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Anja Müller

Die Linke 05.12.2025 Sitzungen 8/31

Thüringens Tourismusstrategie neu ausrichten – Tourismus- und Landesmarketing aus einem Guss

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, an dieser Stelle möchte ich meinen solidarischen Genesungsgruß an meinen Kollegen Schubert senden, der uns bestimmt am Livestream zuhört und der Debatte folgt. Deswegen stehe nämlich auch ich zu diesem Thema hier. (Beifall Die Linke) Ich finde die Debatte total spannend und hätte mir gewünscht, gerade als Herr Bühl gesprochen hat, ihm ist es egal, wer den Thüringer Kloß an den Tisch bringt – ich glaube, die beste Tourismusstrategie ist, wenn wir uns als weltoffenes, tolerantes und solidarisches Thüringen präsentieren. Das ist dann einladend für alle. (Beifall Die Linke, SPD) Tourismus ist und bleibt auch 2025 ein Wachstumsmarkt, und zwar im deutlichen Unterschied zu vielen Bereichen des produzierenden Gewerbes. Er ist ein Wirtschaftssektor, der auch in Thüringen zuweilen unterschätzt wird, obwohl er großes Potenzial besitzt. Genau dieses Potenzial zu haben und zu aktivieren, das ist Aufgabe der neuen Tourismusstrategie. Deshalb formulieren wir heute auch klar unseren Anspruch: Wir wollen uns aktiv und konstruktiv an dem Prozess der Strategieerarbeitung im Wirtschaftsausschuss beteiligen. Freuen Sie sich! Wenn das immerhin die Botschaft des Koalitionsantrags gewesen sein soll, dann kann man das durchaus begrüßen. Beim Inhalt wird es dann wohl schwierig. Der Antrag der Koalitionsfraktionen ist oberflächlich und dünn. Er reiht leider in weiten Teilen Allgemeinplätze aneinander – ohne wirkliche Schwerpunktsetzung. Anstatt reihenweiser Prüfaufträge braucht es echte Aufgabenstellungen, damit die Herausforderungen im Tourismus und die teilweise existenzbedrohenden Probleme vieler Leistungserbringer nachhaltig bearbeitet werden können. Der Thüringen-Tourismus ist eine wichtige Branche, aber er ist kleinteilig strukturiert und zum Teil finanziell schwach ausgestattet. Für die starken gesellschaftlichen Veränderungen der kommenden Jahre ist die Branche derzeit nicht ausreichend gerüstet. Solange Tourismus eine freiwillige Aufgabe der Kommunen und Landkreise bleibt, fehlen Planungsund langfristige Finanzierungssicherheit. Was wir brauchen, ist eine intensive Analyse des Markts und der wichtigsten Trends, eine langfristige, zukunftsfähige Gestaltung der Tourismusfinanzierung und -förderung sowie ein klares Bewusstsein für eine gesellschaftliche Rolle des Tourismus. Hier wären Mittel deutlich besser investiert, als über Jahre eine neue Dachmarke zu entwickeln und sich mit Logos und Designfragen zu beschäftigen. Die neue Tourismusstrategie kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir künftig konsequent vom Gast, vom Reisenden, vom Mitarbeiter und vom Bürger aus denken – wenn wir also die gesamte Reise in den Blick nehmen. Ebenso müssen die Aufgaben und Zuständigkeiten nicht nur der Thüringer Tourismus GmbH, sondern auch der DMOs und weiterer Partner, darunter auch die Landesentwicklungsgesellschaft, klarer geregelt und mit verlässlichen Ansprechpartnern hinterlegt werden. Zudem werden Netzwerkarbeit und Wissensmanagement in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Auch das findet sich im Antrag kaum oder gar nicht wieder. Deshalb, meine Damen und Herren, bei aller Übereinstimmung im Ziel, die Rolle des Tourismus in und für Thüringen zu stärken, ist für die Linksfraktion zu diesem Antrag nur eine Enthaltung möglich. Das haben wir auch schon im Ausschuss gemacht. Deswegen war die Einbringung falsch, die Herr Henkel gehalten hat. Vielen Dank. (Beifall Die Linke)

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