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Steffen Quasebarth

BSW 11.09.2025 Sitzungen 8/23

Das gesellschaftliche Miteinander in Thüringen stärken – den Beitrag von Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement für 35 Jahre Deutsche Einheit würdigen

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer, liebe Besucherinnen und Besucher auf der Tribüne! Sehr geehrter Herr Abgeordnetenkollege Hey, ich habe nicht die Größe und auch nicht die Erfahrung, meine Rede einfach wegzulegen. Deswegen erlauben Sie mir, dass ich meine mitgebracht habe. Aber ich würde gern einstimmen in die persönlichen Erfahrungen zum Thema „Ehrenamt“, weil ich glaube, das ist ein bisschen wie das Salz in der Suppe und macht es auch für unsere Besucherinnen und Besucher auf der Tribüne etwas abwechslungsreicher. Ich kann über das Steuerrechtliche eines Vereins, also die Probleme, die man bekommen kann in einem Verein, durchaus auch referieren, weil ich selber einmal der Vereinsvorsitzende des Vereins für gewaltfreie Kommunikation in Thüringen war. Und in dieser Rolle und Funktion hatten wir auch die eine oder andere monetäre Bewegung zu bewältigen. Das hat tatsächlich sehr schnell sehr viele Ordner gefüllt. Ich hoffe, dass unser Antrag dazu beiträgt, dass das in Zukunft etwas weniger wird. (Beifall BSW) Aber ich möchte eigentlich etwas anderes tun in der mir zur Verfügung stehenden Zeit. 13 Minuten, mein Gott, Wahnsinn, bin ich gar nicht gewohnt, sonst muss das hier in 5 Minuten gehen. Ich habe Sie ja gestern eingeladen, in Erinnerungen zu schwelgen. Sie erinnern sich vielleicht, als es um Social Media ging. Heute möchte ich Sie dazu einladen, mit mir eine kleine Zukunftsreise zu unternehmen, zum Thema „Ehrenamt“. Ich möchte Sie einladen, mit mir in eine typische Thüringer Kleinstadt mitzukommen. Also typisch ist sie, aber wenn wir durch diese Kleinstadt wandeln, dann fällt Ihnen gleich auf, wenn ich sie beschreibe, dass da irgendetwas fehlt. Die Sportplätze beispielsweise sind merkwürdig zugewachsen. Da wächst also sehr viel mehr Gras auf den Spielflächen, als sein sollte. Die Bäume sind auch lange nicht geschnitten worden. Der Marktplatz verdient eigentlich mehr oder weniger den Ausdruck „verwahrlost“. Spielende Kinder sind auf den Straßen nicht zu sehen, auf den Sportplätzen nicht und auch sonst wenig im Stadtbild, denn die hocken zu Hause allein vor ihrem Bildschirm und daddeln. Die Gärten in dieser Kleinstadt, in denen früher Nachbarschaft gelebt wurde, sind verlassen und wildern so langsam vor sich hin. Und mit den Kleingärtnern ist auch dieser typische schöne Thüringer Laubenpiepergeist auf und davon. Im Klubhaus unserer Kleinstadt singt kein Chor mehr, auf dem Fußballplatz rollt kein Ball, dafür ist der Rasen auch zu hoch. Und die Senioren im Ort fühlen sich mehr und mehr einsam. Sicher, könnte man jetzt sagen, das ist ein sehr dystopisches Bild, aber ich habe es gezeichnet, um uns allen hier im Saal klar zu zeigen, was auf dem Spiel steht, wenn wir ehrenamtliches Engagement nicht schützen, wie wir es tun. Es geht eben hier nicht um ein paar billige Freizeitangebote. Es geht hier um nicht weniger als um das Fundament unseres gesamtgesellschaftlichen Miteinanders. (Beifall CDU, BSW) Unser schönes Thüringen ist zum Glück nicht diese Stadt, die ich eben beschrieben habe, in die ich Sie mitgenommen habe. Zum Glück weben in Thüringen über 750.000 Menschen täglich das unsichtbare Netz unserer Gesellschaft: kleine Sportvereine, die sonntags Kinder aufs Spielfeld begleiten, die SommerKomödie hier in Erfurt, die Tanz, Theater und Humor vereinen, die freiwillige Feuerwehr, die in der Nacht ausrückt, weil Menschen Hilfe brauchen. Ehrenamt ist gelebte Gemeinschaft der Demokratie. Als erstes deutsches Bundesland – und ich bin stolz, das an dieser Stelle betonen zu dürfen – fördern wir unsere Zivilgesellschaft jährlich mit 15 Millionen Euro. Wir unterstützen und wir ersetzen nicht. Wer von staatlich finanzierter Zivilgesellschaft spricht, sehr geehrte Abgeordnete von der AfD, der missversteht den Kern unseres Auftrags. Herr Abgeordneter Benninghaus, ich denke, ich muss Ihnen nicht wirklich erklären, was Zivilgesellschaft ist. Auch wenn Sie diese Frage gestellt haben, ich gehe davon aus, es war eine rhetorisch gemeinte Frage. Zivilgesellschaft sind in meiner Vorstellung wir alle, tatsächlich alle, die hier leben und die sich einbringen, alle, mit Ausnahme derer, die für den Staat arbeiten und derer, die privatwirtschaftlich unterwegs sind, aber ansonsten sind das tatsächlich alle. Sie sehen, ich spanne den Bogen besonders weit und bewusst weit, um niemanden auszuschließen, weil ich festgestellt habe, Ausschluss bringt uns nicht weiter in der Gesellschaft. (Beifall CDU, BSW) Ehrenamtliches Engagement kommt eben von unten, kommt von den Menschen. Der Staat stellt bestenfalls die Bühne, er schafft die Rahmenbedingungen, aber stellt nicht die Schauspieler. Da stimme ich jetzt wiederum Frau Mitteldorf zu. Sie haben recht, wir müssen gerade im kulturellen Bereich des Ehrenamts aufpassen, dass wir Ehrenamt nicht mit den Menschen vermischen, die Anspruch auf gutes Geld für gute Arbeit haben. Wir kommen ja auch nicht auf die Idee, die Musikerinnen und Musiker der diversen Thüringer Staatsorchester ehrenamtlich zu beschäftigen, sondern die bekommen aus guten Gründen ein gutes Honorar für ihre Arbeit. Aber zurück zu unserem Antrag: Unser Antrag leistet viel. Dennoch müssen wir dranbleiben und die konkreten Bedürfnisse der Menschen in den Blick nehmen. Das ist unser Auftrag als Abgeordnete, als Dienstleister der Menschen hier in unserem Land. Konkret heißt das: Bürokratie abbauen. Herr Hey hat darauf hingewiesen, wie wichtig das ist, da weiter dranzubleiben und dadurch auch noch weiter zu verbessern. Bürokratie abbauen, damit kleine Vereine nicht in Antragsformularen ersticken. Die Ehrenamtler in allen Landkreisen unterstützen und mithelfen, dass ihre Arbeit finanziell da unterstützt wird, wo es nötig und möglich ist, nicht nur projektbasiert, sondern und das ist mir besonders wichtig, verlässlich über Legislaturperioden hinweg. Eine Perspektive kann das Demokratiefördergesetz sein, dass wir als Koalition auf den Weg bringen wollen. Ehrenamt ist gelebte Gemeinschaft. Es ist die Form, in der wir Verantwortung füreinander sichtbar machen. Es ist eine moralische Infrastruktur. Ehrenamt ist Vertrauen, und zwar solches, das wir nicht mit Geld kaufen können, dafür aber mit Respekt. Wenn Demokratie ein Haus ist, dann sind die Ehrenamtlichen diejenigen, die die Blumen gießen, die Fenster putzen, die Räume mit dem Licht ihrer vielfältigen Charaktere fluten, ganz ohne große Scheinwerfer, oft manchmal nur mit einer ganz kleinen Kerze, aber dafür mit der Entschlossenheit, dass dieses Haus, unser Haus, lebenswert bleibt. Darum an dieser Stelle unser Dank an all die vielen Menschen, die jeden Tag für unser Land einstehen. Mit unserem Antrag möchten wir diese Dankbarkeit in die Alltagspraxis unseres Hohen Hauses setzen. Meine Damen und Herren, ich habe Sie vorhin in unsere Thüringer Kleinstadt mitgenommen. Lassen Sie mich damit enden. Es gibt zwei Arten, so eine Kleinstadt zu schützen: Wir können Mauern bauen, wir können aber auch Wege pflastern. Wir bauen mit unserem Antrag keine Mauern, sondern wir legen um das Ehrenamt herum Steine. Damit jeder, der sich einsetzen möchte, auf diesem Pflaster gehen kann, denn am Ende ist das Ehrenamt nicht das, was man bezahlt, es ist das, was man teilt. Darauf legen wir Wert als BSW. Lassen Sie mich das abschließend noch sagen: Ehrenamt ist das stärkste Fundament unseres gesellschaftlichen Friedens. Vielen Dank. (Beifall CDU, BSW, SPD)

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