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Carolin Gerbothe

CDU 10.09.2025 Sitzungen 8/22

b) auf Antrag der Fraktion der CDU zu dem Thema: „Altersgrenze für soziale Medien? Im Spannungsfeld zwischen Kinderschutz und digitaler Teilhabe“

„Hast du Lust, ein bisschen zu schreiben?“ „Ich mag, wie du schreibst.“ „Du bist echt reif für dein Alter.“ „Was hast du gerade an?“ „Traust du dich, mir ein Foto von dir zu schicken? Dann schicke ich dir auch eins.“ „Andere Mädchen machen das auch.“ „Willst du mir mal zeigen, was dir gefällt?“ „Sag bitte keinem was davon, ja?“ „Lass uns doch mal ungestört treffen.“ Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, werte Abgeordnete, sehr geehrte Gäste auf der Tribüne und am Livestream, was denken Sie, wie dieser Chatverlauf wohl weitergeht? Was passiert wohl im Laufe solcher Chats mit Heranwachsenden, die keineswegs die bestehende Gefahr sehen? Es ist eine Spirale in ein Haifischbecken, in das junge Menschen in einen emotionalen Abgrund tauchen, ohne wirklich schwimmen zu können. Cybergrooming – ein Viertel aller Minderjährigen gab in einer im Mai veröffentlichen Befragung an, schon davon betroffen gewesen zu sein. Musste man in der Vergangenheit in der Videothek ganz hinten in die FSK-18-Ecke gehen, um an pornografische Inhalte zu gelangen oder eine DVD im Genre Horror oder Thriller zu erhalten, geht dies heute ganz einfach über TikTok, Klassenchats. Ein kurzer Swype nach oben reicht schon. Immer mehr Plattformen stellen eine große Gefahr für unsere Kinder dar: Gewalt, pornografische Inhalte, Hass. Kinder werden mit verstörenden Videos und Bildern konfrontiert, die sie für sich nicht verarbeiten können und mit denen sie ganz allein in ihren Kinderzimmern sind. Fälle wie White Tiger, der weltweit Schlagzeilen gemacht hat, sind nur die Spitze des Eisbergs. Auch hier endete ein vermeintlich harmloser Chat mit einem Suizid, dem Suizid eines dreizehnjährigen Jungen. Neben Cybergrooming ist auch Cybermobbing kein abstraktes Phänomen, sondern bittere Realität. Laut der aktuellen Sinus-Studie gaben 16 Prozent der Jugendlichen an, selbst Opfer geworden zu sein. Über die Hälfte kennt Betroffene im direkten Umfeld. Das sind keine einfachen Zahlen, sehr geehrte Damen und Herren, das sind Schicksale, Schicksale unserer Kinder und Jugendlichen. Eines wird dabei aber deutlich: Auch Schulen sind längst zum Schauplatz dieser Konflikte geworden. Lehrkräfte haben nicht nur mit Konflikten auf dem Schulhof oder auf dem Schulflur zu tun. Streitigkeiten und Mobbing enden oftmals nicht im virtuellen Raum, sie eskalieren in unserer wahren Welt. Digitalisierung hat unzählige Chancen, aber eben auch zahlreiche Gefahren im schulischen wie auch privaten Kontext. Schulen müssen Partner sein in diesem Kontext, nicht alleingelassen, sondern unterstützt durch klare staatliche Vorgaben, durch Präventionsprogramme und durch Ressourcen. Medienkompetenz ist für uns alle heute eine entscheidende Schlüsselqualifikation. Als Lehrerin und auch als Mutter bin ich der festen Überzeugung, dass wir eine stärkere Aufklärung über die Risiken in unserer digitalen Welt benötigen. Wir brauchen gezielte und regelmäßige Fortbildungen für Lehrkräfte, aber auch Elternhäuser müssen ihren Pflichten nachkommen. Oftmals sind Kinder und Jugendliche uns gerade in der digitalen Welt einiges voraus. Es gilt für uns, Anschluss zu halten und unsere Kinder und Jugendlichen zu begleiten. Sehr geehrte Damen und Herren, wir debattieren hier nicht über eine Nebensächlichkeit, wir reden über die Gesundheit einer gesamten Generation in unserem Land. Modelle der Altersbeschränkungen, wie wir sie zum Beispiel aus Australien oder einigen US-Staaten kennen, verdienen unsere Aufmerksamkeit, ob dies auch in Deutschland möglich und sinnvoll ist. Klar ist aber vor allem eins: Eine starre Altersgrenze reicht nicht. Es braucht Anbieter, die Verantwortung übernehmen, die in der Pflicht stehen, ihre Plattformen sicherer zu machen. Es kann nicht sein, dass wir von Kindern und Eltern erwarten, sich allein zu schützen, während multinationale Konzerne ihrer Verantwortung nicht nachkommen und dadurch immer wieder lebensgefährliche Challenges wie zum Beispiel die Paracetamol-Challenge in den Kinderzimmern in unserem Land landen. (Beifall CDU, BSW) Es geht nicht nur um Altersgrenzen, es geht um Verantwortung. Wenn wir es schaffen, diesen Schutz und Teilhabe auszubalancieren, dann schaffen wir mehr als nur sichere digitale Räume, dann schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder lernen können, stark zu sein, online wie offline. Herzlichen Dank. (Beifall CDU, BSW)

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