Thomas Hoffmann
Lebensraum für das Rotwild verbessern, Bestände verbinden und Wanderkorridore schaffen
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kollegen, werte Zuschauer am Livestream, ich kann jetzt schon hören, wie sich ein Kollege mit Sicherheit beschweren wird, dass wir schon wieder einen Antrag über ein Tier einbringen,
(Beifall BSW)
aber wir sprechen nicht von irgendeinem Tier, sondern von dem Tier dieses Jahres, in dem Fall dem Rothirsch. Der ist das Wildtier des Jahres 2026. Ich finde schon, dass das Anlass genug sein sollte, heute über seinen Lebensraum zu sprechen.
(Beifall AfD)
Das Rotwild lebt großräumig, es zieht über weite Strecken und ist auf den Austausch zwischen den Beständen angewiesen, besonders auf den genetischen Austausch, von dem langfristig das Bestehen der gesamten Art abhängt. Dafür braucht es zusammenhängende Lebensräume und sichere freie Wanderwege. Diese Räume werden aber immer kleiner, denn zum Beispiel zerschneiden Straßen, Energieanlagen und Siedlungen diese Landschaft und machen diese zu schwer überwindbaren Hindernissen. Die Bestände werden getrennt und natürliche Wanderungen erschwert bzw. unmöglich gemacht. Erschwerend kommt noch dazu, was auch hier in diesem Hause geregelt wurde: In Thüringen wird Rotwild über festgelegte Einstandsgebiete bewirtschaftet. Diese orientieren sich an administrativen Grenzen, aber nicht an der natürlichen Lebensweise des Tiers. Außerhalb dieser Grenzen gilt ein strenges Abschussgebot. Das Rotwild kennt diese Grenzen aber nicht und folgt seiner Natur entsprechend dem Äsungs- bzw. Nahrungsangebot, der Deckung und dem Gelände, das es dort vorfindet. Es überschreitet diese Grenzen und setzt dadurch sein Leben aufs Spiel. Natur und Vorschriften driften hier weit auseinander und das hat Folgen: Die eingeschlossenen Bestände vereinzeln und es kommt zu Inzucht. Das führt zu zunehmenden Missbildungen, höhere Anfälligkeit für Krankheiten und sinkende Vitalität. Bleibt es so, wie es ist, ist die Entwicklung absehbar. Rotwild gehört seit Jahrhunderten zu Thüringen. Die Bedingungen, unter denen es lebt, haben sich verändert und wir haben damit nicht Schritt gehalten. Darum bringen wir diesen Antrag ein. Der heutige Umgang mit dem Rotwild passt nicht zu seiner tatsächlichen Lebensweise. Daraus folgt Handlungsbedarf. Die Lebensräume müssen wieder verbunden werden, Wanderbewegung ermöglicht und die Bewirtschaftung an der wirklichen Raumnutzung des Tiers ausgerichtet werden. Es geht im Kern um zwei Fragen: Welchen Raum gestehen wir einer heimischen Wildart zu und wie gehen wir mit einer zunehmenden zerschnittenen Landschaft um? Jetzt freue ich mich auf eine sachliche Debatte. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
