Jane Croll
b) auf Antrag der Fraktion Die Linke zu dem Thema: „Ausbildungsstart: Azubis unter Druck – Thüringen als Ausbildungsstandort entlasten und stärken“
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren, Ausbildung ist eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft unseres Landes. Deshalb ist es richtig, dass wir heute über die Situation der Auszubildenden in Thüringen sprechen. Zunächst möchte ich aber allen jungen Menschen gratulieren, die in diesen Tagen oder Wochen ihre Ausbildung begonnen haben. Herzlichen Glückwunsch zu diesem wichtigen Schritt, viel Erfolg und vor allen Dingen viel Freude mit den neuen Aufgaben!
(Beifall CDU, Thüringen.Gerecht)
Wenn wir uns den DGB-Ausbildungsreport 2026 anschauen, liefert er ein differenziertes Bild. Ja, 50,6 Prozent der Befragten berichten von psychischen Belastungen. Leistungs-, Zeitdruck, Personalmangel und Verantwortungsdruck werden als Belastungen genannt. Diese Zahlen müssen wir ernst nehmen. Ich kann Ihnen auch aus der Praxis berichten, als Ausbildungsbetrieb mit verschiedenen dualen Ausbildungen: Ich betrachte das auch mit Sorge, gerade auch die mentale Gesundheit der Jugendlichen. Aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass 65,7 Prozent der Auszubildenden angeben, mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Das zeigt: Wir dürfen eben nicht den Fehler machen, die Situation aller Auszubildenden pauschal schlechtzureden. Wir müssen darüber sprechen, was gute Ausbildung ausmacht. Leider ist die Zeit zu kurz, sodass ich nicht über Betreuung, Vergütung, aber auch Herausforderungen sprechen kann. Ich habe mir mal zwei Punkte aus der Praxis herausgesucht, die mir wichtig sind, die ich in diese Debatte mit einbringen möchte. Wenn wir über psychische Belastungen sprechen, müssen wir auch über Resilienz sprechen. Resilienz ist keine Fähigkeit, die wir kurz vor dem ersten Ausbildungsvertrag noch schnell übermitteln können. Sie beginnt viel früher – in der Familie, im Kindergarten und in der Schule. Und wenn ein Kind früh lernt, dass es Fehler machen darf, dass es selbst Schwierigkeiten bewältigen kann und dass es Unterstützung bekommt, wenn es sie wirklich braucht, dann entwickelt sich ein Selbstvertrauen. Genau dieses Selbstvertrauen brauchen wir später in der Ausbildung. Ich kann Ihnen auch aus der Praxis berichten, dass es nicht selten ist, dass ich Ausbildungsgespräche mit Auszubildenden über 18 Jahre mit den Eltern gemeinsam führe. Deswegen müssen wir auch unsere Eltern ermutigen, ihren Kindern etwas zuzutrauen. Wer Kinder früh zur Selbstständigkeit ermutigt, stärkt Jugendliche für die Ausbildung und schafft damit auch die Grundlage für selbstbewusste und verantwortungsvolle Fachkräfte von morgen. Wir sind mit dem Umsteuern in der Bildungspolitik „Fördern, aber auch fordern“ genau auf dem richtigen Weg im schulischen Bereich. Ein weiterer Punkt, der uns besonders wichtig ist, ist die frühzeitige Berufsorientierung. Praxis ist so wichtig. Ein Jugendlicher kann in der Schule hundertmal hören, dass ein bestimmter Beruf interessant ist, aber in der Praxis sieht es oftmals anders aus. Genau deshalb ist der Tag in der Praxis, das TiP-Programm, was in der Region Nordthüringen sehr stark ist, so wertvoll. Jugendliche bekommen die Chance, verschiedene Berufe kennenzulernen. Sie dürfen feststellen, was ihnen liegt, aber sie dürfen eben auch feststellen, welche Berufe nichts für sie sind. Das ist am Ende kein Scheitern, sondern das ist Orientierung. In Nordthüringen beteiligen sich mittlerweile 29 Schulen an dem Programm, davon auch eine Förderschule. Mehr als 1.460 Schülerinnen und Schüler nehmen an dem Programm teil und 1.200 Unternehmen bieten Praktikumsplätze an. Und wir sehen eben einen positiven Trend. In Nordthüringen wurden 2025 insgesamt 1.314 neue betriebliche Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 3,5 Prozent mehr als 2024. Bundesweit ging hingegen die Zahl um 2,6 Prozent zurück. Damit zeigt sich, intensive Berufsorientierung lohnt sich. Deswegen sagen wir als CDU ganz klar: Wir sollten den Tag in der Praxis nicht nur auf einzelne Regionen beschränken, sondern ihn thüringenweit ausrollen. Unsere Jugendlichen haben also Chancen hier in Thüringen und deshalb lassen sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass junge Menschen diesen Start mit Orientierung, mit Selbstvertrauen und mit guten Chancen beginnen. Vielen Dank.
(Beifall CDU, Thüringen.Gerecht)
