Jane Croll
c) auf Antrag der Fraktion der SPD zu dem Thema: „Beschäftigte stärken statt pauschal zu kritisieren: Ursachen steigender Krankheitstage in Thüringen in den Blick nehmen“
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich zu Beginn meiner Rede klar sagen: Ja, auch wir als CDU Thüringen sind der Auffassung, dass pauschale Vorwürfe gegenüber Beschäftigten fehl am Platz sind. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Thüringen leistet Tag für Tag hervorragende Arbeit, oft unter zunehmendem Druck. Aber trotzdem ist es wichtig, dass wir die Fakten offen ansprechen, analysieren und auch politisch gegensteuern. Debatten sollten nicht eindimensional geführt werden. Zur Wahrheit gehört, dass die Zahlen der Beschäftigten in Thüringen, die in den vergangenen Jahren krankgeschrieben waren, zwar leicht rückläufig sind, aber weiterhin auf einem hohen Niveau und deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dies zeigt: Die Fakten sind kein Randthema, sondern eine Entwicklung mit für uns alle spürbaren Folgen – in den Unternehmen, in der öffentlichen Verwaltung, in den sozialen Sicherungssystemen, besonders aber auch bei den Betroffenen selbst. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wer die Ursachen für steigende Fehlzeiten ernsthaft analysiert, kommt schnell zu dem Ergebnis: Es gibt nicht nur eine Erklärung. Wir sehen zunehmend psychische Erkrankungen, ausgelöst durch Arbeitsverdichtung, Personalmangel und wachsende Anforderungen. Wir sehen körperliche Belastungen in der Pflege, im Handwerk, in der Industrie. Und wir sehen die Folgen einer alternden Belegschaft. Es ist ein Teufelskreis: Weniger Personal führt zu mehr Belastung, mehr Belastung führt zu mehr Krankheit. Da müssen wir gemeinsam raus. Deshalb lehnen wir als CDU Thüringen einfache Schuldzuweisungen und pauschale Unterstellungen entschieden ab. Krankheit ist kein Zeichen von mangelndem Leistungswillen, sondern häufig ein Warnsignal für strukturelle Probleme. Wir setzen stark auf Prävention. Das bedeutet: bessere betriebliche Gesundheitsförderung, frühzeitige Unterstützung bei psychischen Erkrankungen und eine stärkere Verzahnung von Arbeitsmedizin, Betrieben und Krankenkassen. Zugleich sagen wir aber auch: Eigenverantwortung gehört zu unserem Sozialstaat. Wer arbeiten kann, soll arbeiten, und wer krank ist, soll die entsprechende Unterstützung bekommen. Das ist auch eine Frage von Solidarität. Wir als CDU-Fraktion messen den Arbeitgebern eine große und gewichtige Bedeutung dabei zu, die hohen Krankheitszahlen in Thüringen zu verringern – mit Motivation, mit gesunden Arbeitsbedingungen, mit Anreizen. Dies sollten wir gemeinsam in den Blick nehmen. Aber was auch zwingend dazugehört, ist eine aktive Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik: Qualifizierung, Weiterentwicklung, Fachkräftezuwanderung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für mich ist ein wichtiger Ansatzpunkt, die Resilienzförderung unserer Kinder schon in der frühkindlichen Bildung deutlich zu verstärken. Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zur telefonischen Krankschreibung sagen. Sie hat sich in den vergangenen Jahren als ein pragmatisches und patientenfreundliches Instrument erwiesen, insbesondere bei leichten Erkrankungen und in Zeiten hoher Infektzahlen. Sie machen durchschnittlich – es wurde schon gesagt – nur 0,9 Prozent aller Fälle von Krankschreibungen aus. Fällt sie weg, wird sich dies entsprechend niedrig auf die hohe Zahl der Krankheitstage auswirken. Man sieht also: Das Problem allein löst nicht die hohen Krankheitsfälle. Zusammenfassend ist festzustellen: Eine Reduzierung der Krankheitstage erreichen wir nicht durch Druck und Misstrauen, sondern durch kluge Politik, gesunde Arbeitsbedingungen und eine Kultur der Verantwortung. Für uns als CDU gilt dabei ein klarer Grundsatz: Gesunde Arbeit ist die Voraussetzung für einen starken Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist ein Arbeitsmarkt, der leistungsfähig bleibt, der Menschen nicht verschleißt und der den sozialen Zusammenhalt stärkt. Dafür steht die CDU heute, hier in Thüringen, auch in Zukunft. Wir arbeiten da tagtäglich mit den Ministern zusammen. Lassen Sie uns – es ist mir wichtig, das noch mal zu sagen – diese Debatte nicht eindimensional führen, denn wir haben hier eine gemeinsame Verantwortung. Danke für eure Aufmerksamkeit.
(Beifall CDU)
