Nadine Hoffmann
Lebensraum für das Rotwild verbessern, Bestände verbinden und Wanderkorridore schaffen
Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer! Herr Thomas, in unserem Antrag und auch in der Begründung kommt kein einziges Mal das Wort „Solarpark“ vor, also null. Und Null ist auch die Zahl, die die Ahnung beschreibt, die Sie von der Materie haben.
(Beifall AfD)
Mein Kollege und unser jagdpolitischer Sprecher, Herr Hoffmann, hat vorhin begründet, welchen Lebensraum unsere größte heimische Wildart braucht, nämlich weitläufige Regionen, die verbunden sind. Thomas Hoffmann hat auch gesagt, wie der Lebensraum durch politische Entscheidungen in Thüringen, aber auch in anderen Bundesländern aussieht: eingeengt in sogenannten Einstandsgebieten, die nicht miteinander verbunden sind. Jetzt könnte der eine oder andere sagen, so schlimm ist es nicht. In Bayern ist es zum Beispiel noch schlimmer. Nun ja, Thüringen ist auf dem Weg dahin, nicht nur durch die bestehenden Einstandsgebiete, vier an der Zahl, vier Gebiete, die man diesem Wild zusteht, vier Gebiete, die dazu führen oder schon geführt haben, dass durch die Verinselung des Rotwilds Missbildungen entstehen, ob die Landesregierung nun davon Ahnung hat oder nicht,
(Beifall AfD)
Missbildungen, die die Art in ihrem weiteren Bestehen gefährden. Auch die geplante Änderung im Entlastungspaket ist keine Verbesserung – ich zitiere –: „Für Jagdbezirke außerhalb der jeweiligen Einstandsgebiete für Rot-, Damm- oder Muffelwild erfolgt der Abschuss ohne Zahl; der Abschuss von männlichem zu weiblichem Wild, Kälbern und Lämmern hat im Verhältnis 1 : 4 zu erfolgen.“ Dies führt automatisch zu dem Zustand der Nichtbewirtschaftung, der aktuell noch in § 21 der Verordnung zur Ausführung des Thüringer Jagdgesetzes geschrieben steht. Denn für die Fortpflanzung braucht man Männchen und Weibchen. Dass die Linken das nicht verstehen, ist klar, aber bei der CDU hätte ich doch schon erwartet, dass sie das wissen.
(Beifall AfD)
Um das bildlich darzustellen: Während für die Wildkatze aus meiner Sicht völlig zu Recht quer durch Deutschland Korridore und Wegepläne geschaffen werden, wird das Rotwild per Verordnung in die genetische Vereinsamung getrieben, die zu fehlenden Kiefern, missgebildeten …
(Heiterkeit CDU)
Ja, ist total lustig, Missbildungen und Inzuchtmerkmale sind total lustig, Herr Zippel. Wird das Rotwild per Verordnung in die genetische Vereinsamung getrieben, die zu fehlenden Kiefern, missgebildeten Gliedmaßen und weiteren Inzuchtfolgen sowie zur Lebensunfähigkeit des Jungwilds führen. Das Rotwild ist aber kein Wild zweiter Klasse.
(Beifall AfD)
Es braucht gesunde Bestände mit geeigneten Lebensräumen und entsprechender Habitatqualität, einem ausreichenden Nahrungsangebot, einer angemessenen Deckung mit geringem Störungsdruck und einer passenden Sozialstruktur. Kalamitäten, Landschaftszerschneidungen und Bewirtschaftungsvorschriften beeinträchtigen diesen Lebensraum. Was es braucht, ist eine wildökologische Raumplanung, von der das Rotwild profitiert, idealerweise mit Synergieeffekten mit anderen Wildarten. Die bestehenden Regelungen zum Wildschadensersatz, die Pflichten zur Wildschadensvermeidung und die berechtigten Interessen der Landwirtschaft bleiben durch unseren Antrag übrigens unberührt. Aber die Argumentation, dass durch das bisherige Bewirtschaften des Rotwilds der Wald geschützt wird, entspricht nicht der Wahrheit. Denn erst der Jagddruck hat das Wild, das eigentlich eine Offenlandart ist, überhaupt erst in die Forstflächen getrieben und zur Bildung größerer Gruppen gezwungen. Wer den Verbiss verringern will, muss den Jagddruck senken.
(Beifall AfD)
Das, Herr Tiesler, sollten Sie als Jäger wissen. So sieht es übrigens auch das Verwaltungsgericht Bayreuth in seinem Urteil vom 2. Juni 2026, welches jedoch noch nicht rechtskräftig ist. Ich zitiere aus der Publikation von „Wildes Bayern“, welches die Klage eingereicht hat: „Die Juristen, die sich offenbar sehr sorgfältig in die Materie eingearbeitet hatten,“ – anders als so mancher Parlamentarier hier – „stellten dem Jagdkonzept für die Reviere die Beurteilung ‚nicht nachvollziehbar‘ aus. Unter anderem war für sie nicht erkennbar, wie die Schonzeitverkürzung helfen sollte, übermäßige Verbiss- oder Schälschäden durch Rotwild zu verhindern – zumal die Verbissbelastung laut Vegetationsgutachten in den betroffenen Revieren tragbar war und es keine Anzeigen für einen überhöhten Rotwildbestand gab.“ Es sind Naturschützer wie „Wildes Bayern“, die der Natur zu ihrem Recht verhelfen. Im Parlament des Freistaats Thüringen ist es die AfD-Fraktion, die diese Aufgabe übernimmt.
(Beifall AfD)
(Zwischenruf Abg. Müller, Die Linke: Ach, du …!)
Ja, Frau Müller, wie viele Initiativen haben Sie zum Naturschutz gemacht?
(Zwischenruf Abg. Müller, Die Linke: Ach! Aber Atomkraftwerke, russisches Öl!)
Nichts gemacht, aber reinplappern können Sie. Auch wenn alle unsere Bemühungen bisher an der Brandmauer gescheitert sind, ernst gemeinter Umweltschutz erfordert Hartnäckigkeit. Deswegen machen wir in diesem Sinne weiter.
(Beifall AfD)
Wir fordern, dass Lebensraumverbünde, Wanderkorridore und saisonale Wechselräume des Rotwilds berücksichtigt werden und Rotwildbestände durch gesicherte Wanderkorridore und Wildbrücken unter Nutzung von Synergieeffekten mit anderen Tierarten verbunden werden müssen, dass die Thüringer Einstandsgebietsverordnung so zu ändern ist, dass das Rotwild nicht weiter auf isolierte Einstandsgebiete beschränkt wird, dass den Hegegemeinschaften in diesem Sinne mehr Rechte übertragen werden und dass die Abschussplanung für das Rotwild sich am Grundsatz des Qualitätsabschusses orientiert. Und wir fordern, die Jagdzeiten für Rotwild jeweils bis zum 31. Dezember eines Jahres zu begrenzen sowie die wildökologische Raumplanung als Bestandteil der Landesplanung zu stärken und die Durchgängigkeit von Lebensraum zu berücksichtigen. Wir bitten weiterhin die Landesregierung, dass sie sich auf Bundesebene dafür einsetzt, ein bundesweit abgestimmtes Rotwildmanagement auf Grundlage einer wildökologischen Raumplanung mit stärkerer Berücksichtigung der Wildbiologie zu etablieren und rotwildfreie Lebensräume in Deutschland zu verringern sowie die Vernetzung von Lebensräumen bei Infrastrukturprojekten zu betrachten. Damit wäre ich am Ende meiner Rede. Ich will aber noch mal auf eine Sache eingehen. Herr Tiesler, Sie kennen ja die Jenaer Erklärung und Sie waren auch oft beim Landesjagdverband, der seit Jahren sagt, dass der Artenschutz nicht berücksichtigt wird, so wie es bisher praktiziert wird durch die Landesregierung. Und sich jetzt hierhinzustellen und genau das Gegenteil zu sagen, das ist wirklich arm.
(Beifall AfD)
