Andreas Schubert
d) auf Antrag der Fraktion der CDU zu dem Thema: „Sportland Thüringen – Schwung der Weltcups in Oberhof nutzen, Thüringen als Standort für zukünftige Sportgroßveranstaltungen stärken“
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde, ja, die Weltcup-Wochen in Oberhof in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele Milano Cortina haben zweifellos belegt: Thüringen kann Spitzensport, Thüringen kann internationale Großveranstaltungen und dafür gebührt natürlich der Dank allen Beteiligten, den Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainern, aber auch gerade den Ehrenamtlichen und Organisatoren. Das ist hier noch mal, glaube ich, nicht ohne Grund zu wiederholen.
(Beifall CDU, BSW, Die Linke)
Aber gleichzeitig, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist aus Sicht der Linksfraktion auch Folgendes klar: Spitzensport entsteht nicht auf der Tribüne, sondern in Turnhallen, auf Sportplätzen, in Schwimmbädern und Vereinen und genau dort entscheidet sich, ob Thüringen auch morgen noch Sportland ist. Die angesprochenen 3.200 Sportvereine mit ihren fast 400.000 Mitgliedern und mehr als 60.000 Ehrenamtlichen tragen diese Verantwortung tagtäglich. Gerade im ländlichen Raum sind Sportvereine der soziale Mittelpunkt – mit einer gewaltigen Integrationsleistung für ein sicheres Fundament unserer Gesellschaft. Doch die Basis ist unter Druck: marode Sportstätten, steigende Betriebskosten, mangelnde Planungssicherheit. Wer darüber hinwegredet, redet am Kern vorbei. Wer Thüringen als Sportland zukunftsfest machen will, darf nicht nur über Leuchttürme reden, nicht nur Medaillen beklatschen, sondern muss das Fundament dafür sichern. Dabei ist Sportpolitik immer auch Sozial-, Bildungs- und Gesundheitspolitik und hat Auswirkungen auf Tourismus und damit auch auf Wirtschaft. Wir teilen als Linke den Ansatz, Großereignisse strategisch für die Entwicklung des Sportlands zu nutzen. Aber diese Events und die dafür notwendigen Finanzmittel, die substanziell sind, dürfen kein Selbstzweck sein. Wichtige Events wie Weltcups, Europa- und Weltmeisterschaften und auch Olympische Spiele müssen konkrete Effekte für Kinder und Jugendliche, für unseren Nachwuchsleistungssport und für die Vereine vor Ort haben. Wir dürfen Thüringen dabei auch nicht nur als Wintersportland begreifen. Eine Lotto-ThüringenLadies-Tour hat beispielsweise über Jahre gezeigt, welches Potenzial zum Beispiel Frauenradsport hat und wie er sportlich, gesellschaftlich und überregional Signalwirkung erzielen kann. Wenn wir heute über Olympia reden, dann müssen wir die olympischen Sommersportarten konsequent mitdenken. Gut, dass es 2026 erneut eine Station des internationalen Frauenradsports in Thüringen geben wird.
(Beifall Die Linke)
Viel drängender sind aber die Fragen der Sportstätten. Dazu zählen auch die Bäder. Moderne Sportstätten sind die Grundlage für internationale Erfolge und für den Alltagssport. Nicht nur in Thüringen haben wir einen massiven Investitionsstau, den wir trotz aller Bemühungen – da will ich dem Vorredner gar nicht widersprechen, da haben wir als Linksfraktion auch unseren Beitrag geleistet – und Verbesserungen im Haushalt 2026/2027 nicht ohne den Bund werden auflösen können. Deshalb fordern wir als Linke zu Recht einen neuen Goldenen Plan Sport mit 1 Milliarde Euro nicht für eine Legislaturperiode, sondern pro Jahr, und das über 15 Jahre. Und schließlich: Sport und Tourismus gehören zusammen gedacht. Internationale Sportveranstaltungen, Sportveranstaltungen sind Reiseanlässe, Wertschöpfungstreiber und Imageträger. Umso wichtiger ist die Frage, wie sich die neue Tourismusstrategie des Landes mit dem Zukunftsplan für das Sportland Thüringen verbindet, der ebenfalls gerade in der Erarbeitung der Landesregierung ist. Diese Verzahnung ist entscheidend und kann sich nicht nur in grünen Herzchen erschöpfen, Herr Bühl. Unser Fazit als Linksfraktion, erstens: Ja zum Spitzensport und zu Großereignissen, wenn sie den Breiten- und Nachwuchssport stärken, wo soziale Teilhabe gesichert wird. Und zweitens: Thüringen muss sich auch im Bundesrat aktiv für einen neuen Goldenen Plan Sport einsetzen – mit 1 Milliarde Euro jährlich. Unser Antrag dazu liegt in dieser Plenarwoche auf dem Tisch. Denn ohne starke Vereine, ohne Ehrenamt, ohne funktionierende Sportstätten gibt es keine Olympiasiegerinnen und Olympiasieger in Thüringen. Deswegen ist es unmittelbar unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir hier schneller vorwärtskommen.
(Beifall Die Linke)
Ich komme zum Schluss. Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele wünscht auch die Linke allen Thüringer Teilnehmerinnen und Teilnehmern maximale Erfolge im fairen Wettstreit um die beste sportliche Leistung. Zugleich wünsche ich dem IOC, dass es die Kraft findet – wie schon bei den Juniorenwettkämpfen geschehen –, die Teilnahmesanktionen für die olympischen Wettkämpfe gegen Nationalmannschaften wie aktuell von Belarus und Russland schnellstmöglich zu korrigieren. Nur eine gleichberechtigte Teilnahme aller Sportnationen kann der Entstehungsgeschichte der olympischen Tradition im alten Griechenland mit ihrer institutionalisierten, friedensstiftenden Funktion erfolgreich Rechnung tragen. Vielen Dank.
