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Matthias Hey

SPD 08.10.2026 Sitzungen 8/57

Schreibschrift statt Tablets – für bewährte Methoden beim Schriftspracherwerb

Frau Präsidentin, vielen Dank. Meine sehr geehrten Damen und Herren, eben hat meine Vorrednerin schon darauf abgestellt. Ich lese den Antrag der Fraktion in der Überschrift noch mal vor: „Schreibschrift statt Tablets – für bewährte Methoden beim Schriftspracherwerb“ – und dann noch Ausrufezeichen; also diese Interpunktion mit der Faust auf den Tisch, das musste sein. Sie haben in Ihrer Begründung – es geht ja darum, dass die Kinder die verbundene Schreibschrift lernen müssen – auch noch ausgeführt, dass das die Feinmotorik, die Hand-Hirn-Koordination usw. mit stärkt. Darüber gibt es ja auch Erhebungen, das ist doch alles richtig. Aber jetzt habe ich das noch mal, obwohl ich meist ohne Zettel nach vorn gehe, mit nach vorn gebracht. Das ist der Lehrplan des Thüringer Bildungsministeriums für die Grundschulen im Jahr 2026 und auf Seite 19, Sie können es nachlesen, sind alle Forderungen, die Sie hier an die Landesregierung stellen, im Grunde schon erfüllt. Da steht das alles drin mit der verbundenen Handschrift usw. Ich sage Ihnen, das Ding steht im Internet. Sie brauchen gar keine Feinmotorik, keine Hand-Hirn-Kompetenzen. Einfach draufklicken und dann hätten Sie uns, wie gesagt, diesen ganzen Nachmittag ersparen können. (Beifall CDU, Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD) Jetzt können Sie sagen: Ja, aber was ist mit den Tablets? Gut. Da steht auch auf Seite 19 dieses Lehrplans, dass das als zeitgemäße Ergänzung betrachtet wird – nicht ersetzen, ergänzen. Sehen Sie, das ist verstehendes Lesen. Das kriegen die auch schon in der Grundschule, (Beifall CDU, Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD) aber auch da muss ich sagen, da hapert es bei Ihnen. Ich verstehe das ja mit den Tablets. Wissen Sie, ich bin in der Mitte der 70er-Jahre in die Schule gekommen und habe das Schreiben gelernt und als DDR-Kind ja nicht nur mit Füllfederhalter, sondern wir haben sogar noch solche Stahlfedern gehabt und mussten so kleine Tintenfässer mit in die Schule schleppen. VEB Bürochemie Dresden, das hieß Barocktinte, die gibt es im Übrigen heute noch. Und da war immer alles eingesaut und die Mütter haben getobt wegen der Flecken, die gingen nicht heraus usw. usf. Aber das ist jetzt 50 Jahre her, Herr Jankowski. Das ist ein halbes Jahrhundert. Und ganz ehrlich, ich weiß, Sie wollen die Zeit in vielen Bereichen zurückdrehen, nicht nur hier, aber Sie müssen doch auch mal die Zeit heute anerkennen. Die Kinder werden mit digitalen Endgeräten groß. Und auch schon Kinder in der Grundschule kennen Tablets, die kennen Smartphones, die kennen Smart-TV zu Hause, und das müssen wir doch anerkennen. Und ich finde, liebe Kolleginnen und Kollegen von der AfD, das Beste, was unseren Kindern passieren kann, ist doch, wenn unsere großartigen Lehrerinnen und Lehrer in unseren Schulen kontrolliert und organisiert mit diesen Kindern das an Tablets lernen. Was Besseres gibt es doch gar nicht. (Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD) So, und jetzt könnte man sagen, jetzt ist der ganze Antrag abgeräumt, aber ich will trotzdem noch mal auf diese Begründung zurückkommen. Frau Gerbothe hat es auch schon mal – die ist wirklich, das ist die Wucht auf Krücken. Also Sie schreiben unter anderem – unter dem machen Sie es ja nicht, Sie drehen das ganz große Rad: „Die verbundene Handschrift“, muss ich mal vorlesen, „ist außerdem ein Ausdruck der individuellen Persönlichkeit, den es im Sinne unserer christlich-abendländischen Kultur zu schützen und zu unterstützen gilt“. Und ich frage Sie, vor wenigen Wochen kommt ein Mitglied Ihrer Fraktion hier nach vorn an dieses Pult und fordert ernsthaft, dass den beiden großen Kirchengemeinschaften hier in Thüringen die Gelder gekürzt werden. Und jetzt schreiben Sie hier so was rein. Ist das Netflix? Ist das Realsatire? (Beifall CDU, Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD) Also Sie müssen sich mal überlegen, wenn Sie so was zusammenschreiben, was Sie hier für ein Bild abgeben. Und das kann ich Ihnen natürlich jetzt auch nicht ersparen. Ihr Fraktionsvorsitzender Björn Höcke war vor gut zwei Jahren vor Gericht – kommt immer wieder mal vor, wir wissen das – aus Gründen. Und als er vorm Landgericht Halle stand, hat er an seinem letzten Prozesstag einen handschriftlichen Zettel mitgebracht. FOCUS Online – Sie können da nachlesen und können auch diesen Beitrag im Internet noch mal nachgucken – zoomt diesen Zettel groß heran. Den hat er handschriftlich ausgefüllt und liest auch daraus vor. Und ich nehme an, FOCUS Online ist bei Ihnen schon unter der Fachabteilung Lügenpresse, aber Sie können es im Internet nachvollziehen. Man kann sich diesen Zettel, diesen handschriftlich geschriebenen Zettel angucken, Herr Jankowski. Und wenn ich mir diese Handschrift so angucke, ich mache mir Sorgen um Ihren Fraktionsvorsitzenden und seine Persönlichkeit, um die christlich-abendländische Kultur. Ich muss es einfach mal so sagen. (Heiterkeit und Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD) So, und dieser Satz, auf den hat meine Kollegin von Thüringen.Gerecht auch abgestellt, den muss man wirklich mal auf Lunge rauchen. Hier steht, „die Gesellschaft fragmentiert“ – warum Sie als Patrioten überhaupt so viele Fremdwörter in unserer deutschen Muttersprache benutzen. Ich übersetze es mal, die Gesellschaft wird zerbröselt und zerlegt, „insbesondere, wenn sich unter Personen nicht deutscher Herkunft, die mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen sind, Parallelstrukturen entwickeln“. Also das heißt wörtlich übersetzt, wenn es Leute gibt, die nicht deutsch sind – da haben Sie ja genaue Definitionen mit Bio-Deutsch usw. usf. Und wenn die hierherkommen und auch noch eine andere Sprache sprechen, das führt immer zu Parallelstrukturen. Meine Damen und Herren, das hat nichts, aber auch gar nichts mit der Frage der Tablets zu tun, mit der verbundenen Schreibschrift. Ich weiß nicht, was dieser Satz überhaupt in dieser Begründung zu suchen hat. Wahrscheinlich gibt es ein paar Radikalinskis bei Ihnen, die darauf bestanden haben. Aber eine Bitte hätte ich doch noch. Können Sie nicht wenigstens diese widerwärtige Soße, die Sie in allen Gesetzentwürfen, in jedem Antrag wieder mit auskippen, wenigstens von unseren sechs- bis zehnjährigen Kindern in unseren Schulen weglassen? Das wäre doch schon mal ein Anfang. (Beifall CDU, Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD) Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Erwartungen schon aufgrund der Überschrift – mit Ausrufezeichen –, die waren schon im Keller. Aber was Sie hier gemacht haben, auch mit dieser Begründung, Sie haben tatsächlich noch einen Spaten mitgebracht. Und das muss man erst mal schaffen. Vielen Dank. (Beifall CDU, Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD)

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