Carolin Gerbothe
Rückenwind für junge Menschen, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erlangen möchten – Thüringenkolleg Weimar erhalten: Aufnahmestopp aufheben und Strukturen sichern
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Abgeordnete, liebe Gäste am Livestream und auf der Besuchertribüne, der Antrag der Fraktion Die Linke trägt den Titel „Rückenwind für junge Menschen […]“. Das Ziel, den zweiten Bildungsweg zu stärken und Chancen zu eröffnen, teilen wir ausdrücklich. Aber – und das sage ich ganz bewusst und knapp – Ihr Antrag bleibt hinter Ihrem Anspruch deutlich zurück. Er wiederholt weitgehend Forderungen, die bereits umgesetzt wurden und werden und sich längst im Prozess befinden und greift an entscheidenden Stellen viel zu kurz. Deshalb liefert er keinen echten Mehrwert für unsere Bildungslandschaft und für die aktuelle politische Debatte.
(Beifall CDU, BSW)
Entscheidend ist heute vielmehr der Blick nach vorn. Genau dafür liegt Ihnen, werte Abgeordnete, der Alternativantrag der Koalitionsfraktionen vor. Ich möchte kurz auf die Kernaussagen unseres Antrags eingehen: Erstens: Wir bekennen uns ausdrücklich zum zweiten Bildungsweg als eigenständiges Bildungsangebot. Seine besonderen Zugangsvoraussetzungen und die elternunabhängige Förderung sind zentrale Elemente von Bildungsgerechtigkeit und müssen zwingend erhalten bleiben. Zweitens: Wir unterstützen die laufende Neustrukturierung. Die geplante organisatorische Anbindung an berufliche Gymnasien ist kein Rückbau, sondern eine gezielte Weiterentwicklung. Drittens: Die stärkere regionale Verteilung der Angebote ist ein entscheidender Fortschritt. Sie verbessert die Erreichbarkeit, reduziert Hürden und erleichtert es vielen Menschen, überhaupt erst den zweiten Bildungsweg zu nutzen, gerade auch für den ländlichen Raum und für die Chancengleichheit im ländlichen Raum. Viertens: Wir sorgen für Verlässlichkeit im Übergang. Unser Antrag stellt klar, dass alle derzeit eingeschriebenen Kollegiaten ihre Ausbildung planmäßig abschließen können. Gleichzeitig schaffen wir tragfähige Strukturen für zukünftige Jahrgänge. Sehr geehrte Damen und Herren, dieser Alternativantrag ist kein theoretisches Papier. Er greift die laufenden Prozesse im Ministerium auf, unterstützt sie und gibt ihnen eine klare Richtung: Qualität sichern, Strukturen verbessern und Zugang erweitern. Er verbindet also drei Dinge, die zusammengehören, gerade für die Bildung: Realitätsbezug, Verlässlichkeit und Zukunftsperspektive. Genau das unterscheidet unseren Antrag von dem der Linken. Während dort vielfach Forderungen wiederholt werden, beschreibt unser Antrag einen konkreten Weg, wie der zweite Bildungsweg in Thüringen langfristig gesichert und gestärkt werden kann. Nichtsdestotrotz können wir gern diese beiden Anträge – sinnhaft oder nicht – im dafür zuständigen Bildungsausschuss sachlich fundiert und lösungsorientiert vertieft beraten. Denn wir scheuen uns nicht vor der Diskussion, sondern wir sind überzeugt von der Idee, die aus dem Ministerium herausgetragen wurde. Lassen Sie uns daher – und das ist aus meiner Sicht das Wichtigste – den Blick nach vorn richten für all die Menschen, die diesen zweiten Bildungsweg nutzen möchten. Es ist unsere Aufgabe, dies aktiv mitzugestalten. Herzlichen Dank.
(Beifall CDU, BSW)
