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Moritz Kalthoff

SPD 09.10.2026 Sitzungen 8/58

Straftaten durch K.O.-Tropfen entschlossen entgegentreten – Prävention stärken und eine statistische Erfassung einführen

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Tribüne und am Livestream, wir haben vorhin über Giselle Pellicot schon gehört, schrecklicher Fall, über 200 Vergewaltigungen. Das war sehr medial, alle haben davon gehört. Aber vielleicht sollten wir mal kurz in Deutschland bleiben. In Niedersachsen läuft derzeit ein Verfahren, dort steht ein 39-Jähriger vor Gericht, der fünf Jahre lang seine Freundin mit K. o. Mitteln betäubt hat, vergewaltigt hat, 103 Taten ‑ ‑ und allein von Einzeltaten mehrere hundert Videos aufgenommen hat. Im Prozess kam heraus, dass jetzt noch 78 Folgeverfahren gegen weitere Personen anstehen. Europaweit rausgekommen ist das Ganze durch Investigativrecherchen. Das Opfer in dem Prozess in Niedersachsen erfuhr erst durch die Ermittlungen, was überhaupt mit ihr geschehen ist. Ich glaube, das ist genau das Problem. Wir stehen heute hier an einem Freitag. Nachher, wenn dann Freitagabend ist, machen sich viele Menschen auf den Weg, gehen vielleicht hier in Erfurt auf das Oktoberfest oder sonst wohin, wollen unterwegs sein. Was auch immer mitschwingt, ist die Angst: Was passiert heute Abend vielleicht noch? Wo wache ich vielleicht auf? Was könnte passieren? Wir hören immer wieder davon und deswegen ist es auch richtig, dass wir heute diesen Antrag hier im Plenum beraten. Wie ich feststelle, ist sich das Haus an der Stelle auch einig, weil es aufhören muss. Ganz wichtig ist, wenn es dazu kommt, muss ein Opfer wissen, wo es Hilfe bekommt, was es tun kann und wie ihm geholfen wird. Das ist die Situation, über die wir heute sprechen. K. o. Mittel umfassen nicht nur eine einzelne Substanz, der Antrag weist das auch auf, über 100 unter‑ ‑ schiedliche Stoffe aus verschiedenen Bereichen. Und gerade bei sexualisierter Gewalt können die körperlichen und psychischen Folgen für Betroffene lange anhalten. Aber das Problem ist viel größer als das, was unsere Statistiken bisher zeigen, denn viele Fälle werden überhaupt nicht angezeigt, toxikologische Befunde fehlen und eine einheitliche statistische Erfassung existiert bislang nicht. Wir haben heute schon sehr viel gehört. Ich möchte es deswegen nicht in die Länge ziehen und weiche deswegen auch ein bisschen von meiner Rede ab. Aber ich glaube, und da bin ich ganz bei Frau Kollegin Croll, die gerade noch mal darauf verwiesen hat: Wir müssen dazu kommen, dass die Täter hier die Schuldigen und die sind, die die Scham bei sich haben müssen, und nicht die Opfer. Deswegen ist es gut, dass wir heute darüber reden und auch die Opfer einfach mal in den Mittelpunkt rücken. Denn die Scham – und das ist auch ein Satz aus dem Pellicot-Fall gewesen – muss die Seite wechseln. Das ist ganz wichtig. Deswegen freue ich mich, dass wir eine positive Ausschussempfehlung für diesen Antrag haben, der wir uns als SPD-Fraktion natürlich anschließen werden. Für alle, die vielleicht auch am Stream sind, hoffe ich, dass der heutige Abendausflug nicht in so einer Katastrophe endet, indem ein sehr krimineller Mensch sich Menschen zu eigen macht, sie betäubt, sie misshandelt und missbraucht. Vielen Dank. (Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD)

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