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Boos-John

26.06.2026 Sitzungen 8/49

Mercosur als Chance für Thüringen begreifen und gestalten

Sie wissen genau, dass wir dabei sind, diese Rohstoffstrategie weiterzuentwickeln. (Zwischenruf Abg. Schubert, Die Linke: Aber die Kollegen scheinen es nicht zu wissen!) Ich würde gern fortfahren und war bei Punkt II.4, bei dem Fachkräftekorridor. Sehr geehrte Damen und Herren, der Fachkräftemangel stellt uns in Thüringen branchenübergreifend – das wissen Sie – vor erhebliche Herausforderungen. Gerade in den letzten Tagen haben wir gehört, dass unsere Erwerbsfähigen unter die Grenze von einer Million gesunken sind. Industrie, Handwerk, IT-Pflege und technische Berufe melden zunehmend unbesetzte Stellen. Ohne zusätzliche Fachkräfte drohen auch Wachstumshemmnisse. Das wird uns überall attestiert. Die internationale Gewinnung für die duale Ausbildung sowie die Gewinnung von Fachkräften sind deshalb ein wichtiger Bestandteil unserer Fachkräftestrategie. Allerdings hat sich insbesondere die Anwerbung von Fachkräften als langwieriger und teurer Prozess erwiesen, der nach wie vor zahlreiche bürokratische Hürden zu überwinden hat. Der Erfolg von Anwerbungsprojekten hängt immer wieder maßgeblich von der Kooperationsbereitschaft öffentlicher Stellen der Herkunftsländer ab. Ich bin mir sicher und auch sehr dafür, dass die Potenziale zu nutzen sind. Allerdings müssen wir aufpassen, dass wir unsere Maßnahmen nicht auf zu viele Zielmärkte gleichzeitig richten. Zu Punkt 5, dem fairen Wettbewerb in der Landwirtschaft und Nutzung neuer Chancen: Frau Berger, natürlich wird auch das mitgedacht. Es ist aber, glaube ich, hinreichend schon dazu ausgeführt worden. Am Ende wird in dem Antrag auch auf die Wettbewerbssituation dort eingegangen. Für mich ist ein fairer Wettbewerb auf einem gemeinsamen – wir sagen heute so schön – Level Playing Field eine Selbstverständlichkeit, gar keine Frage. Und ich erwarte, dass diese hohen Anforderungen, die unsere Landwirte erfüllen, für südamerikanische Wettbewerber nicht nur auf dem Papier existieren, sondern auch und vor allen Dingen im Laufe der Zeit, auch bei der Ratifizierung, weiteren Eingang finden. Eine wirksame Kontrolle der im Abkommen vereinbarten Umwelt-, Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards – ich habe das eben schon in Bezug auf die ILO-Kernarbeitsnormen gesagt – ist dabei eine Grundlage. Und ja, gleichzeitig sehe ich in dem Mercosur-Abkommen eine Chance für die Thüringer Landwirtschaft im Export. Das haben wir schon gehört. Wir haben hochtechnologische Produktionsverfahren und wettbewerbsfähige Produkte. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Thüringer Landwirte die Möglichkeit des Abkommens nutzen können. Und ich bleibe dabei: Freihandel darf nicht zulasten fairer Wettbewerbsbedingungen gehen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das Mercosur-Abkommen ist weder ein pauschales Heilsversprechen noch eine pauschale Bedrohung, wie das hier immer mal gern dargestellt wird. Sein Nutzen für Thüringen hängt davon ab, wie klug Unternehmen die entstehenden Möglichkeiten gestalten, wie wir sie mitgestalten – für uns als Landesregierung ist daher völlig klar, dass wir uns die Exportchancen erschließen müssen, wir sind Exportland, das haben wir schon gehört –, dass wir unsere Rohrstoffsicherheit stärken, dass wir Fachkräfte gewinnen, aber auch dass wir Standards verteidigen und unsere Unternehmen befähigen, in globalen Märkten erfolgreich agieren zu können. Die Landesregierung wird deswegen den Prozess aktiv begleiten mit der Delegationsreise nach Brasilien. Frau Müller, das haben Sie richtig recherchiert. Im Oktober 2026 sollen dann die bestehenden Kontakte vertieft und Kooperationsfelder sondiert werden. Ich freue mich sehr darauf

Protokoll ↗