Sigrid Hupach
b) Personal und Ressourcen entlasten – Patientensteuerung, Patientenschutz und Prävention im Thüringer Gesundheitswesen stärken
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, werte Gäste, heute sprechen wir über zwei Anträge, die gemeinsam im Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie beraten wurden. Zu beiden gab es eine schriftliche Anhörung. Beide kommen mit einer positiven Beschlussempfehlung zurück ins Plenum. Hinter der Patientensteuerung steht eine praktische Frage: Wie erreichen die Menschen in Thüringen zur richtigen Zeit die Versorgung, die sie brauchen? Wer mit Beschwerden vor einer verschlossenen Praxis steht, braucht eine verständliche Auskunft über den nächsten Schritt. Wer nach einem Krankenhausaufenthalt Pflege organisieren muss, braucht verlässliche Ansprechpartner. Wer akut Hilfe sucht, muss einschätzen können, ob der ärztliche Bereitschaftsdienst oder der Rettungsdienst zuständig ist. An solchen Situationen muss sich unsere Politik messen lassen. Der Antrag der Linken setzt einen Schwerpunkt auf Gesundheitskompetenz. Wer medizinische Hilfe benötigt, muss Informationen verstehen und Angebote finden können. Das gilt für Kinder, ältere Menschen und Menschen, denen digitale Angebote schwer zugänglich sind. Die vorgeschlagene Landesstrategie und eine stärkere Gesundheitsbildung verdienen unsere Zustimmung. Gesundheitskompetenz beginnt früh, wenn Kinder ihren Körper verstehen lernen. Später hilft sie, verlässliche Informationen zu erkennen, Vorsorgeangebote zu kennen und im Behandlungsgespräch die richtigen Fragen zu stellen. Unser gemeinsamer Antrag von CDU, Thüringen.Gerecht und SPD nimmt zugleich die Versorgungsstrukturen in den Blick. Wir können Menschen nicht allein diese Aufgabe übertragen, sich in einem komplizierten System zurechtzufinden. Praxen, Krankenhäuser, Pflege, Apotheken und Rettungsdienste müssen besser zusammenarbeiten und Informationen zuverlässig weitergeben. Gute Steuerung beginnt bei den Übergängen zwischen diesen Bereichen. Nach einer Behandlung darf die weitere Versorgung nicht zur privaten Suchaufgabe werden. Medizinisches Wissen muss gemeinsam genutzt werden. Das entlastet Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Beschäftigte im Rettungsdienst. Ein wichtiger Baustein ist die telemedizinische Praxisregion Thüringen. Telemedizinische Sprechstunden, mobile Einheiten und Telekonsile können medizinische Expertise auch dort verfügbar machen, wo die Wege lang sind. Wir wollen prüfen, wie Apotheken als niedrigschwellige Anlaufstellen und die Kompetenz des Universitätsklinikums Jena dabei eingebunden werden können. Gerade im ländlichen Raum können solche Angebote Wege ersparen. Persönlicher Kontakt bleibt aber unverzichtbar, wenn eine Untersuchung oder die Arzt-Patienten-Beziehung ihn erfordert. Digitale Angebote müssen zugänglich sein. Wer sie nicht nutzen kann, braucht weiterhin einen erreichbaren persönlichen Weg zur Versorgung. Angebote müssen barrierefrei sein und auch Menschen ohne Smartphone oder stabile Internetverbindung erreichen. Bei der Umsetzung müssen digitale, telefonische und persönliche Wege zusammenspielen. Der Maßstab ist, ob Hilfe tatsächlich ankommt. Auch in der Notfallversorgung braucht es Orientierung. Leitstellen und der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 sollen besser verknüpft werden, damit Menschen schneller passende Hilfe erhalten und Rettungsdienst sowie Notaufnahmen entlastet werden. Zu unserem Ansatz gehört ebenso die Prävention. Wir wollen den Öffentlichen Gesundheitsdienst in der Gesundheitskommunikation stärken, Ernährungsprävention voranbringen und technische Unterstützung für ein möglichst selbstbestimmtes Leben nutzen. Auch das Entlassungsmanagement im Krankenhaus muss Familien besser begleiten, wenn nach einem Aufenthalt plötzlich Pflege organisiert werden muss. Familien müssen rechtzeitig erfahren, welche Unterstützung zu Hause möglich ist und an wen sie sich wenden können. Gut abgestimmte Abläufe sparen Zeit und geben Sicherheit in einer belastenden Situation. Meine Damen und Herren, die beiden Anträge setzen unterschiedliche Schwerpunkte und ergänzen sich an einigen Stellen. Gesundheitskompetenz hilft Menschen, Entscheidungen zu treffen. Besser vernetzte Versorgungsangebote sorgen dafür, dass aus diesen Entscheidungen ein erreichbarer Behandlungsweg wird. Deshalb begrüßen wir die positiven Beschlussempfehlungen des Ausschusses. Wir stimmen sowohl dem Antrag „Gesundheitskompetenz stärken – Patientensteuerung im Gesundheitssystem verbessern“ als auch unserem gemeinsamen Antrag „Personal und Ressourcen entlasten – Patientensteuerung, Patientenschutz und Prävention im Thüringer Gesundheitswesen stärken“ zu. Unser Ziel ist eine Versorgung, die Orientierung gibt und unnötige Wege vermeidet und knappe Ressourcen dorthin bringt, wo sie gebraucht werden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall CDU, Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD)
