Dr. med. Cornelia Urban
Vertrauliche Spurensicherung in Thüringen ausbauen
Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Sie kurz in das Thema mitnehmen, das ist ja auch ein starker Bruch zum Vorthema. Es geht um vertrauliche Spurensicherung. Körperliche und sexualisierte Gewalt hinterlässt Spuren, oft tiefe Spuren und oftmals eben nicht nur die sichtbaren Verletzungen, sondern oft auch Wunden, die die Betroffenen ein Leben lang begleiten. Und wer Gewalt erlebt, erfährt häufig nicht nur das Gefühl von Sicherheitsverlust, sondern auch von Vertrauensverlust, von Vertrauensverlust in andere Menschen, manchmal auch vom Verlust des Vertrauens in sich selbst. Viele Betroffene stehen nach einer Tat unter Schock. Sie kämpfen mit Angst, Scham, Unsicherheit und nicht selten mit dem Gefühl, auch komplett völlig allein zu sein. Genau deshalb ist die vertrauliche Spurensicherung so wichtig. Besser gesagt, sie ist deshalb unverzichtbar, denn sie gibt den Menschen in einer absoluten Ausnahmesituation etwas zurück, das rohe Gewalt ihnen genommen hat, ein Stück Kontrolle. Sie ermöglicht medizinische Versorgung, sichert wichtige Beweise und nimmt Betroffenen den unfassbaren Druck, unmittelbar nach der Tat sofort Anzeige erstatten zu müssen. Sie schafft Zeit, Zeit zum Atmen, Zeit zum Nachdenken. Deshalb vielleicht genauer zu dem Antrag: Wir haben an diesem Antrag – der ja ein wirklich sensibles Thema bearbeitet – fraktionsübergreifend gearbeitet. Wir haben fraktionsübergreifend Verantwortung übernommen und den ursprünglichen Antrag der Linken im parlamentarischen Verfahren konstruktiv im Ausschuss weiterentwickelt und meiner Meinung nach damit natürlich auch ein Stück besser gemacht. Wir als SPD-Fraktion begrüßen ausdrücklich, dass zum Beispiel das Universitätsklinikum Jena bis zum 30. September dieses Jahres Kooperationsvereinbarungen mit Kliniken in Zentral-, Ost-, Süd-, West- und Nordthüringen abschließen wird. Ebenso positiv ist, dass bis Ende 2028 ein Umsetzungsbericht vorgelegt werden soll, denn am Ende ist ja gute Politik zwar immer gut gemeint, aber es hilft ja auch manchmal zu kontrollieren, ob die Maßnahmen, die wir so beschließen, funktionieren und der Realität entsprechen oder ob wir eben Verbesserungen vornehmen müssen. Besonders wichtig finde ich außerdem die geplante telemedizinische Einbindung und Lösung. Gerade für ländliche Regionen, denke ich, wird das ein echter Fortschritt sein. Schnelle, fachgerechte Unterstützung darf nicht davon abhängen, ob jemand in einer Großstadt oder auf dem Land lebt. Das wäre ein bedeutender Schritt hin zu einer besseren Versorgung für uns alle in ganz Thüringen. Ebenso bedeutsam ist die geplante Informationskampagne, ich finde, das ist fast das Kernstück, denn viele Menschen wissen bis heute gar nicht, dass es die Möglichkeit einer vertraulichen Spurensicherung gibt. Aber Unterstützung kann ja nur dann wirken, wenn die Betroffenen überhaupt wissen, dass sie auch Hilfe bekommen können. Und seien wir ehrlich: Wer Gewalt erlebt hat, braucht unglaublich viel Mut, um überhaupt Hilfe zu suchen. Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, Hürden abzubauen, Informationen verständlich aufzubereiten und Unterstützungsangebote gut, sichtbar und erreichbar zu machen. Mit der heutigen Zustimmung zu diesem Antrag senden wir eine klare Botschaft an die Menschen in unserem Land – im Sinne: Ihr werdet ernst genommen, ihr seid nicht allein und Thüringen schaut nicht weg. Herzlichen Dank.
(Beifall CDU, BSW, Die Linke, SPD)
