Christian Tischner
Frage der Abgeordneten ße-Röthig (Die Linke) Gro
Eine schöne Frage, die mir noch mal die Möglichkeit gibt, vielleicht kurz über unser Schulsystem Ausführungen zu machen. Erster Satz: Die Landesregierung hat sich für einen Thüringer Schulfrieden entschieden. Dieser Schulfrieden sagt nicht mehr und nicht weniger, als wir alle Schularten in Thüringen fördern, unterstützen, erhalten wollen, gleicher Art und mit gleichen Maßnahmen. Das ist ein erheblicher Richtungswechsel zu dem, was die alte Landesregierung vorgenommen hat, die sich vorgenommen hatte, die Förderschulen abzuschaffen und auch hinter unsere Regelschulen als das Herzstück unseres Thüringer Schulsystems ein Fragezeichen zu setzen. Diesen Weg gehen wir nicht. Wir gehen explizit den Weg der Gemeinsamkeit. Die Thüringer Gemeinschaftsschulen, die in den 1990er-Jahren von meinen Amtsvorgängern auf den Weg gebracht wurden, insbesondere von Dieter Althaus, aber auch von Michael Krapp und Herrn Goebel, haben sich hervorragend entwickelt. Aber Sie wissen, die Thüringer Gemeinschaftsschulen sind sehr heterogen. Deswegen hatten wir im Frühjahr gemeinsam eine sehr intensive Debatte über die pädagogischen Profile, wie die Thüringer Gemeinschaftsschulen arbeiten wollen. In der Vielfalt liegt auch hier die Qualität. Wir haben die Möglichkeit gegeben, dass die Thüringer Gemeinschaftsschulen beispielsweise bei der Frage der Schulordnung – Sie kennen das Thema – selbst entscheiden können, ob Sie das Thema „Sitzenbleiben und Sozialnoten“ – manche sagen auch „Kopfnoten“ – wieder einführen wollen. Das Bild ist unterschiedlich. Demnächst werden wir im Parlament auch mal berichten, aber eher so, dass die Schulen den Weg gehen wollen, den die Landesregierung vorgeschlagen hat. Die Thüringer Gemeinschaftsschulen wie natürlich auch Regelschule, Gymnasium, Förderschule, Berufsschule und unsere Grundschulen, die manchmal auch in der Gemeinschaftsschule aufgegangen sind, leisten eine breite, große pädagogische Arbeit. Ich sehe einen großen Vorteil in den Gemeinschaftsschulen darin, dass jede Schule über ein pädagogisches Konzept verfügt. Das wäre ein Wunsch, den ich jeder Schule antragen würde. Aber ich weiß um die Situation im Land, wie belastet auch manche Schulkollegien sind. Deswegen ist es der falsche Weg, jetzt mit der Brechstange von allen Schulen zu verlangen: Schreibt ein Schulkonzept. Aber Qualitätsentwicklung – ich habe es vorhin schon mal eingangs in meinem Statement beschrieben – ist uns neben der Bekämpfung des Unterrichtsausfalls ein großes Anliegen. Man kann, wenn man darauf schaut, wie Gemeinschaftsschulen arbeiten, manches vielleicht durchaus für das gesamte Schulsystem übernehmen. Ich finde, diese Unterscheidung zu machen, nur Gemeinschaftsschulen – manchmal sind es ja auch freie Schulen – sind innovativ unterwegs … Ich kenne beispielsweise eine Regelschule in Bad Köstritz, die so was von innovativ unterwegs ist und die Vorbild für Schulentwicklung sein kann. Für mich als Minister ist es wichtig, in der Schulordnung noch mehr die Möglichkeiten zu eröffnen, vielleicht auch ein bisschen mehr die Verbindlichkeit, dass man sich auf den Weg zur Schulentwicklung macht. Denn – das wissen wir alle – die Schülergenerationen, die wir heute in unseren Schulen haben, sind anders, als das meine Generation war oder andere Generationen, die hier auch noch im Haus sitzen. Das geht immer weiter. Deswegen brauchen wir einen Unterricht, der darauf orientiert. Letzter Punkt: Ich weiß, Sie haben die gemeinsame Verbindung wie ich auch sehr eng und immer einen guten Blick auf die Jenaplanschule in Weimar, die erst kürzlich den Bundespreis, den Deutschen Schulpreis, gewonnen hat. Dort wird hervorragende Arbeit geleistet, aber die haben auch wunderbare, optimale Bedingungen. Die Stadt Weimar, der Schulträger, hat sich auf den Weg gemacht, dort ein Schulhaus hinzustellen, das zum pädagogischen Konzept passt. Das sind Traumzustände. Wenn wir da für alle Schulen hinkommen würden, dann, glaube ich, wäre uns um unsere zukünftige Bildung nicht mehr bange. Aber, wie gesagt, liebes Parlament, lassen Sie uns nicht die Schularten untereinander ausspielen, sondern lassen Sie uns die Schulen gemeinsam ermutigen, mit Unterstützung des Ministeriums, mit Unterstützung der Schulträger, aber vor allem natürlich gelebt von der Basis her, sich auf den Weg einer modernen Schulentwicklung zu machen.
