Martin Henkel
Willkommen Zuhause – vereinfachte Zulassung für reimportierte Simson-Mopeds
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Vorsitzender, ich freue mich ja über die Emotionalität, mit der heute hier über das wirklich schöne Thema „Simson“ diskutiert wird. Ich glaube, das geht jedem Thüringer so. Jeder hat irgendwo eine Simson gehabt
(Zwischenruf Wolf, Finanzministerin: Ich ha-
be sie noch!) und deshalb ist es auch klar, dass man Emotionen hier mit reinbringt. Was ich aber ein Stück weit vermisse, ist auch die Selbstverständlichkeit, die dazugehörte, ein Moped zu haben, und die Notwendigkeit gerade für Menschen im ländlichen Raum, denn ohne Moped war man aufgeschmissen im ländlichen Raum.
(Beifall CDU)
Auch heute ist das noch ein Thema. Deshalb ist es so, dass junge Leute im ländlichen Raum auch noch Moped fahren. Und natürlich ist es so, dass damit auch die Emotionen verbunden sind. Es ist auch völlig normal, wenn ich als junger Mensch das erste Mal zur Freundin fahre, wenn ich zum Baggersee fahre, wenn ich bei plus 30 Grad irgendwo unterwegs bin und das Ding stottert und ich muss es aufschrauben, ich muss den Vergaser wechseln, dasselbe aber auch bei minus 15 Grad – das war nämlich meine Erfahrung. Ich bin mit dem Moped jeden Tag drei Jahre lang zur Ausbildung gefahren, 15 Kilometer weit, egal wie heiß und wie warm. Und ich hatte es drauf, innerhalb von knapp 10 Minuten den Vergaser sauber zu machen, weil der regelmäßig gestottert hatte. Das war eine normale Realität gewesen.
(Beifall CDU)
Das sind doch die Emotionen, die man damit hat. Auch die Kinder, wenn ich heute meine Söhne sehe: Natürlich regt es mich auf, wenn ich abends im Bett liege und nachts um 2.00 Uhr kommt dann das Moped reingefahren und alle Mann sind wach, weil es dort knarrt. Und wenn ich auf die Terrasse gucke und man hat es draußen stehen gelassen und da sind Ölflecken drauf, dann sagt der Papa: Auch nicht ganz toll. Aber das gehört eben dazu. Wir waren ja kein Stück besser gewesen. Das ist einfach so das Gefühl, das man als junger Mensch hat, und deshalb ist es auch völlig normal, dass heute emotional hierrüber diskutiert wird. Nur – das will ich mal an die Kollegen der AfD sagen –, wenn man uns als CDU jetzt vorwirft, dass wir auf das Thema aufgesprungen sind, das ist wirklich schäbig. Also ich glaube, jeder von uns, wie wir hier alle sitzen, wir sind alle Moped gefahren. Unsere Kinder fahren alle Moped oder Schwalbe, was auch immer. Und das Thema, das wir heute angehen mit unserem Antrag, ist einfach die rationale Tatsache, dass wir eine Rechtsunsicherheit haben, wenn Fahrzeuge, die ins Ausland exportiert wurden, heute wieder importiert werden. Das wollen wir anpassen, damit wir mehr Mopeds auf die Straße bekommen, damit unsere Jugendlichen das Lebensgefühl haben, was wir hatten. In diesem Sinne, muss ich sagen, freue ich mich über die Unterstützung, die von vielen signalisiert wurde. Und noch mal die ganz klare Aussage Richtung AfD: Das ist keine gute Manier, was Sie hier an den Tag legen. Jeder von uns hier ist Moped gefahren. Unsere Kinder fahren Moped.
(Beifall CDU, BSW)
Bei Ihnen gibt es Leute, die haben noch niemals in der DDR gelebt. Die haben kein Moped gehabt und setzen sich heute aufs Moped. Also wenn man jemandem den Vorwurf machen kann, das Moped zu instrumentalisieren, dann geht das in Ihre Richtung. Ich freue mich, dass es heute eine vernünftige Entscheidung geben wird für unsere Jugendlichen, für unsere Kinder. Lassen Sie uns so weitermachen. Ganz herzlichen Dank.
(Beifall CDU, BSW, SPD)
