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Rudolph

26.06.2026 Sitzungen 8/49

Endometriose ernst nehmen – Versorgung verbessern, Aufklärung stärken, Forschung voranbringen

Vielen Dank. Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete und liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, Endometriose ist eine Erkrankung, bei der für die Betroffenen – das wurde heute schon betont – oftmals ein sehr, sehr langer Leidensweg besteht, bevor die Diagnose überhaupt fällt, und sich selbst mit der Diagnose – das würde ich vielleicht in Ergänzung zu den vorherigen Reden hier auch noch mal voranstellen wollen – für die Betroffenen trotzdem nicht alles löst. Sondern es ist auch dann eine Erkrankung, mit der man ziemlich lange auskommen muss und bei der man froh ist, wenn man Unterstützung erfährt, bei der eine Heilung in vielen Fällen eben nicht möglich ist, bei der es zwar trotzdem vielfältige Möglichkeiten gibt, zum Beispiel Symptome zu lindern, aber die Voraussetzung dafür natürlich immer sein muss, dass erst mal eine schnelle Diagnosestellung erfolgt. Ich glaube, die Tatsache, dass viele von Ihnen das hier heute auch noch mal betont haben, dass diese Erkrankung eben ungeachtet dessen – und das will ich auch gern positiv unterstreichen – in den letzten Jahren sehr viel Aufmerksamkeit erfahren hat und es sehr viele Selbsthilfegruppen gibt, die sich darum verdient gemacht haben, die Endometriose in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und deutlich zu machen: Das ist eine Erkrankung, die wirklich viele Frauen betrifft, und es ist eine Erkrankung, bei der man nicht mit der Argumentation zum Ziel kommt, man solle sich bitte als Frau nicht so anstellen, es wären normale Regelschmerzen. Das waren die positiven Errungenschaften der letzten Zeit, dass es hierfür tatsächlich mehr Aufmerksamkeit gab. Genau so ist einiges passiert, das möchte ich in Ergänzung des letzten Landtagsbeschlusses heute im Plenum mit in die Debatte werfen, zum Beispiel gibt es einige Selbstdiagnosetools, die nicht dazu dienen sollen, eine ärztliche Diagnose zu ersetzen, aber die eine erste Einschätzung ermöglichen. Auch das wäre vor zehn Jahren so noch nicht denkbar gewesen, dass man als Betroffene oder potenziell betroffene Person dort auch schon eine gute Grundlage erfährt, um dann mit Frauenärztinnen und Frauenärzten besser und zielgerichteter ins Gespräch zu gehen, wenn der Verdacht besteht, dass eine Endometriose vorliegt. Wenn dann eine solche Erkrankung vorliegt, gibt es mittlerweile zertifizierte Gesundheits-Apps, digitale Gesundheitsanwendungen, die dann auch von den Krankenkassen erstattet werden, mit denen Betroffene tatsächlich sehr umfassend und die Selbstwirksamkeit steigernd eine gute Hilfestellung erfahren, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen können, gerade weil es nicht so ist, wie man sich das bei vielen Erkrankungen wünscht, dass man eine Diagnose, eine Therapie im Sinne eines Medikaments und einer Pille bekommt und dann ist die Erkrankung weg. Das ist bei Endometriose leider nicht der Fall. Warum sage ich Ihnen das hier als Mitglied der Thüringer Landesregierung zum Thema „Endometriose“? Weil das genau einen der Punkte aufgreift, die sich auch in diesem Antrag wiederfinden, nämlich dass es ein zentraler Punkt ist, dass Betroffene wissen müssen, wo sie niederschwellig Informationen bekommen und wie sie möglichst gut und umfassend mit der Erkrankung begleitet werden können. Trotzdem ist hier unter dem Strich aber auch festzuhalten, dass es in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gab. Deswegen ist es dennoch gut, wenn hier der Wunsch besteht, über das Thema weiterzureden, auch im Thüringer Landtag, und – ich denke – dann auch im Sozialausschuss noch mal darüber zu sprechen, wie gerade die Aufklärung und die Verbreitung von Informationen noch besser vonstattengehen können. Sehr geehrte Frau Abgeordnete Güngör, Sie haben darauf hingewiesen, dass auch in der letzten Legislaturperiode hier im Landtag ein entsprechender Beschluss gefasst worden ist. Aus all Ihren Wortbeiträgen habe ich aber trotzdem entnommen, dass bei den Beschlüssen, die der Thüringer Landtag zu dem Thema schon gefasst hat – so wie Sie das heute hier verlautet haben –, möglicherweise noch Informations- und Gesprächsbedarf besteht, wie denn ein damals geforderter Aktionsplan der Landesregierung ausgestaltet werden kann, damit er einen Mehrwert bietet und Betroffenen tatsächlich hilft. Das will ich Ihnen noch mal an einem kleinen Beispiel konkret machen. Mehrere von Ihnen haben genannt, dass es wünschenswert ist, dass Endometriose zum Gegenstand der ärztlichen Ausbildung und der Weiterbildung wird, dass im ärztlichen Bereich mögliche Fortbildungen bestehen. Trotzdem gehört es zur Ehrlichkeit dazu, dass das weder Ihre Entscheidungsgewalt als Landtagsabgeordnete noch meine als Mitglied der Thüringer Landesregierung ist. Natürlich ist es wünschenswert, wenn diesem Thema im Bereich der Medizin mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Auch da können wir, glaube ich, sehr froh sein und auf das Universitätsklinikum Jena blicken, an dem es schon seit 2014 ein Kompetenzzentrum Endometriose gibt, bei dem uns auch versichert ist, dass dem Thema „Endometriose“ im Rahmen der ärztlichen Ausbildung mehr Bedeutung zukommt als vor zehn oder wahrscheinlich auch vor fünf Jahren, als die letzten Beschlüsse hier im Thüringer Landtag gefasst worden sind. Das sage ich Ihnen aber deswegen, weil ich glaube, dass dieses Beispiel zeigt, dass es durchaus noch mal lohnenswert ist zu schauen, was die Ergänzung aus dem Thüringer Parlament oder – in Umsetzung – der Landesregierung sein kann, um das Thema „Endometriose“ nicht nur zu nennen, sondern tatsächlich für Betroffene auch Dinge zu verbessern, gerade wenn sie sich einig sind, dass einer der zentralen Punkte dafür immer noch die Informationen über die Erkrankung ist und dass hoffentlich das Wissen darum immer mehr Verbreitung erfährt, sodass Betroffene zukünftig nicht mehr diese im Schnitt sieben Jahre auf eine Diagnose und damit auf Unterstützung warten müssen. Ich kann deswegen noch mal den Dank dafür aussprechen, dass Sie das Thema hier – ja – wiederholt, aber, ich glaube, mit einigen Neuerungen ansprechen, die es in den letzten Jahren gegeben hat, und sicherlich auch mit dem lohnenswerten Fokus, das auch noch mal im Ausschuss zu besprechen und zu schauen, wie zum Beispiel den Forderungen, die dort aufgemacht sind, die Bekanntheit durch einen landesweiten Aktionstag zu erhöhen, wie Ideen Rechnung getragen werden kann und wir damit dafür sorgen, dass Endometriose in Zukunft nicht mehr eine Erkrankung ist, bei der zwei Betroffene im Raum sehr gut wissen, was damit gemeint ist, weil es für sie ein wirklich fundamentaler Teil ihres Lebens ist, jeden Monat und teilweise auch durchgängig mit sehr großen Schmerzen leben zu müssen, und mindestens die Hälfte des Raumes aber gar nicht weiß, wovon die Rede ist. Ich wünsche mir, dass wir über diesen Zustand weiter hinwegkommen, das wünschen wir uns auch als Landesregierung. Was wir unterstützend dafür tun können, das tun wir in diesem Bereich sehr gern. Insofern hoffe ich, dass es zu einer guten Beratung und dann auch zu einem guten Weiterkommen in diesem Thema kommt. Vielen Dank. (Beifall CDU, BSW, SPD)

Protokoll ↗