Dr. med. Cornelia Urban
Situation der Pflegefamilien und Pflegekinderhilfe in Thüringen
Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Kollegen, wenn wir heute über Pflegefamilien sprechen, dann sprechen wir über Menschen, die Verantwortung übernehmen, wo andere Lebenswege aus dem Gleichgewicht geraten sind, und wir sprechen über Kinder, über Jugendliche, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können. Und wir sprechen über Pflegeeltern, die diesen jungen Menschen ein Zuhause, Stabilität, Geborgenheit und auch neue Perspektiven geben. Dafür gebührt ihnen unser ausdrücklicher Dank und Anerkennung. Pflegeeltern leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie übernehmen eine Aufgabe, die oft mit großen Herausforderungen verbunden ist. Sie haben es auch in den Vorreden schon gehört. Viele Pflegekinder haben belastende Erfahrungen gemacht. Manche haben Vernachlässigung, Gewalt oder andere traumatische Ereignisse erlebt. Pflegeeltern begleiten diese Kinder auf dem Weg zurück in ein sicheres und verlässliches Umfeld. Das verlangt Geduld, Empathie, Belastbarkeit und ein hohes Maß an persönlichem Engagement. Gerade deshalb wollen wir diese Familien in ihrer Verantwortung nicht alleinlassen. Für uns als SPD-Fraktion steht fest, gute Pflegekinderhilfe braucht starke Pflegefamilien. Starke Pflegefamilien brauchen aber auch verlässliche Unterstützung. Der vorliegende Antrag schafft hierbei die Grundlage für eine umfassende Bestandsaufnahme. Denn obwohl Pflegefamilien in Thüringen einen unverzichtbaren Beitrag leisten, wissen wir bislang zu wenig Konkretes, zum Beispiel wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen in den einzelnen Landkreisen oder in den kreisfreien Städten tatsächlich sind. Wie ist die personelle Ausstattung der Pflegekinderdienste? Wie intensiv werden die Pflegefamilien vor Ort begleitet? Auch die Supervision – meine Vorrednerin sprach es gerade an –: Wie kann man diese am besten effektiv, zielbringend organisieren und unterstützen? Diese Fragen verdienen belastbare Antworten. Sie dienen natürlich auch als Basis für die dazugehörigen Lösungen. Sehr geehrte Damen und Herren, Pflegefamilien sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Kinder- und Jugendhilfe und sie ermöglichen vielen Kindern und Jugendlichen zum Glück ein Aufwachsen in einem familiären Umfeld. Familie bedeutet Sicherheit, Orientierung und Zugehörigkeit. Wer Verantwortung für die Schwächsten in unserer Gesellschafft übernimmt, verdient unserer Auffassung nach Respekt, Anerkennung und die bestmögliche Unterstützung von uns allen und natürlich auch von der Verwaltung. Mit dem vorliegenden Antrag schaffen wir hiermit diese Grundlage. Wir möchten hier Handlungsbedarfe identifizieren und Lösungen konzipieren. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir darüber gemeinsam auch weiter diskutieren können. Vielen herzlichen Dank.
(Beifall BSW, SPD)
