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Carolin Gerbothe

CDU 11.09.2025 Sitzungen 8/23

Maßnahmenkatalog für den inneren Schulfrieden – Lehrern den Rücken stärken, Tätern die Bühne nehmen, Schulen zu Schutzorten machen

Sehr geehrte Landtagspräsidentin, werte Abgeordnete, sehr geehrte Gäste auf der Tribüne und am Livestream, wir debattieren heute einen Antrag, der das Thema „Gewalt und Mobbing an Schulen“ aufgreift. Ich sage gleich zu Beginn: Dieses Thema ist wichtig. Das haben Sie sicherlich gestern in meinen Ausführungen gemerkt, dass mir auch dieses Thema etwas bedeutet, denn es ist ernst und es verdient eine sorgfältige Debatte. Die Zahlen sind alarmierend, sie wurden eben eingangs schon kurz erwähnt. Ich spreche hier nicht von Einzelfällen, Herr Jankowski. Sie haben auf die Erhebung des Lehrerverbands hingewiesen. Deswegen mache ich das jetzt nicht noch mal. Aber, Herr Jankowski, die Frage ist doch: Wie begegnen wir diesem Problem verantwortungsvoll, nachhaltig und ohne neue Ungerechtigkeiten zu schaffen? Genau hier offenbart sich meiner Meinung nach die Schwäche des vorliegenden Antrags. Er bedenkt ein echtes Problem, liefert aber keine Lösungen, die unseren Schulen tatsächlich helfen. Stattdessen setzt er auf Misstrauen, Ausgrenzung und Bürokratie, die wir doch alle abbauen wollen. (Beifall CDU, BSW) Schauen wir doch etwas genauer hin. Die Erfassung von Herkunft und vermeintlicher Deutschfeindlichkeit in Statistiken ist nicht nur rechtlich durchaus fragwürdig, sie ist auch pädagogisch kontraproduktiv. Wir als CDU-Fraktion sagen ganz klar: Schulen müssen Lern- und vor allen Dingen auch Schutzort sein, aber sie dürfen nicht zu einem Ort werden, an dem Kinder und Jugendliche nach Herkunft oder Zuschreibungen sortiert und stigmatisiert werden. (Beifall CDU) Das hilft niemandem, weder Lehrkräften noch den betroffenen Eltern und Kindern. (Beifall SPD) Die geforderte Trennung von Schülerinnen und Schülern ohne ausreichende Sprachkenntnisse oder mit auffälligem Verhalten geht am Kern der Sache vorbei. Ja, Sprachförderung ist wichtig, das sehe ich definitiv ein. Deshalb setzen wir uns als CDU-Fraktion für verbindliche Sprachstandserhebungen, frühe Förderung und gezielte Unterstützung gerade auch im Vorschulalter ein. (Beifall CDU) Integration kann aber eben nur dann gelingen, wenn diese Kinder ein Teil der Gemeinschaft sind und wir nicht durch Ausgrenzung eine Parallelwelt schaffen. Und noch ein Punkt, der die Schwäche des Antrags offenbart: Sie fordern, dass Lehrkräfte frühzeitig zu Ordnungsmaßnahmen greifen sollen, noch bevor pädagogische Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Wir alle wissen, Lehrkräfte brauchen Rückhalt und klare Regeln. Das ist richtig, aber sie brauchen eben auch die Freiheit, und diese Freiheit möchte ich auch selbst als Lehrkraft haben, die regelmäßig vor einer Klasse steht, flexibel zu reagieren und eine richtige Balance zu finden, denn jeder Schüler ist im Endeffekt individuell. Wenn wir den Ermessensspielraum der Lehrer einengen, schaden wir der Professionalität und schwächen genau diejenigen, die wir doch eigentlich stärken wollen, unsere Lehrerinnen und Lehrer im Freistaat. Für uns als CDU-Fraktion steht fest: Wir wollen Lehrerinnen und Lehrer wirklich unterstützen, indem wir Bürokratie abbauen, indem wir Schulsozialarbeit und Schulpsychologie flächendeckend stärken, indem wir sicherstellen, dass Gewaltvorfälle konsequent aufgearbeitet werden, denn das ist wirklich ein entscheidender Punkt. Wir setzen dabei auf Prävention, klare Wertevermittlung und Integration, und nicht auf gezielte Spaltung. Und eines möchte ich hier auch sagen, das habe ich gestern auch angemerkt: Eltern müssen unbedingt stärker mit eingebunden werden. Erziehung ist nicht nur die Aufgabe von Schulen, von Lehrerinnen und Lehrern, sondern vor allen Dingen von Elternhäusern. Deswegen treten wir für eine enge Zusammenarbeit von Schule, Eltern und außerschulischen Partnern ein. Nur so schaffen wir eine Kultur des Respekts und der Verantwortung, die Gewalt vorbeugt. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel ist es, dass Kinder in Thüringen sicher lernen und sich frei entfalten können, unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund. Gewalt darf definitiv keinen Platz haben, egal ob auf dem Schulhof, auf dem Schulflur oder im Klassenzimmer. Unsere Antwort darauf darf aber nicht Ausgrenzung sein. Der AfDAntrag greif daher zu kurz. Er verkennt die Komplexität der Ursachen und er gefährdet den Grundsatz der Chancengleichheit. Für uns steht ein anderer Weg im Vordergrund, nämlich starke Lehrer, klare Regeln, gezielte Sprachförderung und verlässliche Präventionsarbeit. Für uns sind Schulen Orte des Miteinanders und nicht der Trennung. Deshalb werden wir diesen Antrag folgerichtig ablehnen. Herzlichen Dank. (Beifall CDU, BSW, SPD)

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