Moritz Kalthoff
Willkommen Zuhause – vereinfachte Zulassung für reimportierte Simson-Mopeds
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Tribüne und am Livestream, wenn wir über Thüringen und Industriegeschichte sprechen, dann denken viele zuerst an Zeiss und Schott in Jena, an Opel in Eisenach, aber auch ganz sicher an Simson in Suhl. Diese Marken stehen für die Innovationskraft unseres Landes, für Fleiß, für handwerkliches Können und für Zukunft. Simson, das ist mehr als Moped. Es ist für viele ein Stück Jugend, Heimat, ein Stück Freiheit. Aber, meine Damen und Herren – und da war ich gerade ein wenig enttäuscht, als Frau Berger sprach, Sie fangen ja richtig an, wenn wir darüber reden, dass seit den 20er-Jahren in Suhl produziert wird, ein wunderbares Auto gab es damals, Luxusklasse, wunderbar –, Simson, das ist auch ein ganzes Stück jüdisches Industrieerbe.
(Beifall CDU, SPD)
Die Familie Simson hat das Unternehmen aufgebaut, sie hat Wohlstand, Arbeitsplätze und technischen Fortschritt nach Thüringen gebracht. 1935 wurde sie von den Nazis enteignet und in die Wilhelm-Gustloff-Stiftung überführt. Ab 1943 mussten Tausende KZ-Häftlinge in den Gustloff-Werken schuften, viele von ihnen starben. Daher – bevor ich in meiner Rede weitergehe – auch eine ehrlich gemeinte Entschuldigung an die Nachkommen von Moses Simson. Wenn wir über Kulturgeschichte reden, dürfen wir dabei auch nicht die dunkelsten Kapitel vergessen. Von daher ist es Zeit, den Tag heute auch zu nutzen, sich einmal ernsthaft und von Herzen zu entschuldigen für das, was in diesem Land auch geschehen ist.
(Beifall CDU, BSW, SPD)
Dieses Kapitel gehört zur Geschichte dieses Kulturfahrzeugs aus Suhl.
(Zwischenruf aus der Fraktion der AfD: The-
ma!) Thema? Wenn wir über jüdisches Industrieerbe und über die Wurzeln dieser Firma und darüber reden, dass dieser Name von Ihnen für Ihre Propaganda missbraucht wird, dann müssen wir doch erwähnen können, dass dies einmal ein jüdisches Unternehmen war – enteignet, verfolgt, aus diesem Land getrieben.
(Beifall CDU, BSW, SPD)
Und obwohl Ersatzteile vorhanden sind und obwohl viele im Originalzustand sind, ist es nicht möglich, viele Simsons aus dem Ausland, die hier mal produziert worden sind, zuzulassen. Das ist frustrierend. Deswegen wollen wir als Koalition handeln. Wir wollen auch für Reimporte die Zulassung von 60 km/h. Wir wollen damit Rechtssicherheit schaffen für die Besitzer, für die Jugend, für eine ganze Szene. Meine Damen und Herren, ich will das klar sagen: Die Simson-Szene ist bunt und vielfältig, die Allermeisten sind unpolitisch, begeistert und kreativ. Deshalb sage ich: Wer heute mit Simson Politik machen will, muss die Geschichte anerkennen. Und wer so tut, als wäre die Simson nur Mythos einer ostdeutschen Freiheitskultur, wie es die AfD versucht, der verschweigt bewusst die Opfer. Das machen wir nicht mit. Aber – und das ist mir wichtig – die Simson ist nicht nur Geschichte, sie ist auch Zukunft. Schauen wir in die Garagen und die Werkstätten unseres Landes gerade im ländlichen Raum, Jugendliche ab 15 Jahren machen den AM-Führerschein, sie schrauben, sie tüfteln, sie lernen Technik und Verantwortung. Aus diesen leidenschaftlichen Schraubern werden die Fachkräfte, Ingenieure und Mechatroniker von morgen. Und genau die brauchen wir in Thüringen.
(Beifall BSW, SPD)
Die Nachfrage nach den Mopeds ist nach wie vor riesig, doch viele stoßen eben auf diese Mauern der Bürokratie. Aber wir wissen auch, neben all diesen Schwierigkeiten gibt es Versuche der Unterwanderung von rechts: Hitlergrüße, Symbole, Codes. Dem stellen wir uns entgegen.
(Unruhe AfD)
Wir lassen nicht zu, dass ein Kulturgut Thüringens von Extremisten vereinnahmt wird.
(Beifall BSW, SPD)
Mit unserem Antrag geben wir den vielen ehrlichen Simson-Fans, Jugendlichen und Sammlern Rückenwind. Wir machen möglich, was lange blockiert war: Wir holen die Simson zurück nach Hause. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich sage es bewusst so: Die Simson gibt den Takt im Grünen Herzen vor. Sie verbindet Tradition und Zukunft, sie ist Kulturgut und Mobilitätslösung zugleich. Wenn wir diesem Antrag zustimmen, dann machen wir deutlich: Thüringen steht zu seiner Geschichte, zu seiner Jugend und zu seiner Zukunft. Darum bitte ich Sie: Stimmen Sie unserem Antrag zu, für Rechtssicherheit, für die Jugend, für das jüdische Erbe der Familie Simson, für das Grüne Herz Deutschlands. Vielen Dank.
(Beifall CDU, BSW, SPD)
