thueringer-landtag.de ↗

Tilo Kummer

06.02.2026 Sitzungen 8/37

Dringender Regulierungsbedarf des Waschbärbestands in Thüringen zum Schutz von Artenvielfalt und Kulturlandschaft im Freistaat

Meine sehr verehrten Damen und Herren, invasive Arten machen uns schon ganz schön zu schaffen. Ich würde viel darum geben, amerikanische Krebse wieder aus unseren Gewässern loszuwerden, weil sie mit der Krebspest unsere einheimischen Krebse weitgehend ausgerottet haben. Überall wo sie hinkommen, schaffen sie das auch. Aber es gibt keine einfachen Wege. Wir haben eine ganze Reihe von Arten, deren unbedachtsame Auswilderung oder deren Entfleuchen in Deutschland, in Europa, auch in anderen Ländern dieser Welt für wirklich verheerende Konflikte mit der heimischen Natur gesorgt hat. Ich meine, wir können ja mit Riesenbärenklau und anderen Sachen weitermachen. Vor dem Hintergrund wäre es sinnvoller, sich mit dem Thema umfangreicher zu beschäftigen, als mit einer einzelnen herausgepickten Art. (Zwischenruf Abg. N. Hoffmann, AfD: Kön- nen wir doch im Ausschuss machen!) Der Waschbär ist seit 2016 europaweit als invasiv eingeordnet. Seitdem unterliegt er der Verpflichtung eines Monitorings, den entsprechenden Berichtspflichten der Europäischen Union. Das heißt, wir haben auch entsprechende Zahlen zur Beurteilung. Und da gerade die ganze Gesellschaft unter Bürokratiekosten stöhnt, sehen wir ein weitergehendes Monitoring aus Kosten- und Aufwandsgründen als nicht hilfreich an. Denn welche neuen Erkenntnisse soll es uns bringen? Wir wissen, dass die Waschbärenpopulation drastisch ansteigt. Wir wissen auch, welche Auswirkungen der Waschbär hat. Vor diesem Hintergrund fehlt es uns nicht an Erkenntnis, es fehlt uns eher an den Möglichkeiten, den Bestand wirksam zu reduzieren. Dass der Waschbär auf viele Arten Auswirkungen hat, ist angesprochen worden. Irgendwie werden immer die Fische vergessen. Aber auch Fische gehören in sein Beutespektrum. Er ist eine sehr breit aufgestellte Art, was sein Nahrungsspektrum angeht, und nutzt alles, was er kriegen kann. Wo Arten aufgrund ihres zurückgegangenen Lebensraums in Gefährdungssituationen sind, wirkt eine zusätzliche Bedrohung durch den Waschbären, auf den die Arten häufig nicht eingestellt sind, natürlich besonders gravierend. Deshalb sind Managementmaßnahmen notwendig. Die Managementmaßnahmen bestehen auf der einen Seite in der Jagd. Da sind in Thüringen alle Möglichkeiten ausgereizt. Das heißt, der Waschbär kann in Thüringen gejagt werden, es gibt keine Schonzeit. Das Einzige, was geschont werden muss, was sich aus jagdethischer Sicht natürlich gehört, sind die Elterntiere während der Aufzucht. Der Waschbär darf auch mit Nachtsichttechnik gejagt werden. Auch das geht in Thüringen, das ist insoweit alles geklärt. Vor dem Hintergrund zeigt auch die ständig steigende Jagdstrecke des Waschbären – im letzten Jahr waren es über 18.000 Tiere, die erlegt worden sind –, dass wir dort die entsprechenden Ergebnisse erzielen. Der zweite Teil des Managements ist, dass man natürlich auch bestimmte bedrohte Arten vor dem Waschbären schützen kann, zum Beispiel durch Einzäunung, durch Manschetten, die an Höhlenbäumen angebracht werden können, zum Teil auch mit Strom. Das sind aber alles ziemlich aufwendige Geschichten. Die dritte Geschichte ist die Öffentlichkeitsarbeit, wo man natürlich auch noch mal deutlich macht: Lasst bitte kein Futter für die Waschbären stehen, um sie nicht in Hausnähe anzuziehen. Auf der Homepage unseres Ministeriums können Sie das Informationsblatt „Waschbär: Management- und Maßnahmenblatt“ finden, womit wir auch dieser Frage entsprechend nachkommen. Ja, meine sehr verehrten Damen und Herren, für die Aufwendung der Jägerschaft bei der Jagd auf Waschbären möchte ich hier an dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank sagen. Das ist nicht selbstverständlich. Auch wenn Waschbär in Buttermilch bei „Chefkoch“ sehr gelobt wird – das Waschbärenfell war früher sehr begehrt. Vielleicht hilft es uns in Thüringen, mal wieder eine Kürschnerei auf den Weg zu bringen. Ich finde das einen unglaublichen Frevel – auch bei landwirtschaftlichen Nutztieren –, dass wir die Felle heutzutage nicht mehr verwenden. Das ist ein wunderbares Material. Mit solchen Dingen kommen wir vielleicht ein Stückchen weiter voran. Frau Hoffmann, eine Abschussprämie – ja, wir haben eine Abschussprämie bei der afrikanischen Schweinepest. Wenn Sie sich mal die Bewertung des Rechnungshofs durchlesen – die ist ausgesprochen schwierig. Das ist auch mit ein Grund, warum wir jetzt die Ausreichung der Mittel vereinfachen wollen: weil wir sie an die Trichinenschau koppeln. Wenn ich eine Abschussprämie für einen Waschbären einführen wollte, müsste ich natürlich irgendwo den Nachweis erbringen lassen, dass es diesen Waschbären gegeben hat und dass er wirklich geschossen wurde. Damit haben Sie diesen Aufwand. Das ist ein Punkt, wo man überlegen muss: Bringt das wirklich etwas? Welche Effekte erziele ich damit? Deshalb rate ich, eher andere Wege zu gehen. Ich glaube, wir kommen damit nicht wirklich weiter. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir unterstützen im Übrigen den Schutz des Niederwildes aus Mitteln der Jagdabgabe, auch vor dem Waschbär. Hier wird zum Beispiel in Thüringen seit 2022 zum Schutz des Rebhuhns die Beschaffung von Fangeinrichtungen ermöglicht. Ich will zum befriedeten Bezirk noch sagen, dass es selbstverständlich so ist, dass sachkundige Eigentümer und Nutznießer im befriedeten Bezirk unter Beachtung des Tierschutzgesetzes, unter Anwendung des Bundesjagdgesetzes den Waschbären fangen und töten dürfen. Hier braucht es keine gesonderte Sachkunde. Dementsprechend haben wir hier die Möglichkeit. Ein Jagdausübungsberechtigter kann aber im befriedeten Bezirk nicht tätig werden. Das kann nur der Grundstückseigentümer, aber der Grundstückseigentümer kann sich Hilfe holen. Diese Möglichkeiten gibt es alle und ich kann nur dafür werben, sie entsprechend anzuwenden. Wie gesagt, mit Mitteln der Jagdabgabe unterstützen wir durchaus auch bei der Beschaffung von Fallen, wenn es um konkrete Projekte geht. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BSW, SPD)

Alle Reden von Tilo Kummer Protokoll ↗