Moritz Kalthoff
Thüringens Tourismusstrategie neu ausrichten – Tourismus- und Landesmarketing aus einem Guss
Der Antrag setzt hier die richtigen Schwerpunkte.
(Zwischenruf Abg. Schlösser, AfD: Professor
Wagner! Presse lesen!) Er stärkt die Destinationsmanagementorganisation, verknüpft Tourismuspolitik mit Regionalentwicklung im ländlichen Raum, Mobilität und Umwelt und rückt Modernisierung und Qualitätsverbesserung in den Mittelpunkt der Förderung, gerade für kleinere und mittlere Betriebe in der Fläche. Ein zentraler Baustein für Urlaub in Thüringen ist die Erreichbarkeit. Ohne gute Verbindungen kein zeitgemäßer Tourismus. Deshalb ist es richtig, die neue Strategie eng mit einem landesweiten Taktfahrplan, mit einem attraktiven ÖPNV-Angebot und mit Gästekarten-Modellen zu verknüpfen. Genauso richtig ist der klare Auftrag, die Thüringer Wanderwegekonzeption 2025 fortzuschreiben. Wandern ist ein Markenkern Thüringens. Wenn wir Wege, Beschilderungen, Infrastruktur, Naturschutz klug weiterentwickeln, sichern wir sowohl touristische Wertschöpfung als auch Lebensqualität für die Menschen vor Ort. Ein anderer Schwerpunkt ist Digitalisierung. Mit ThüCAT haben wir bereits eine gute Basis geschaffen. Der Antrag fordert, diese Struktur zu einer echten Plattform weiterzuentwickeln – mit durchgängigen Informationen zu Buchungsmöglichkeiten von der Anreise, über die Unterkunft bis zu Kultur- und Freizeitangeboten. Das entlastet Betriebe, erhöht die Sichtbarkeit und macht den Urlaub für die Gäste entspannter. Ein weiterer Schwerpunkt, der uns als SPD wichtig ist, ist die Barrierefreiheit. Wer in Thüringen Urlaub macht, soll sich darauf verlassen können, dass Angebote möglichst ohne Hürde nutzbar sind – vom Bahnhof und der Unterkunft bis hin zu möglichst vielen Kultur- und Naturerlebnissen mit touristischen Angeboten. Barrierefreiheit wird im Antrag ausdrücklich als Querschnittsthema verankert. Unsere Erwartung ist daher klar: Künftige Programme müssen das nicht nur erwähnen, sondern mitdenken und finanzieren. Und wir sprechen einen Punkt offen an, der in allen Gesprächen mit der Branche auftaucht: den Fachkräftemangel. Viele Gastgeberinnen und Gastgeber fragen sich längst nicht mehr, wie sie ihr Haus füllen, sondern wer es künftig überhaupt noch bewirtschaften soll. In einer DEHOGA-Ausbildungsklasse stammen heute fast 70 Prozent der Auszubildenden aus Familien mit Einwanderungsgeschichte. Nach manchen Beiträgen aus der AfD-Fraktion im Plenum und Wirtschaftsausschuss stellt sich ernsthaft die Frage, ob diese jungen Leute in Thüringen überhaupt eine Zukunft haben, falls diese Partei einmal Verantwortung tragen sollte. Dazu sagen wir als SPD-Fraktion glasklar: Wer im Thüringer Tourismus lernt, arbeitet und Verantwortung übernimmt, ist hier willkommen – unabhängig davon, ob seine Familie aus Schmalkalden, Damaskus, Hanoi oder Warschau stammt.
(Beifall BSW, SPD)
Unser Tourismus braucht diese Menschen. Vielfalt ist kein Risiko, sondern eine seiner größten Stärken. Und ja, es ist aus unserer Sicht ausdrücklich zu begrüßen, wenn Thüringer Klöße nicht nur von hier Geborenen serviert werden, sondern von Teams, in denen unterschiedliche Sprachen und Lebenswege zusammenkommen. Wer Thüringen als abgeschottete Puppenstube bezeichnet, schadet der Branche. Wir wollen ein Land, in dem Gäste aus aller Welt willkommen sind und in dem die Menschen, die ihnen hier Urlaub ermöglichen, Anerkennung und Perspektiven haben. Sehr geehrte Damen und Herren, mit der heutigen Entscheidung geben wir der Landesregierung einen klaren Auftrag, eine neue Tourismusstrategie für Thüringen zu erarbeiten, die mit dem Landesmarketing aus einem Guss arbeitet, die DMO stärkt und verlässlich finanziert, Qualität, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit ins Zentrum stellt, die Wanderwegekonzeption vorschreibt und auf eine offene zukunftsfähige Fachkräftestrategie setzt. Als SPDFraktion werden wir diesen Prozess konstruktiv begleiten – im Ausschuss, im Gespräch mit den Regionen und gemeinsam mit unseren Koalitionspartnern. Thüringen soll eine weltoffene Destination sein, in der Menschen gern Urlaub machen und gern in der Tourismusbranche arbeiten. Wir stimmen dem Antrag zu. Vielen Dank.
(Beifall BSW, SPD)
