Carolin Gerbothe
Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen – Schulpflicht wirksam durchsetzen
Nein. Genau deshalb haben wir in Deutschland seit über 100 Jahren eine Bildungspflicht. Sie garantiert allen Kindern, unabhängig von Herkunft, Elternhaus und Wohnort, Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Aber unser heutiger Antrag beschäftigt sich nicht nur mit der Bedeutung der Schulpflicht. Für uns ist ebenso wichtig, dass diese auch konsequent umgesetzt wird, denn Schulabsentismus ist ein Problem, dass sich in den vergangenen Jahren leider massiv verschärft hat. Die Zahlen sind alarmierend. So hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die mehr als 40 Tage unentschuldigt fehlen, in den letzten sechs Jahren fast verdreifacht. Sehr geehrte Damen und Herren, das weiß ich selber als Lehrerin, das hat nichts damit zu tun, dass man eben mal seine Krankschreibung verbummelt hat. Dahinter steckt doch ein gezielter Rückzug aus unserem Bildungssystem. Darauf müssen wir eine klare und konsequente Antwort geben. Denn hinter jeder Zahl steckt ein Kind, ein Schicksal und unsere Zukunft – ein Kind, das abgehängt wird, ein Kind, das Hilfe braucht. Genau deshalb sagen wir ganz klar: Die Antwort kann und darf niemals nur Strafe sein. Viele Kinder fehlen doch nicht aus Gleichgültigkeit. Sie fehlen wegen sozialer, familiärer oder psychischer Belastungen. Deshalb brauchen wir frühzeitig pädagogische und psychologische Unterstützung. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Besucher, Demokratie entsteht nicht im Rückzug. Demokratie entsteht doch für uns alle im Miteinander. Ich bin fest davon überzeugt, Schule ist einer der wichtigsten Orte unserer gelebten Demokratie. Deshalb ist unser Antrag so wichtig und benötigt eine genaue Analyse im Bildungsausschuss. Wir wollen Klarheit über das tatsächliche Ausmaß von Schulabsentismus schaffen und gemeinsam über Lösungsmöglichkeiten diskutieren. Und wir wollen prüfen lassen, welche gesellschaftlichen Folgen die Abschaffung der allgemeinen Schulpflicht hätte – nicht ideologisch, sondern faktenbasiert, entwicklungspsychologisch und verfassungsrechtlich fundiert. Denn eines darf niemals passieren: dass Kinder aus dem Blick unserer Gesellschaft verschwinden. Denn Schule bedeutet nicht nur Bildung, Schule bedeutet Gemeinschaft, Chancengleichheit, Demokratie und Zukunft. Ich bin sehr dankbar, dass die Studie, welche wir als CDU-Fraktion in Thüringen in Auftrag gegeben haben, ein klares Bild zeichnet und sich eine klare Mehrheit gegen ein Experiment an unseren Kindern ausspricht. Übrigens, verehrte Abgeordnete der AfD, sind Dreiviertel der AfD-Anhänger der klaren Überzeugung, dass Unterricht zu Hause keine vergleichbare Qualität zum Unterricht in der Schule bieten kann.
(Beifall CDU, BSW)
Daher lehnen auch 67 Prozent der AfD-Anhänger eine bloße Bildungspflicht ab.
(Beifall CDU, BSW)
Und so, sehr geehrte Damen und Herren, bin ich sehr verwundert, welche vermeintlichen Persönlichkeiten mal wieder auf X kommentieren, die scheinbar ganz weit weg von der Thüringer Befragung und von unserem schönen Freistaat sind. Herzlichen Dank.
(Beifall CDU)
