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Carolin Gerbothe

CDU 08.10.2026 Sitzungen 8/57

Schreibschrift statt Tablets – für bewährte Methoden beim Schriftspracherwerb

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Abgeordnete, werte Besucherinnen und Besucher auf der Tribüne und am Livestream, es muss unser Anspruch sein, dass jedes Kind, das unsere Grundschulen verlässt, sicher lesen und schreiben kann. Es soll seine Gedanken zu Papier bringen, Texte verstehen und vor allen Dingen sich ausdrücken können. Das ist eine zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen Bildungsweg und vor allen Dingen für gesellschaftliche Teilhabe. Wir müssen deshalb die Schwierigkeiten sehr ernst nehmen, die immer mehr Schülerinnen und Schüler in unserem Freistaat haben. Gerade beim Lesen und Schreiben, das sind leider häufig Probleme, die bereits im Elternhaus beim mangelnden Vorlesen starten und dann in der Grundschule von engagierten Lehrerinnen und Lehrern aufgefangen werden müssen. Deshalb ist uns auch die Vermittlung einer flüssigen, gut lesbaren, verbundenen Schreibschrift in der Grundschule wichtig. (Beifall CDU) Das ist für uns als CDU-Fraktion allerdings keine neue Erkenntnis. Schon in der vergangenen Wahlperiode hat die CDU-Fraktion einen Antrag eigebracht, der darauf abzielte, die Schreibschrift als elementare Kulturtechnik wieder im Grundschullehrplan zu verankern. Und da unser ehemaliger bildungspolitischer Sprecher nun Bildungsminister ist und nach dem Motto arbeitet, Worten müssen auch Taten folgen, können Sie sich sicherlich vorstellen, dass diese Hausaufgaben bereits gemacht wurden. Die AfD rennt mit ihrem Antrag also eine Tür ein, durch die die CDU und die Koalition schon längst gegangen sind. (Beifall CDU) Sehr geehrte Damen und Herren, entscheidend ist jetzt, wie wir mit dieser Zielvorgabe pädagogisch sinnvoll umgehen, und genau hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Der bisherige Thüringer Lehrplan für die Grundschule im Fach Deutsch verlangte zunächst den sicheren und flüssigen Erwerb der Druckschrift. Bis zum Ende der 4. Klasse sollten die Kinder bisher eine individuelle Handschrift entwickeln, die formklar, flüssig und lesbar ist. Genau hier haben wir im Regierungsvertrag ein Umdenken etabliert. Denn für uns ist der Erwerb einer verbundenen Schreibschrift im Laufe des Schreiblernprozesses von großer Bedeutung. Und jetzt kommen wir zur Gegenwart. Genau das gerade Erwähne befindet sich derzeit in Umsetzung. Mit dem neuen Grundschullehrplan im Fach Deutsch wird die Entwicklung einer verbundenen Handschrift ausdrücklich aufgegriffen. Dieser Lehrplan ist aktuell in der Erprobungsphase und wird in diesem Schuljahr erstmals in Klassenstufe 1 und 3 umgesetzt. Dafür danke ich dem Bildungsministerium ausdrücklich. Hier wurde eine Vereinbarung der Koalition in konkrete Unterrichtsziele übersetzt. Sehr geehrte Damen und Herren, der neue Lehrplan setzt zu Recht den Prozess des Schreibenlernens in den Mittelpunkt. Kinder sollen sichere Buchstabenformen lernen, günstige und sinnvolle Verbindungen erproben und zunehmend flüssig schreiben. Eine Übergangsschrift kann dabei unterstützen. Unsere Handschriften haben sich verändert. Wir verbinden manche Buchstaben, setzen bei anderen ab und entwickeln eigene Bewegungsabläufe, die zu uns passen. All das ist völlig normal und auch Sinn einer alltagstauglichen verbundenen Schrift. Genau diese Entwicklung beschreibt auch die neue Fassung des Grundschullehrplans. Die Verbundenheit der Buchstaben ist vor allem eine Frage der Schreibmotorik. Schreiben lernen ist ein Prozess, an dessen Ende eine verbundene, flüssige und gut lesbare individuelle Handschrift stehen soll. Sehr geehrte Damen und Herren, im zweiten Teil des Antrags wird verlangt, digitale Endgeräte vollständig als Lehr- und Lernmittel aus dem Klassenraum auszuschließen. Und ja, Kinder sollen das Schreiben am besten mit Stift und Zettel lernen. Nur so werden Bewegungen eingeübt, die mit einem Tablet nicht darzustellen sind. Sie müssen Buchstaben selbst formen, ihre Feinmotorik entwickeln und Schreibbewegungen einüben. Aber genau das wird doch heute praktiziert. Aber, sehr geehrte AfD-Fraktion, da kommt wieder der typische Populismus ins Spiel, den wir aus Ihrer Fraktion nur zu oft erleben dürfen. Ihr Antrag zeichnet hier ein Bild von einer Grundschule, in der Stift und Papier bereits ausgedient haben, in der die Kinder den ganzen Tag nur auf Tablets starren und keine einzige natürliche Handbewegung mehr machen. Das hält aber keiner Prüfung der Realität in unseren Grundschulen stand. Wenn man heute in die Grundschulen schaut, sieht man genau das. Kinder mit Papier und Stift, wie sie schreiben lernen, und das mit toller Unterstützung von unseren zahlreichen Grundschullehrerinnen und -lehrern. Aber was man heute auch sieht, sind moderne digitale Endgeräte. Und diese werden gerade durch unsere Pädagogen gezielt im Unterricht eingesetzt, denn es kann selbstverständlich sinnvoll sein, eine Übung auch mal digital am Tablet durchzuführen. Guter und ansprechender Unterricht lebt auch davon, dass Methoden und Mittel gezielt und differenziert eingesetzt werden, auch das Tablet als Ergänzung zu Zettel und Stift, nicht als Ersatz. Denn wir können doch nicht so tun, als wären wir immer noch im letzten Jahrhundert stehen geblieben. Stattdessen brauchen unsere Schülerinnen und Schüler sinnvolle Methoden mit angemessenen Mitteln im Unterricht. Und wenn sie hier einen pädagogischen Nutzen haben, meint das eben auch digitale Medien. Sehr geehrte Damen und Herren, die inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Antrag ist die eine Sache. Die verbundene und teilverbundene Schreibschrift ist bereits wieder Teil des Thüringer Grundschullehrplans. Der ergänzende und gezielte Einsatz von digitalen Geräten ersetzt in der Praxis nicht Papier und Stift und ist, richtig eingesetzt, durchaus sinnvoll und zielführend für unsere Schüler. Wenn wir aber in die Begründung Ihres Antrags schauen, verlassen wir ganz schnell die inhaltlich-fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und kommen auf das Gebiet des Kulturkampfes. Hier wird auf einmal der Erwerb eines konkreten Schriftbildes in der Grundschule in einen Topf geworfen mit einer angeblichen Fragmentierung der Gesellschaft. Da werden auf einmal Argumente aufgebaut, wo Sie – ich zitiere – „unter Personen nicht deutscher Herkunft, die mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen sind, Parallelstrukturen entwickeln“. Was hat das denn bitte mit dem Schreibenlernen zu tun? Hier geht es um unsere Kinder und darum, dass wir den besten Unterricht in unseren Grundschulen auf die Beine stellen. Und der AfD fällt nichts Besseres ein als ein Gegeneinander-Ausspielen von deutschen und nicht deutschen Kindern. Später heißt es dann noch, dass die verbundene Handschrift, die Schreibschrift ein Ausdruck der individuellen Persönlichkeit sei, den es im Sinne unserer christlich-abendländischen Kultur zu schützen gilt. Das wird dann irgendwann albern in der Begründung. Sehr geehrte Damen und Herren, unsere Kinder haben mehr verdient als so einen Kulturkampf in diesem Bereich. Unsere Kinder müssen in der Grundschule Lesen, Schreiben, Rechnen lernen. Ich danke dem Bildungsministerium, das mit Hochdruck gerade an dieser Thematik arbeitet und dass schon vieles Umsetzung gefunden hat. Wir lehnen diesen Antrag ab. Herzlichen Dank. Danke schön. (Beifall CDU, Thüringen.Gerecht, SPD)

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