Anja Müller
Landwirtschaft stärken und Betriebe entlasten – Kosten senken, Bürokratie abbauen und Wettbewerbsfähigkeit sichern
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Ich will da anschließen, wo der Kollege Augsten aufgehört hat. Das war auch ein Aufreger, bei dem ich dachte: Mein Gott, da schreibt die AfD Problemfälle auf, die sie beim Milchfrühstück der Bauern vielleicht auch gehört hat. Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass es auch Bürokratieabbau braucht. Doppelnachfragen – da hat meine Fraktion schon im letzten Jahr eine Anfrage gestellt und die Antwort der Landesregierung war damals 32 Seiten lang. Da wurde aufgelistet, wo denn der Bürokratieaufwand für die Landwirte ist. Na klar gibt es da Stellschrauben. Da muss man gucken, wie man das eindämpfen kann. Aber dann bei all den Problemen als Lösung anzubieten, wir holen wieder russisches Öl und russisches Gas, da habe ich gedacht: Meine Fresse – Entschuldigung, das darf ich hier im Saal gar nicht sagen –, die Landwirte leiden doch an den Folgen des Klimawandels. Der Boden wird immer trockener. Wir kommen aus einer Region, also ich zumindest, in der es nicht so häufig regnet, aber wenn es regnet, dann ist es Starkregen. Wir müssen doch das Ganze nicht noch befeuern, indem wir diese fossilen Brennstoffe in die Luft pumpen, was dann wieder auf die Landwirte zurückführt. Ich habe ein schönes Beispiel gefunden. Da gibt es „Heizen mit Gras vom Acker“ in der Bauernzeitung. Das fand ich sehr interessant. Dieser Bauer spart im Jahr 30.000 Liter Heizöl ein, indem er seine Gärtnerei und seinen Betrieb mit Gras heizt. Damit ist er ökologisch richtig gut unterwegs. Es gibt Methoden, die die Landwirte nutzen können. Da gucke ich auch wieder zu Herrn Augsten, weil wir auf einer sehr interessanten Veranstaltung waren, bei der es darum ging, wie wir Agri-Photovoltaik auf die Fläche kriegen. Da war ein Bauer da – der hat mich total begeistert, denn ich habe Respekt vor diesem Berufsstand –, der sich auf den Weg gemacht hat, hat Agri-Photovoltaik auf die Fläche gebracht, hat vorher genau ausgemessen, wie er darunter seine Kühe weiden lassen kann, wie er mit dem Traktor darunter langfahren kann und wie – das kann man ja auch berechnen – die Grasmahd nicht nur einmal, zweimal, sondern dreimal im Jahr wächst, damit er genügend für seine Tiere zur Verfügung hat. Dann hat er erzählt: Mensch, das hat super funktioniert. Das ganze Dorf kriegt dadurch Energie. Er hat sich noch zwei Batteriespeicher mit aufgebaut und sagt, er hätte nie gedacht, dass er als Bauer mal ohne Subventionen auskommt und so ein gutes, tolles Leben führen kann und auch noch die Gemeinde mit Strom versorgt. Das ist der Wahnsinn. Worauf will ich hinaus? Die Antworten der AfD für die Bauern sind oldschool, also irgendwie in der 1980erJahren stehen geblieben, keine neuen Antworten. Die einzige Antwort, die da kommt, ist: Wir holen wieder russisches Öl und Gas und dann geht es euch gut. Das ist der falsche Weg, das sage ich Ihnen ganz ehrlich. So gehen auch die Betriebe mittlerweile nicht um. Was ich ganz besonders bemerkenswert finde, ist, dass gerade in der Landwirtschaft ein Generationswechsel stattfindet. Viele junge Menschen machen sich auf den Weg, erlernen grüne Berufe, was ich richtig toll finde, und machen solidarische Landwirtschaften auf. Da kommen wir nämlich in diesen regionalen Kreislauf. Regionale Produkte erzeugen, sie direkt vermarkten, den Boden auch nicht zu überfordern, zu überfrachten mit Monokulturen, die dann wieder dem Boden eher schaden. Und von dem her habe ich da Riesenrespekt, wünsche mir aber auch – und das darf ich auch hier schon mal sagen – eigentlich mehr Förderung für diese Art der Landwirtschaft, der bäuerlichen Landwirtschaft, der solidarischen Landwirtschaft. Ich glaube, das wäre ein guter Weg, den wir hier in Thüringen gehen können, um auch – ich sage mal – die Akzeptanz in der Bevölkerung, auf dem Land – denn viele identifizieren gar nicht mehr, wer ist denn mein Bauer, durch die Agrargenossenschaften, sondern da ist einfach ein Traktor auf einmal da, der macht da was. Und ich glaube, das würde auch noch mal die Akzeptanz erhöhen für die Landwirtschaft. Und von dem her wundert Sie es jetzt nicht, wir werden diesen Antrag ablehnen, weil der ist so in den 80ern stehen geblieben. Vielen Dank.
(Beifall Die Linke)
