Stephan Tiesler
Das Auerwild in Thüringen retten – Lebensraum stärken, Gefahr reduzieren, Bestand erhöhen
Meine sehr geehrte Präsidentin, meine sehr geehrten Abgeordnetenkollegen, liebe Gäste, wir beschäftigen uns heute mit der Frage, wie wir in Thüringen mit dem Auerwild umgehen, seinen Bestand sichern und wie wir gewährleisten können, dass diese Tiere auch künftig ein Teil unserer heimischen Fauna bleiben können. Zunächst möchte ich aber erst mal die Frage klären: Was ist denn überhaupt Auerwild? In den letzten Tagen wurde ich als jagdpolitischer Sprecher von verschiedenen Kollegen mehrfach gefragt, warum wir uns mit diesen großen Säugetieren befassen.
(Beifall CDU)
Hier geht es tatsächlich nicht um die Auerochsen, diese sind seit 400 Jahren ausgestorben. Es geht auch nicht um diese rückgezüchteten Nachfolger, sondern es geht hier im Antrag um das Auerhuhn, das Tetrao urogallus, der größte Vertreter der Hühnervögel hier in Europa, vielen vielleicht auch bekannt aus der Hasseröder Werbung.
(Heiterkeit CDU, BSW, SPD)
Männliche Tiere – nur, damit man sich das mal vorstellen kann – sind ungefähr 4 Kilogramm schwer, dunkles Gefieder und haben eine metallisch-grüne Brust. Die weiblichen Tiere sind deutlich kleiner und braun gestreift. So viel erst mal zu dem Gegenstand der heutigen Diskussion.
(Zwischenruf Abg. Schubert, Die Linke: Haben Sie eins mitgebracht?)
Das Auerwild war – und wir haben es jetzt schon ein bisschen gehört – in vorindustrieller Zeit in Mitteleuropa weit verbreitet, leidet aber durch forstwirtschaftliche Veränderungen in seinem Lebensraum, durch steigenden Druck durch Prädatoren, wie beispielsweise den Waschbären, aber eben auch Fuchs und Wildschwein, Verluste durch Verkehr, aber auch durch die touristische Nutzung der Wälder. Auch wenn es vor allem im Norden Europas noch 1,5 bis 2 Millionen Exemplare gibt – also keineswegs vom Aussterben bedroht, es wurde zwar jetzt von Deutschland gesprochen, aber in Europa auf alle Fälle gesichert –, gilt die Art bei uns als gefährdet, ist vor allen Dingen in Deutschland, in Thüringen sehr selten. Früher war auch bei uns das Auerhuhn allgegenwärtig, wie noch die vielen Rezepte in alten Kochbüchern belegen, da das Fleisch als hochwertig mit zarten Geschmacksnoten nach Wald angepriesen wurde. In Thüringen, hier besonders im Thüringer Wald oder im Harz – wir haben es gerade gehört –, sind die Bestände erloschen, im Thüringer Schiefergebirge existiert noch eine kleine Restpopulation. Deswegen kann man sagen, aus jagdpolitischer Sicht also komplett irrelevant, es geht hier wirklich nur noch um den naturschutzrechtlichen Fakt an der Sache. Wie gesagt, wir haben es gehört, 20 bis 30 Tiere in Thüringen, kann man so grob zusammenfassen. Wenn der kleine Bauer auf dem Dorf sein Hühnergehege hat, dann hat er wahrscheinlich gleich viele Tiere. Also man merkt wirklich, eine sehr verschwindend geringe Menge. Was könnten wir als Land, als Landespolitik unternehmen, um diese Tiere zu schützen und nicht nur als Relikt in Zoos und Tiergehegen zu erhalten? Der Antrag der AfD macht hier verschiedene Vorschläge: Habitate sichern, Populationen verbinden, Ruhezonen einrichten, die Aufzuchtstationen in Langenschade unterstützen, die Prädatoren stärker bejagen und mit anderen Ländern kooperieren, um die genetische Vielfalt zu erhalten usw. Werte Kollegen der AfD, wenn Sie sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigt hätten – Sie haben es zwar jetzt in einigen Worten schon gesagt – und nicht nach vielleicht zwei, drei Flaschen des schon genannten Harzer Getränks schnell einen Antrag geschrieben hätten, dann hätten Sie festgestellt, das machen wir alles schon. Thüringen unternimmt große Anstrengungen, das Auerhuhn zu unterhalten und zu erhalten. Bei der Waldbewirtschaftung ist allerdings ein Konflikt unvermeidbar. Die naturnahen Wälder, welche wir zum Schutz unseres Waldes anstreben, Wälder mit heimischen Laubbäumen ohne Kahlschlagholzernte, stellen eben keinen idealen Lebensraum dar. Die Aufzuchtstation in Langenschade wurde durch das Land saniert und wird weiterhin unterstützt und dies ist die einzige staatliche Aufzuchtstation in ganz Deutschland. Der Austausch mit anderen Ländern zur Sicherung der genetischen Vielfalt findet statt und ist gelebte Praxis. Ja, in den letzten zwei, drei Jahren wurden keine Populationen oder keine Tiere aus dem Ausland übernommen, aber man kann sagen, dass eigentlich fast alle Tiere, die hier bei uns existieren, aus den Importen aus dem Ausland sind. Die Jagd auf Prädatoren findet statt und wird künftig auch von uns noch stärker gefördert. Schauen wir mal hier ganz kurz in das Entlastungsgesetz der Landesregierung, Artikel 15, Änderung der Verordnung zur Ausführung des Thüringer Jagdgesetzes, hier in § 10 – um das mal kurz zusammenzufassen –: Für die Bejagung des Schwarzwildes, des Haarraubwildes sowie der jagdbaren invasiven Arten ist die Verwendung von künstlichen Lichtquellen einschließlich Infrarotaufstellern und von Nachtzielgeräten zugelassen. Das bedeutet einen deutlich erhöhten Jagddruck auf die Prädatoren. Und auch auf Ihre übliche Einlassung, wir hatten das gestern auch schon wieder, die Windkraft ist schuld an allem, siehe Ihr Punkt 3.5, möchte ich kurz eingehen: Auerhühner sind keine guten Flieger. Sie sind durch Rotoren der Windräder also nicht gefährdet, da sie nicht mal in ihre Nähe vordringen. Ja, eine Errichtung von Windkraftanlagen hat sicherlich auch immer Auswirkungen auf die Umwelt, aber in deren Nähe kommen sie nicht und deswegen sind die hier nicht relevant. Meine Damen und Herren, ich möchte es kurz zusammenfassen. Der Antrag der AfD bietet absolut keinerlei Mehrwert zum aktuellen Stand und in dem Sinne möchten wir als Koalitionsfraktionen diesen Antrag als überflüssig ablehnen. Vielen Dank.
(Beifall CDU, BSW)
