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Moritz Kalthoff

SPD 09.09.2026 Sitzungen 8/52

b) auf Antrag der Fraktion Die Linke zu dem Thema: „Ausbildungsstart: Azubis unter Druck – Thüringen als Ausbildungsstandort entlasten und stärken“

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete und liebe Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Tribüne und am Stream! Erst einmal vielen Dank an die Abgeordnete Stark und die Fraktion der Linken für die Einbringung dieses doch durchaus auch wichtigen Themas. Wer eine Ausbildung beginnt, der beginnt ja nicht nur einfach einen neuen Lebensabschnitt, sondern für viele junge Menschen ist es das erste eigene verdiente Geld, der erste richtige Arbeitsvertrag, der erste Chef, den man hat und hoffentlich auch bei einigen die erste eigene Wohnung. Natürlich haben wir uns auch den Ausbildungsreport angeschaut und ich würde jetzt die ganzen Zahlen, die hier schon genannt sind, nicht noch einmal wiederholen. Aber bei vielen ist es natürlich auch so, dass sie sich durch ihre Wohnsituation belastet fühlen. In meiner alten Funktion – wir haben selbst auch Auszubildende dort gehabt – war das auch ein großes Thema: Wie kann ich eigentlich um meinen Praxisbetrieb ringsherum auch wohnen, was gibt es für Möglichkeiten und wie mache ich das? Das ist ein ernsthaftes Problem und ich bin auch froh, dass wir das auch heute noch einmal thematisieren und auch über die Idee eines Azubiwerks sprechen. In der Diskussion ist vieles auch schon angeklungen. Darauf möchte ich auch eingehen. Natürlich ist es so, dass man Thüringen jetzt zweifelsohne nicht mit Berlin und München vergleichen kann. Thüringen ist ein Flächenland. Wir haben Zersiedlungsstrukturen. Und wo liegen eigentlich unsere Herausforderungen? Unsere Herausforderungen, das ist hier auch schon angeklungen, liegen natürlich vor allem auch im Bereich Mobilität, Verfügbarkeit, aber auch natürlich in Förderung. Wenn Sie sagen, dass Programme nicht abgerufen worden sind, dann ist das problematisch. Da stimme ich Ihnen zu, Frau Stark. Ich möchte aber auch gleichermaßen sagen, dass es Dinge und auch Zwänge gibt, über die wir uns unterhalten müssen. Und ich weiß nicht, ob eine Institution diese Widersprüche immer auch zweifelsfrei auflösen kann. Es gibt Themen, um die wir uns kümmern müssen, die müssen wir auch angehen. Es gibt Handlungsbedarfe und ich glaube, in dieser Verantwortung steht nicht nur die Politik, sondern durchaus auch Betriebe, die ausbilden, weil wir in einer angespannten Situation sind: Wir sind auf dem Arbeitsmarkt in einer angespannten Situation, uns fehlen Fachkräfte. Wir haben vorhin gehört, es gibt auch unbesetzte Ausbildungsstellen. Aber der Blick geht in die Zukunft, wie wir das Thema Ausbildung ganz anders gestalten als wir heute darüber diskutieren. Wir werden in eine Phase kommen, in der wir einen Wettbewerb auf die noch verfügbaren Auszubildenden erleben werden. Dafür braucht natürlich Strukturen, dafür braucht es Unterstützungsangebote. Da weiß ich nicht, ob eine Institution immer das Richtige ist. Ausbildung und Rahmenbedingungen werden in Zukunft knallharte Standortpolitik sein, denn wer keinen Nachwuchs mehr ausbilden kann, dem fehlt morgen jede Fachkraft. Wenn da eine Region bessere Unterstützung für junge Erwachsene bereitstellt, wird diese Region auch das Rennen machen. Das gilt für das Handwerk, das gilt für die Industrie, das gilt für den Handel, das gilt für die Pflege und das gilt auch für den öffentlichen Dienst. Deswegen müssen wir unsere Betriebe unterstützen, die ausbilden. Aber wir müssen auch von ihnen etwas erwarten. Das sagte ich gerade. Gute Ausbildung heißt gute Betreuung. Gute Ausbildung heißt faire Arbeitszeiten, gute Ausbildung heißt Mitbestimmung. Und gute Ausbildung heißt auch angemessene Vergütung. Deswegen bleibt für uns auch als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ganz klar: Gute Arbeit beginnt nicht erst mit dem ersten Arbeitsvertrag nach der Ausbildung, sondern gute Arbeit beginnt am ersten Ausbildungstag. Denn ein Ausbildungsplatz allein, sage ich mal, reicht einem jungen Menschen wenig, wie er ins Morgen hineinkommt, wenn der Berufsschulplatz 80 Kilometer entfernt ist und vielleicht der Betrieb ganz woanders sitzt. Deshalb müssen wir Ausbildungspolitik in Thüringen immer mal auch als Politik für den ländlichen Raum verstehen. Wohnen, Mobilität – ich sagte es gerade schon –, Betreuung, Ausbildungsqualität. Um zum Schluss zu kommen, weil sehr vieles schon angekommen ist: Wir haben eine große Aufgabe vor uns, um Ausbildung zu sichern. Wir müssen uns auch Zahlen vergegenwärtigen. Und diese Zahl ist heute noch nicht gefallen: Wenn wir uns anschauen, dass in der Gesamtbundesrepublik genauso viele Leute ein Studium abgeschlossen haben wie eine Ausbildung, haben wir ein Problem für die Zukunft. Ich möchte das sagen, weil uns die Leute fehlen. Aber dafür müssen wir Rahmenbedingungen verbessern. Die lösen wir nicht durch eine Institution, sondern dadurch, dass wir Ausbildung stärken, für gute Arbeit sorgen und für eine gute Perspektive, auch in Thüringen weiterhin sein Leben gestalten zu können. Vielen Dank. (Beifall Thüringen.Gerecht, SPD)

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