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Tilo Kummer

29.10.2025 Sitzungen 8/27

Frage des Abgeordneten Dr. Dietrich (AfD)

Herr Dietrich, wir sind Landesgesetzgeber. Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir es da nicht einfach haben. Deshalb dauert dieses Gesetz auch eine ganze Weile, weil wir im Prinzip Gesetzgebung mit gefesselten Händen und Füßen machen, weil Bundesrecht und EU-Recht die wesentlichen Vorgaben machen. Wir müssen also schauen, welche Gestaltungsmöglichkeiten wir haben. Fakt ist, dass wir nach der aktuellen Rechtslage und auch vor dem Hintergrund, dass niemand die Klimaziele der Europäischen Union und des Bundes ernsthaft infrage stellt – außer Ihre Partei –, als klaren Zukunftsfokus haben, wie Energieversorgung aussehen wird. Da sind die Lastesel der Energieversorgung am Ende Windkraft und PV mit Strompreisen, die wir aktuell dort im Bereich von 6 bis 7 Cent pro Kilowattstunde generieren, die in den aktuellen Ausschreibungsergebnissen nach dem EEG liegen. Wenn ich diese 6, 7 Cent sehe, dann wäre das für die meisten Haushaltskunden ein ausgesprochen günstiger Strompreis. Aber Fakt ist: Das sind Energien, die nicht jederzeit zur Verfügung stehen. Ich brauche also einen Ausgleich und ich brauche am Ende – dadurch, dass ich viele externe Erzeuger statt wenige Kraftwerke habe, wie in der Vergangenheit – auch einen Netzausbau. Das alles muss vom Strompreis mit abgedeckt werden. Wir schauen jetzt, wie wir planungstechnisch versuchen, Erzeugung und Verbrauch näher zusammenzubringen, um Netzkosten damit zu reduzieren, wie wir systemdienliche Infrastrukturen, Speicher wesentlich begünstigen, um auch damit Netzausbau zu reduzieren. Ich nehme bloß mal das Beispiel Power-to-Heat-Anlage, die jetzt von den Stadtwerken Erfurt eingeweiht wurde – im Übrigen finanziert durch 50Hertz –, weil man damit auch das Netz entlasten kann, weil die Stadtwerke Erfurt ihr BHKW runterfahren, wenn Überschussstrom im Netz ist, und gleichzeitig die Power-to-Heat-Anlage anfahren. Das sind 20 Megawatt bei Erfurt, bloß mal so als Beispiel. Das heißt: 20 Megawatt gehen vom Netz, 20 Megawatt gehen in die Powerto-Heat-Anlage, sodass insgesamt eine Netzentlastung um 40 Megawatt erfolgt. Mit solchen Instrumenten kann ich also perspektivisch dann das System auch mit relativ wenig Investitionskosten und einem hohen Wirkungsgrad ausmodellieren. Dazu kommt eine Reihe von Batteriespeichern. Wir sind in Thüringen Pumpspeicherland. Wir haben also in der Hinsicht durchaus auch einige Vorteile gegenüber anderen Ländern. Eine ganz wichtige Rolle sollte in dem neuen Energiesystem die Frage des Erdgases spielen. Preiswertes Erdgas war dort immer als die Technologie vorgesehen, um die Dunkelflaute zu überbrücken – ich sage mal: die 14 Tage im November, wo weder ausreichend Windenergie noch Solarenergie zur Verfügung stehen. Das ist uns durch die aktuelle politische Situation abhandengekommen. Da müssen wir jetzt schauen, wie wir halbwegs den Ausgleich hinbekommen. Wie kriegen wir künftig erst mal wieder preiswertes Erdgas zur Verfügung für die entsprechenden Aufgaben? Und wie können wir künftig preiswert speichern, um dann Gaskraftwerke, die zum Beispiel auch wasserstofftauglich sind, für dieses Schließen der entsprechenden Angebotslücke zu nehmen? In Thüringen haben wir auch noch einen anderen Vorteil. Wir sind ein Land, das auch sehr viel Biomasse zur Verfügung hat. Und das ist für mich zum Beispiel durchaus ein wichtiges Thema, auch gerade bei der kommunalen Wärmeplanung, all diese Dinge zusammenzudenken. ThüringenForst ist vorhin angesprochen worden. Ein wesentliches Instrument der Ermöglichung für die AöR, Energie zu erzeugen, soll aus meiner Sicht auch die Chance sein, Blockheizkraftwerke oder Heizwerke auf Holzhackschnitzelbasis zu betreiben. Das, was wir auf 150.000 Hektar Schadfläche, die wir aktuell haben, in den nächsten Jahren erleben werden, ist ein Aufwuchs junger Bäume, die eine größere Artenvielfalt haben werden, die also unterschiedliche Qualitäten haben, auch gerade, was die Frage der Holzqualität angeht. Die stofflich zu verwerten, ist schwierig. Sie energetisch zu verwerten, ist relativ einfach. Und wir müssen sehen, wie wir die Themen zusammenführen und dementsprechend ein sinnvolles System aufbauen, in dem möglichst viel Wertschöpfung in Thüringen im Bereich dieser erneuerbaren Energien erfolgt und mit einer dann auch möglichst sicheren Versorgung. Zu der Frage „Ist das schon eine Antwort für die energieintensive Industrie?“ haben wir noch einiges vor uns, denn die energieintensive Industrie steht in Konkurrenz mit Unternehmen in den USA, wo die Kilowattstunde Strom wesentlich weniger kostet, als in Europa möglich ist. Das sind Themen, da werden wir aus meiner Sicht große Schwierigkeiten haben, hinzukommen. Mit Thüringer Regelungsmöglichkeiten geht das definitiv nicht.

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