Tilo Kummer
Frage des Abgeordneten zog (BSW) Her
Vielen Dank für die Frage. Thüringen hat ja im Moment den Vorsitz der IWO, also des Wasserstoffnetzwerkes der ostdeutschen Länder. Weil das so ein wichtiges Thema für uns ist, sind wir in diesem Wasserstoffnetzwerk. Deshalb haben sich auch die Ostländer zusammengetan. Wir sind hier aktuell noch in einer Situation, in der wir die Chance haben, durchaus bei bestimmten Themen Weltmarktführer zu werden. Das hatten wir in Ostdeutschland schon mal bei der Photovoltaik, wo es dann leider – aus meiner Sicht auch durch das Agieren des Bundes – nicht gelungen ist, diesen Stand zu halten, und wo die Hoffnungen, die man in diese Industrie gesetzt hat, dann leider zerbrochen sind. Beim Wasserstoff sollte uns das nicht passieren und auch bei den von Ihnen angesprochenen Zukunftsfeldern, die damit verknüpft sind. Wir haben allerdings aktuell ein paar Schwierigkeiten. Da ist die Frage, wie wir am Ende zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen kommen. Ich war neulich in Freiberg in Sachsen, wo man sich sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man mithilfe von Wasserstoff Methanol herstellt, zum Beispiel anschließend daraus noch die Kerosinproduktion mit ableitet. Da gibt es durch geniale ostdeutsche Ingenieure wirklich hervorragende wissenschaftliche Vorarbeiten, die uns in die Lage versetzen, viel auf den Weg zu bringen. Trotzdem muss es am Ende im Wettbewerb mithalten können. Wir sind bei den aktuellen Wasserstoffpreisen – wenn ich von Wasserstoff rede, der durch erneuerbare Energien erzeugt wird – sehr weit von den aktuellen Erdgaspreisen entfernt. Das muss man einmal zur Kenntnis nehmen. Deshalb spielen Wirkungsgrade in der Geschichte eine ganz wichtige Rolle und es spielt auch immer noch eine Rolle, was ich mit einer Abwärme mache, die im Prozess entsteht. Kann ich die nutzen? Deshalb sage ich: Wir müssen die Themen einfach zusammendenken. Da haben wir durchaus viele Möglichkeiten. Wir haben in Thüringen, in Arnstadt, thyssenkrupp nucera, die Elektrolyse-Stacks bauen. Die wollen demnächst mit großen Hochtemperaturelektrolyseuren an den Markt gehen, um damit mit einem Wirkungsgrad von etwa 80 Prozent Wasserstoff herzustellen. Wenn wir jetzt wieder bei den 7 Cent Windstromkosten sind – wie gesagt, diese Elektrolyseure lassen sich entsprechend hoch- und runterfahren, die muss ich nicht kontinuierlich betreiben. Wichtig ist beim Hochtemperaturelektrolyseur nur, dass ich jederzeit Wasserstoff zur Verfügung habe, wenn ich es hochfahre. Also es muss irgendwo an eine Wärmequelle angebunden sein. Dann kann ich einen Wasserstoff zu 7 Cent Windstrompreis generieren, den ich einkaufe, dann ist der Wirkungsgrad 80 Prozent, also bin ich dann vielleicht bei 9 Cent. Dann kommen noch die Anlagenkosten mit dazu. Je mehr Anlagen verkauft werden, desto günstiger wird das am Ende. Also man geht davon aus, dass man in der nächsten Zeit eventuell bei 16 Cent pro Kilowattstunde Wasserstoff landen könnte. Wenn man jetzt sieht, der Liter Diesel hat 10 Kilowattstunden, dann wäre ich also bei einem Dieseläquivalent von 1,60. Und dann schauen Sie mal bei den Tanksäulen. Das ist eine Geschichte, die könnte beim weiteren Anstieg der CO -Bepreisung tatsächlich 2 demnächst in eine Wettbewerbsfähigkeit kommen, wobei die Wettbewerbsfähigkeit natürlich künstlich durch die CO -Bepreisung hergestellt ist. Das muss 2 man auch dazusagen. Im Bereich Methanol: Wenn ich da noch mal einen zusätzlichen Veredelungsgrad dahintersetze, habe ich noch mal Wirkungsgradverluste. Das muss man immer mitrechnen. Bei Kerosin wäre es ähnlich. Dementsprechend ist dann die Frage: Was mache ich mit der anfallenden Wärme in dem Prozess, kann ich die irgendwie nutzen, um dann am Ende auch vernünftige Gesamtentstehungskosten zu bekommen? Deshalb ist es wichtig, dass wir die Forschung hier weiterbetreiben, dass wir sehen, wo wir Anwendungsbereiche finden, wo wir zuerst in die Rentierlichkeit kommen, um das System hochzufahren und dann am Ende durch eine häufige Anwendung auch günstigere Preise zu erzielen.
