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Maximilian Schröter

SPD 08.10.2026 Sitzungen 8/57

Hitzeschutz in Thüringen wird überlebensnotwendig – jetzt verbindlich vorsorgen und verlässlich finanzieren

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, sehr geehrte Gäste auf der Tribüne, drei sind noch da, und liebe Interessierte am Livestream! Klimaschutz ist Menschenschutz und gerade beim Hitzeschutz wird sehr deutlich, was diese Aussage bedeutet, nachdem im August die veröffentlichten Zahlen des Robert Koch-Instituts für den Freistaat 300 hitzebedingte Todesfälle für den Freistaat Thüringen aussagen. Ja, das ist eine Schätzung, aber das sind vor allen Dingen Menschenleben – Thüringerinnen und Thüringer. 300 Menschen, das klingt vielleicht im ersten Moment abstrakt, aber das ist es nicht, wenn man sich verdeutlicht, dass es in Thüringen unzählige Dörfer, kleine Gemeinden, Siedlungen gibt, die weniger Einwohnerinnen und Einwohner haben, als es Hitzetote in Thüringen allein diesen Sommer gab. Extreme Hitze ist offensichtlich eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben. Aus diesem Grund müssen wir uns fragen, wie wir solche Todesfälle künftig soweit wie möglich verhindern können. Wenn die Wohnung auch nachts nicht abkühlt, wird aus einem anstrengenden Tag eine dauerhafte Belastung. Wer auf dem Bau, in der Werkhalle, in der Klinik oder auf dem Feld arbeitet, kann der Hitze oft kaum ausweichen. Und wer bereits eine Vorerkrankung hat, das dürfen wir nicht vergessen, der spürt die Hitzewelle zusätzlich und auch sehr bedrohlich. Auch wenn wir es heute beim Blick nach draußen oder vielleicht aufs Thermometer oder zumindest mal in die Wetter-App nicht merken, die Folgen heißer Sommer und einer Regelmäßigkeit von Temperaturen über 30 oder gar 40 Grad sind spürbar. Um es mal bildlich zu malen, der Klimawandel ist längst in Thüringen angekommen. Darüber kann es keinen Zweifel geben. Die Sonne ist nämlich nicht mehr am Horizont, sondern sie steht im Zenit über uns und wir stehen direkt darunter. Dagegen hilft auch nicht der Lichtschutzfaktor 2030 oder 2040. Wir müssen jetzt handeln, denn der Klimawandel wartet nicht auf uns. Sich an die Folgen dieses menschengemachten Klimawandels anzupassen, ist also geboten. Dabei ist sowohl der Schutz des Klimas als auch die Anpassung an den bereits vorangeschnittenen Klimawandel eine soziale Frage. Und soziale Fragen brauchen – ich denke, da sind wir uns einig – soziale Antworten. So weit, so einfach. Was das aber konkret bedeutet, heißt beispielsweise, der Pflegebedürftige braucht eine Einrichtung, die nicht nur im Winter heizt, sondern auch im Sommer kühlt. Das Kind im Kindergarten braucht einen schattigen Spielplatz, über den sich im Übrigen auch die Erzieherinnen und Erzieher freuen dürften. Und der ältere Mensch in seiner Dachgeschosswohnung, der eben schon beim Kollegen angesprochen wurde, freut sich auch nicht nur über die Debatten, ob nun der Klimawandel real ist oder ob es vor 50 Jahren vielleicht auch mal ein paar heiße Tage gab. Aber vor allem ist es den Menschen, die auf den Marktplätzen in Thüringen unterwegs sind, wichtig, dass sie Trinkwasserbrunnen haben, begrünte Flächen und kühle Orte in ihrer Reichweite. Deswegen dürfen wir Hitzeschutz nicht allein zu einer privaten Aufgabe degradieren. Es ist vielmehr eine gesellschaftliche und auch eine staatliche Aufgabe, eben Menschen zu schützen. Ein Schutz, der vor allem dort wirken muss, wo sich die Thüringerinnen und Thüringer aufhalten, das ist – na klar – zu Hause, das ist auf Arbeit, aber auch in ihrem sonstigen täglichen Leben. Der Thüringer Hitzeaktionsplan, der mitten im Sommer durch Sozialministerin Schenk und Umweltminister Kummer vorgestellt wurde, ist dafür zunächst ein wichtiger Baustein. Wir müssen den Hitzeschutz also beispielsweise beim Planen und beim Bauen mitdenken. Mehr Schatten und mehr Grün – das klingt so einfach, aber es hilft auch sehr effektiv, zum Beispiel den besagten Kindern im Kindergarten, den Pflegebedürftigen in den Einrichtungen und den Menschen auf den Marktplätzen. Einen besonderen Aspekt, den möchte ich dabei aber nicht unerwähnt lassen, und zwar ist das ein kühler Ort. Der hilft nur dann wirklich, wenn er auch barrierefrei erreichbar ist. Familien, Menschen mit Behinderungen, auch ältere Menschen sind darauf angewiesen und es ist unsere Aufgabe, auch sie explizit in den Blick zu nehmen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Sie sehen also, Hitzeschutz ist mehr als ein Knopfdruck auf der Klimaanlage. Im vergangenen Plenum haben wir auch schon ausführlich die Klimaanpassungsstrategie beraten. Diese Strategie setzt einen Rahmen und beschreibt eine Vielzahl von Vorhaben, die jetzt zügig angegangen werden müssen. Gemeinsam sind diese Klimaanpassungsstrategie auf der einen Seite und natürlich auch der Hitzeaktionsplan eben Ausdruck unserer Pflicht, einerseits zur Daseinsvorsorge und andererseits auch, um der Klimakrise etwas entgegenzuwirken. Denn wir wollen den vorliegenden Antrag, das kann ich jetzt vorweggreifen, für die regierungstragenden Fraktionen in den Umweltausschuss überweisen und in der kommenden parlamentarischen Beratung sowohl diesen Antrag zugrunde legen als auch mit Blick auf die Klimaanpassungsstrategie genau hinsehen: Wie erreichen denn Waren- und Beratungsangebote die vulnerablen Gruppen, also die Älteren, die Kranken, Schwangeren und die Familien? Wie entlasten wir Beschäftigte in Einrichtungen wie zum Beispiel in Kliniken? Wer übernimmt denn welche Aufgaben – Bund, Land, Kommune? Und wie finanzieren wir am Ende den Hitzeschutz verlässlich und nachhaltig? Dabei wäre es gleichzeitig wirklich ein großer Fehler, einfach zu glauben, die bloße Anpassung an das, was an klimatischen Veränderungen schon gekommen ist, reicht aus, und wir könnten uns einfach ein schattiges Plätzchen irgendwo suchen und dann in die Sonnenliege fallen lassen. Das reicht nicht aus. Wir können und müssen Schulhöfe begrünen, Gebäude verschatten und Wasser in den Landschaften zurückhalten. Das ist notwendig. Aber je weiter die Erderwärmung voranschreitet – und wir sind jetzt schon in Thüringen bei 1,5 Grad Klimaerwärmung –, desto schwieriger wird es, ihre Folgen aufzufangen. Zur Realität gehört deswegen auch dazu: Klimaanpassung braucht wirksamen Klimaschutz, heute und auf lange Sicht. Wenn wir später einmal auf den Hitzesommer 2026 zurückblicken, wird nicht entscheidend sein, wie viele tropische Nächte es gab, wie viele Tage über 30 oder 40 Grad gemessen wurden, sondern was wir tatsächlich auf den Weg gebracht haben. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich etwas holzschnittartig enden. Wer Bäume pflanzt, sorgt für Schatten und wer dafür sorgt, dass der Schatten dann allen gehört, der macht Politik für die Vielen und behält am Ende auch einen kühlen Kopf, denn Hitzeschutz ist Menschenschutz. Danke. (Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD)

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