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Ulrike Große-Röthig

Die Linke 08.10.2026 Sitzungen 8/57

Schreibschrift statt Tablets – für bewährte Methoden beim Schriftspracherwerb

Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, manchmal fehlt mir echt die Lust, zu solchen Anträgen zu sprechen. Man ist auch für kleine Geschenke dankbar. Ich bin ja schon dankbar, dass Sie keine Rückkehr zum Sütterlin gefordert haben. Ich weiß nicht, welche Schulen Sie so besuchen. In den Grundschulen, in denen ich mich bewege, in denen sich meine Kinder bewegen, in denen sich viele von unseren Kindern bewegen, gibt es Stift und Papier. Da gibt es auch Tablets, aber vor allem gibt es da Stift und Papier, aber Gott sei Dank kein Sütterlin mehr. Das hat sich nicht bewährt, ebenso wie andere Leute Länder überfallen, auch damit haben wir aufgehört, genau wie mit dem Sütterlin. (Unruhe AfD) Mal wieder haben wir also hier einen Antrag der AfD, der Empörung bewirtschaftet und nichts anderes. Schlecht recherchiert, mit heißer Nadel gestrickt, mit solchen Anträgen lässt sich schlicht keine Politik machen, sondern nur Populismus. (Beifall SPD) Eine Rückkehr in eine Vergangenheit, die es so nie gab, und in eine Zukunft, die wir so tatsächlich auch nicht wollen. Mehr als Stimmungsmache erwarten wir von Ihnen nicht. Et voilà, Sie liefern. Ich möchte daher die Zeit nutzen, um die Herausforderungen zu thematisieren, die wir aktuell in unseren Schulen haben. Es ist unbestritten, dass Grundschulkinder, wenn sie von Hand schreiben, auch bessere Lesekompetenz haben und ihnen Rechtschreibung auch leichter fällt. Wissenschaftler/-innen haben längst herausgefunden: Wer mit der Hand schreibt, hat eine erhöhte Hirnaktivität, genau in den Regionen des Gehirns, die fürs Lernen wichtig und für die Informationsverarbeitung zuständig sind. Gleiches gilt im Übrigen für andere Tätigkeiten, die die Feinmotorik fördern, wie Basteln, Malen, Rumfummeln an allem Möglichen, Rumwerkeln im Werkunterricht, den wir in Thüringen haben. Kinder brauchen diese Fähigkeiten später im Leben, um Informationen richtig prüfen, analysieren und einordnen zu können. Das heißt, dem erfolgreichen Schriftspracherwerb von Grundschulkindern kommt tatsächlich eine sehr hohe Bedeutung für die persönliche Entwicklung, für die Teilhabe an unserer Gesellschaft und am kulturellen Leben, für das gesamte schulische Lernen zu. Und ich denke, dass niemand hier und auch niemand in Thüringens Schulen das infrage stellt. Im Landtag war und ist auch immer in unterschiedlichen Zusammenhängen das Fach Medienkunde ein Thema. Dieses Fach wird auch an Grundschulen gelehrt und damit natürlich auch der Umgang mit PC und Tablets fächerübergreifend, das heißt nicht dauernd, sondern punktuell. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die AfD will den Einsatz digitaler Endgeräte im Schriftspracherwerb an den Grundschulen verbieten. Dabei sollten wir uns doch fragen, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Grundschulzeit besitzen sollten, um altersentsprechend sicher mit Medien, mit Printmedien und auch mit digitalen Medien, umgehen zu können, ohne dabei das analoge Schreiben von Hand zu vernachlässigen oder gar hintanzustellen. Digitale Endgeräte gehören ganz natürlich in die Lebenswelt unserer Kinder, auch Lern-Apps, auch wichtige neue Möglichkeiten, Kompetenzen zu erlernen. Da müssen wir uns auch einfach nichts vormachen, das ändern wir nicht, auch nicht durch so einen Antrag von der AfD. Auf unserer Ausschussreise ins estnische Schulsystem im letzten Jahr haben wir gesehen, wie Prioritäten gesetzt werden, damit Kinder in der analogen und in der digitalen Welt gut zurechtkommen. Sie sind ab und zu im Unterricht hybrid unterwegs, schreiben dabei analog mit der Hand. Uns täte gut, genau hier hinzusehen, denn die PISA-Ergebnisse aus Estland sollten uns ein Vorbild sein. Digitalisierung und KI verändern unsere Gesellschaft. Nachhaltiges Ziel muss es sein, mündige Bürger/ ‑ innen zu erziehen. Daher sollten wir wichtige Basiskompetenzen wie Rechnen, Schreiben, Lesen in Zukunft noch mehr stärken, ohne das Fach Medienkunde hintanzustellen. Und um es mit Ihren Worten zu sagen: Irgendwann ist nicht irgendwann, irgendwann ist heute. Das Neue mit dem Besseren verwechseln, das haben viele in Sachsen-Anhalt gerade erst getan. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall Die Linke, Thüringen.Gerecht, SPD)

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