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Denny Jankowski

AfD 08.10.2026 Sitzungen 8/57

Schreibschrift statt Tablets – für bewährte Methoden beim Schriftspracherwerb

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Abgeordnete, liebe Gäste auf der Tribüne! Ich habe unseren Antrag eben bereits vorgestellt. Deshalb möchte ich jetzt nicht noch einmal wiederholen, was wir konkret beantragen. Ich möchte vielmehr darüber reden, warum wir diesen Antrag überhaupt für notwendig halten. Denn wir diskutieren heute nicht über irgendeine Nebensächlichkeit des Schulalltags. Wir reden über Lesen und Schreiben, über zwei grundlegende Kulturtechniken, ohne die nahezu alles Weitere in unserem Bildungssystem nicht funktioniert. Und genau bei diesen Grundlagen haben wir ein Problem. Der IQB-Bildungstrend zeigt seit Jahren eine besorgniserregende Entwicklung bei Deutschkompetenzen unserer Schüler. Zwischen 2015 und 2022 ist bundesweit der Anteil der Neuntklässler, die die Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss im Fach Deutsch verfehlen, je nach Kompetenzbereich deutlich gestiegen. Und wer glaubt, dass sich diese Entwicklung inzwischen umgekehrt hätte, muss sich nur die vor drei Wochen veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie anschauen. Auch dort erreichen die Jugendlichen in Deutschland beim Lesen einen neuen Tiefstand. Gegenüber 2015 ist der Anteil der leistungsschwachen Schüler beim Lesen um 15 Prozentpunkte gestiegen, und nicht nur beim Lesen, in allen drei untersuchten Bereichen sind die Ergebnisse von PISA 2025 die niedrigsten, die von Deutschland bislang bei PISA je gemessen wurden. Und das sind keine Kleinigkeiten mehr. Unser ganzes Bildungsniveau gerät gewaltig ins Rutschen. Wenn die Ergebnisse über Jahre hinweg schlechter werden, dann sollte die Bildungspolitik irgendwann den Mut haben, nicht immer nur nach der nächsten neuen tollen Methode zu suchen, manchmal sollte man sich auch fragen, was haben wir eigentlich aufgegeben, obwohl es funktioniert hat. Und damit sind wir wieder bei der Schreibschrift. Über Generationen war es vollkommen selbstverständlich, dass Kinder in der Grundschule eine verbundene Schrift erlernen. Heute ist das leider nicht mehr so selbstverständlich. Und ich freue mich ja, Frau Gerbothe, dass Sie meinen, dass hat sich alles jetzt schon geändert und es ist alles wieder auf dem Weg der Besserung. Die Realität sieht aber anders aus. Ich habe vor Kurzem erst wieder mit Eltern gesprochen, das Kind kam aus der vierten Klasse, kann keine verbundene Handschrift, gerade mal Druckbuchstaben wurden den Schülern vermittelt. Die andere Realität sieht auch mit den Tablets anders aus. Gerade während Corona bei den Wirren, da haben teilweise Grundschulen angefangen, schon ab der zweiten Klasse auf Tabletklassen umzustellen. Das ist doch die Realität an unseren Schulen und das wollen wir genau mit unserem Antrag jetzt wieder dafür sorgen, dass das wieder geradegerückt wird. Es heißt ja auch immer, manchmal würde jemand glauben, na ja, die Schreibschrift ist ja vielleicht heute gar nicht mehr so zeitgemäß, schließlich würden die Texte am Computer geschrieben, Nachrichten auf dem Smartphone verschickt und Formulare auch digital ausgefüllt werden. Aber, meine Damen und Herren, die Aufgabe der Grundschule besteht nicht darin, Sechsjährige möglichst früh auf die Bedienung der neuesten Geräte vorzubereiten. Die Aufgabe der Grundschule besteht zunächst darin, Kindern grundlegende Fähigkeiten beizubringen: Lesen, Schreiben und Rechnen. (Beifall AfD) Und Schreiben bedeutet eben nicht nur, mit dem Finger den richtigen Buchstaben auf der Tastatur zu finden. Beim Schreiben mit der Hand müssen Bewegungsabläufe erlernt werden, Feinmotorik, Wahrnehmung und Sprache wirken zusammen, Buchstaben müssen selbst geformt und miteinander verbunden werden und das ist ein völlig anderer Vorgang als das Drücken einer x-beliebigen Taste und dafür gibt es auch genug wissenschaftliche Hinweise. Untersuchungen zeigen die Vorteile des Handschreibens etwa beim Erkennen und Erinnern von Buchstaben und Wörtern. Andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass flüssiges händisches Schreiben mit Verbesserungen bei Textproduktionen, Lesen und Rechtschreibung verbunden sein kann. Eine aktuelle Untersuchung mittels EEG zeigt zudem beim Schreiben mit der Hand deutlich komplexere Vernetzungsmuster verschiedener Hirnregionen als beim Tippen. Um hier Missverständnisse nicht entstehen zu lassen, mit EEG ist an dieser Stelle mal ausdrücklich nicht das Erneuerbare-Energien-Gesetz gemeint, sondern die Elektroenzephalografie. Wir sollten auch keine Untersuchungen überinterpretieren, Wissenschaft besteht nicht darin, sich eine einzelne Studie herauszusuchen und daraus eine absolute Wahrheit abzuleiten. Aber die Forschung liefert uns genügend Gründe, das Schreiben mit der Hand nicht leichtfertig aus unseren Schulen herauszudrängen. Und trotzdem gehen wir genau – wie ich es vorhin beschrieben habe – teilweise in eine andere Richtung. Damit komme ich auch zum zweiten Teil unseres Antrags, der Digitalisierung. Ich sage es noch einmal ganz ausdrücklich: Wir sind nicht komplett gegen digitale Bildung an unseren Schulen. Natürlich müssen Schüler irgendwann lernen, mit Computern umzugehen. Natürlich müssen Sie irgendwann lernen, digitale Informationen zu suchen, einzuordnen und zu bewerten. Und selbstverständlich werden Computer im späteren Berufsleben für viele Menschen ein ganz normales Arbeitsmittel sein. Aber aus der Tatsache, dass eine Technik existiert, folgt noch lange nicht, dass sie in jedem Alter und für jeden Lernprozess geeignet ist. Digitalisierung ist kein pädagogischer Selbstzweck, aber genau diesen Eindruck bekommt man bei der aktuellen Bildungspolitik. Man drückt den Kindern teilweise Tablets in die Hand, nur weil es moderner wirkt als ein Heft, man lässt sich von Moden treiben und verkauft es dann als Fortschritt, aber so einfach funktioniert Bildung einfach nicht. Ein schlechter Unterricht wird nicht dadurch besser, dass das Arbeitsblatt auf dem Bildschirm erscheint, und ein Kind lernt nicht automatisch besser, weil das Lernmittel nun einen Akku hat. Und in der Tat weisen viele Studien genau auf das Gegenteil hin. Andere Länder sind bei der Diskussion bereits deutlich weiter. Dänemark zum Beispiel, das war mal eines der Vorreiter bei der digitalen Bildung. Dänemark empfiehlt seinen Grundschulen inzwischen ausdrücklich, Tablets und Computer wegzulegen. Sie empfehlen, digitaler Ablenkung entgegenzuwirken und ausreichend Raum für analoges Lernen zu schaffen. Dort wurden erhebliche zusätzliche Mittel bereits jetzt für Schulbücher bereitgestellt, ausdrücklich als Gegengewicht zum Unterricht vor Bildschirmen. Und warum? Weil man inzwischen Erfahrungen gesammelt hat, die wir nicht erst selbst wiederholen müssen. Eine Untersuchung des dänischen Bildungsministeriums zeigt beispielsweise, dass sich mehr als jeder dritte Schüler im Unterricht durch digitale Geräte abgelenkt fühlt. 40 Prozent gaben an, digitale Geräte zumindest in manchen Unterrichtsstunden zur Unterhaltung zu nutzen, und die kommende Zahl ist, glaube ich, die deutlichste Warnung: Schüler, die digital lernen, haben gegenüber denen, die analog lernen, teilweise einen Lernrückstand beim Lesen von bis zu zwei Jahren. Das sind zum Teil zerstörte Existenzen, das sind Kinder, die teilweise ihrer Zukunft beraubt wurden. Da muss man sich schon die Frage stellen: Wollen wir das auch in Thüringen haben? Ich hoffe doch wohl nicht. Gerade in der Grundschule haben deswegen Tablets beim eigentlichen Schriftspracherwerb in meinen Augen nichts verloren. Das bedeutet nicht, dass ein Kind bis zum 18. Geburtstag keinen Computer sehen darf. Es bedeutet lediglich, erst schreiben lernen, dann tippen, erst lesen lernen, dann wischen, erst Grundlagen schaffen und dann digitalisieren. Das ist keine Technikfeindlichkeit, das ist eine Frage der Reihenfolge. Ich vermute, dass auch gleich wieder der Vorwurf kommt, unser Antrag sei rückwärtsgewandt. Das hören wir hier im Landtag immer wieder. Auch diese Argumente kennen wir zur Genüge. Wenn man das gedruckte Schulbuch verteidigt, ist man rückwärtsgewandt. Wenn man Handschrift erhalten will, ist man auch rückwärtsgewandt. Und wenn man davor warnt, Grundschüler stundenlang vor Bildschirme zu setzen, ist man auch rückwärtsgewandt. Fortschritt bedeutet aber nicht, jede neue technische Möglichkeit unreflektiert einzusetzen. Fortschritt bedeutet, neue Erkenntnisse ernst zu nehmen und Fehlentwicklungen zu korrigieren. Wenn Länder, die bei der Digitalisierung ihrer Schulen deutlich weiter gegangen sind als Deutschland, inzwischen wieder mehr Wert auf Bücher, Handschriften und analoge Lernformen legen, dann sollte man zumindest bereit sein, diese Erfahrungen wenigstens mal anzuschauen. Natürlich verändert sich Schule, natürlich verändert sich auch die Kommunikation, aber nicht alles, was älter ist, ist deswegen auch überholt. Und nicht alles, was digital ist, ist deswegen Fortschritt. Vielleicht liegt eines unserer Probleme in der Bildungspolitik gerade darin, dass wir über viele Jahre zu häufig das Neue mit dem Besseren verwechselt haben: neue Methoden, neue Konzepte, neue Technik. Währenddessen zeigen uns Leistungsvergleiche, dass immer mehr Schüler bei den Grundlagen Schwierigkeiten haben. Deswegen wollen wir mit unserem Antrag einen anderen Schwerpunkt setzen: nicht immer ein neues Experiment, nicht Digitalisierung der Digitalisierung wegen, sondern Konzentration auf das, was Grundschule leisten muss. Kinder müssen lesen können. Kinder müssen rechnen können, Kinder müssen schreiben können, mit der Hand, flüssig und auch lesbar und selbstverständlich auch in einer verbundenen Schrift. Wir verlangen mit unserem Antrag nichts Revolutionäres. Wir verlangen, dass jedes Kind in Thüringen in der Grundschule eine verbundene Schrift erlernt. Wir verlangen, dass beim Erlernen des Lesens und Schreibens Stift und Papier Vorrang vor Tablet und Tastatur haben. Dafür kann man fachlich diskutieren. Genau deswegen wollen wir unseren Antrag auch im Bildungsausschuss beraten. Ich hoffe, dass wir uns zumindest darauf einigen können: Die Technik muss der Pädagogik dienen und nicht die Pädagogik der Technik. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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