Katja Mitteldorf
b) Alle Akteure und Initiativen der Kindermedienlandschaft in Thüringen stärken und langfristig Perspektiven geben – „Kindermedienland Thüringen“ als Marke weiter stärken
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kollegen, also nach dieser Rede habe ich manchmal eher so ein bisschen den Eindruck, dass es vielleicht doch ganz gut ist, wenn Kindern auch Bildung und Zuwendung zuteilwird, denn offensichtlich kann man ja den Eindruck bekommen, wenn man nur in den Händen seiner Eltern war, dann landet man im Zweifelsfalle hier auf der rechten Seite des Hauses. Das kann ja auch nicht wirklich ernsthaft das sein, was man möchte.
(Beifall Die Linke)
(Unruhe AfD)
Worüber reden wir eigentlich? Wenn man dem Kollegen Cotta zugehört hat, könnte man kurz vergessen haben, worum es eigentlich geht. Wir reden heute über zwei Anträge, die nunmehr zu einem Antrag werden. Und das sei mir gestattet: Den Antrag gibt es ja seit Juni. Ganz ehrlich, mich freut es sehr, dass wir jetzt zu einem Punkt gekommen sind, an dem wir das erreicht haben, was wir schon im Juni hätten erreichen können. Das war damals nicht gewollt und deshalb mussten wir einen sehr langen Umweg gehen, um dann aus beiden Anträgen einen Antrag zu machen. Wie schön, dass wir es doch noch geschafft haben, denn am Ende geht es nämlich in diesen Anträgen nicht um uns, sondern es geht um die Frage: Ist Thüringen und bleibt Thüringen ein attraktiver Produktionsstandort für das und als Kindermedienland? Denn – Achtung, Herr Cotta – das Kindermedienland ist gar keine neue Erfindung und gar kein Sammelsurium von Dingen, es ist eine Marke, und zwar schon seit vielen, vielen Jahren. Darunter subsumiert sich Einiges, was wenig intransparent ist, wie Sie das behaupten, sondern sehr transparent nachvollziehbar ist, wenn man sich natürlich mit der Frage auch nur beschäftigen möchte. Und der Goldene Spatz ist ein Teil dieses Kindermedienlandes. Jetzt haben Sie hier ja so lustige Sachen erzählt, zum Beispiel, dass hier mit Hinterzimmerpolitik ein Antrag zusammengemeißelt wurde. Also Entschuldigung, aber das ist im Übrigen nichts anderes als Ausschussarbeit. Ich weiß, das ist Ihnen fremd.
(Beifall Die Linke)
Aber wenn man zwei Anträge in einem Ausschuss hat und sich darüber austauscht und feststellt, was machen wir damit, weil wir uns an vielen Stellen sehr einig sind, dann kann man und sollte man, dafür sind Ausschüsse im Übrigen da, nämlich genau dazu kommen, wozu es auch gekommen ist. Sehr transparent gab es einen gemeinsamen Änderungsantrag zu einer Beschlussempfehlung. Das ist Ausschussarbeit. Ich kann Ihnen nur empfehlen, vielleicht können Sie …
(Zwischenruf Abg. Cotta, AfD: Wann lag der
vor? Im Ausschuss lag der nicht vor!) Im Ausschuss lag der sehr wohl vor. Natürlich lag der im Ausschuss vor. Sonst hätten Sie das ja gar nicht beschließen können, Herr Cotta. Sie haben es natürlich nicht beschlossen. Aber Entschuldigung, natürlich liegt der vor. Und wenn wir darüber reden, wie oft die AfD-Fraktion mit irgendwelchen Tischvorlagen um die Ecke kommt, also Entschuldigung. Das ist jetzt wirklich ein bisschen albern.
(Zwischenruf Abg. Cotta, AfD: Das ist dann
keine Ausschussarbeit, oder was?) Und es ist relativ leicht erkennbar und machbar, dass aus zwei Anträgen ein Antrag geworden ist. Ich glaube, das überblicken sogar Sie in einer Lesepause. Das ist genau geschehen. Deswegen ist es ein bisschen albern, hier von Hinterzimmerpolitik zu reden. Im Übrigen bleibe ich dabei, wir sind ja immer noch dafür, dass die Ausschüsse insgesamt öffentlich tagen.
(Beifall Die Linke)
Dann kommen wir zu dem Punkt, wo Sie wieder erzählen, das ist alles ideologisch und es würde jetzt mehr Strukturen geben, mehr Geld, mehr Bürokratie. Also wissen Sie, Herr Cotta, in dem Antrag steht gar nichts drin, was es an neuen Strukturen, neuen Geldern und neuen bürokratischen Dingen geben soll. Das ist einfach schlichtweg unwahr, was Sie hier erzählen. Sondern er beschreibt in gewisser Weise den Status quo, wie wir ihn jetzt haben,
(Zwischenruf Abg. Cotta, AfD: Dann ist der
Antrag doch überflüssig!) und bedeutet – lassen Sie mich doch ausreden, Herr Cotta. Seien Sie doch nicht so aufgeregt. Das ist ganz schlecht für die Herzkranzgefäße, ganz, ganz schlecht.
(Beifall Die Linke)
(Zwischenruf Abg. König-Preuss, Die Linke:
Weiter aufregen, weiter aufregen!) Vielleicht hören Sie einfach zu, dann wissen Sie auch, dass es selbstverständlich wichtig ist, wenn man den Status quo beschreibt und ihn auch als schützenswert beschreibt, und mit dem Hinweis – das finden Sie alles im Antrag, wenn Sie richtig lesen würden –, dass es natürlich auch darum geht, das weiterzuentwickeln. Da steht also nichts dazu drin, dass es mehr Bürokratie, mehr irgendwas geben würde, was Sie hier behaupten, sondern, das war ja auch immer der Ursprung, weswegen wir als Fraktion Die Linke uns im Juni im vergangenen Jahr aufgemacht haben, in besonderer Weise den Goldenen Spatz hier in den Mittelpunkt zu stellen, weil im Übrigen auch gerade zu diesem Zeitpunkt der Goldene Spatz wieder gelaufen ist. Im Übrigen läuft jetzt gerade wieder die Suche nach der Kinderjury für den nächsten Goldenen Spatz – noch mal ein kleiner Werbeblock für alle, die das interessiert. Jetzt ist es so, dass natürlich ein Festival wie der Goldene Spatz – und ich weiß, Sie haben das Prinzip eines Festivals offensichtlich nicht verstanden. Ein Festival funktioniert immer so, dass es Beiträge gibt, da gibt es Bewerbungen, dann schicken Leute da ihre Beiträge hin, dann werden die ausgesucht, dann werden die im Festival gezeigt und dann gibt es Jurys, die entscheiden, haben die jetzt einen Preis verdient oder nicht. Das ist ein ganz normaler Vorgang, so funktionieren Festivals. Wie Sie in Ihrer offensichtlich ja blühenden Fantasie daraus erstens basteln, dass das in irgendeiner Form alles ideologiegelenkt sei, ist schon mal der erste Treppenwitz der Geschichte und zweitens Sie wieder mit der Mär um die Ecke kommen, dass die Kinderjury, die professionell begleitet wird von Pädagogen – ich weiß, ganz schlimm, Pädagogen, ganz furchtbare Menschen –, die sich darum kümmern, dass Kinder ermächtigt werden und Soft Skills lernen – ich weiß, englischer Begriff ist nicht so gern gesehen. Das bedeutet aber, dass sie die Kompetenzen erwerben, wie gucke ich mir einen Film an, was bedeutet das eigentlich, worauf achte ich da, wenn ich einen Film bewerte, wie trete ich in Diskussion mit anderen Menschen – übrigens etwas, das wir hier auch alle immer noch wieder lernen dürfen –, wie strukturiere ich meine Argumentation, wenn ich Beobachtungen teile. Das ist Medienbildung, es ist kulturelle Bildung und es ist eine Kompetenzvermittlung, die Kinder und Jugendliche, wie auch Erwachsene übrigens, zu jedem Lebensalter immer weiter gebrauchen können. Diese ermöglichen, dass man in einer Gesellschaft in einen Diskurs tritt. Nichts anderes passiert beim Festival Goldener Spatz. Ich will an dieser Stelle ganz ehrlich sagen, ich finde die Arbeit mit den Kinderjurys hervorragend. Ich bin unglaublich dankbar für die Kolleginnen und Kollegen,
(Beifall Die Linke)
die das mit sehr wenig Personalbesatz sehr professionell tun. Ich schäme mich ein bisschen dafür, dass aus diesem Rund hier die Auffassung kommt, das alles wäre Indoktrination. Dann haben Sie gesagt, die Landesregierung – so ähnlich habe ich Sie zumindest verstanden – nimmt Einfluss auf den Produktionsstandort Thüringen. Also bei aller Liebe: Wie albern ist denn diese Aussage? Selbstverständlich wird eine jede Landesregierung, der es am Herzen liegt, dass in ihrem Bundesland, in dem Fall Freistaat Thüringen, Produktionsstätten stattfinden, denn wir haben ja alles da, und der Produktionsstandort für die Film- und auch Fernsehbranche gestärkt wird, so wie hoffentlich im Übrigen jeder Mensch hier auch in diesem Rund, der sich dafür ernsthaft interessiert, für den Produktionsstandort werben, denn das ist verdammt noch mal auch die Aufgabe sowohl einer Landesregierung als auch eines jeden Abgeordneten und eines jeden Menschen, der sagt, es ist wichtig und gut, dass wir einen Medien- und Produktionsstandort in Thüringen haben, den wir gestärkt wissen wollen.
(Beifall CDU, Die Linke)
Das ist also ein völlig normaler Vorgang. Sie tun aber so, als würde die Landesregierung, und zwar egal welche, und das ist jetzt nicht meine Landesregierung, aber mir würde es ja wirklich fernliegen, auch dieser Landesregierung zu unterstellen, die würden jetzt in Produktionsaufträge eingreifen und mitteilen, was für Produktionen hier stattzufinden haben. Das ist doch Humbug, Leute. Man kann sich ja nicht ernsthaft hier als staatlich alimentierter Abgeordneter hinstellen und so einen Quatsch erzählen. Also tut mir leid, das ist ja nun wirklich fern jeglichen guten Gewissens, was man da haben kann. Jetzt komme ich zum Antrag zurück, denn es ist wichtig, dass wir dieses Signal gemeinsam senden. Ganz ehrlich, ich sage es bis heute, ich finde, das hätten wir im Juni auch schon machen können.
(Beifall Die Linke)
Ich finde diesen ganzen Vorgang, den es da gab, noch immer hochdramatisch und irgendwie auch ein bisschen tragisch. Das Senden dieses Signals, was wir heute schaffen – Kollege Quasebarth hat das schon sehr ausführlich dargelegt, da kann ich seine Worte nur unterstreichen –, hätten wir aber schon im Juni haben können. Ich persönlich wünsche mir, dass wir – auch im Angesicht der Worte, die Herr Quasebarth hier vorn als Redner gesagt hat – in diesen Fragen eben keine Feinde sind – im Übrigen habe ich diese Feindrhetorik sowieso nicht –, sondern dass wir uns in der Frage sehr einig sind, dass wir unseren Medienstandort, die Marke des Kindermedienlands stärken und natürlich auch den Goldenen Spatz weiterhin gemeinsam unterstützen werden, dass wir das nach vorn stellen und wir uns nicht in Antragsdebatten darüber verlieren, wer jetzt zuerst den Antrag gestellt hat. Deswegen lassen Sie uns in Zukunft – verehrte Brombeere, als Einladung – sehr gern weiterhin gemeinsam dieses Signal senden. Ich bitte um Zustimmung. Vielen Dank.
(Beifall Die Linke)
