrag zu einem gesellschaftlichen Bild ist, in dem wir erreichen wollen, dass niemand überhaupt Opfer wird. Und das erreichen wir am Ende eben durch den Satz, den Abgeordnete Güngör – jetzt Frau Präsidentin – ausgesprochen hat. Es geht nicht darum, Frauen aus dem öffentlichen Raum zu verbannen und wachsamer zu machen. Es geht darum, Männer und Söhne richtig zu erziehen. (Beifall CDU, Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD)

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