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Ulrike Große-Röthig

Die Linke 14.05.2025 Sitzungen 8/16

e) auf Antrag der Fraktion des BSW zu dem Thema: „Zunahme von Gewalt an Thüringer Schulen – wie schützen wir unsere Kinder und Jugendchen?“ li

Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, liebe Zuhörer/-innen am Livestream, „Lehrer geschlagen und mit Stuhl beworfen“, „Zwölfjährige […] von Mitschülerinnen gequält […]“ oder „Cybermobbing an Schulen: Niemand schützt die Opfer“ – Schlagzeilen in der Zeitung, die wir fast täglich lesen und die uns natürlich nicht unberührt lassen. Mobbing auch und gerade im digitalen Bereich, Drohungen, körperliche Gewalt gegen Mitschülerinnen und Mitschüler und auch gegen Lehrkräfte haben in Thüringen und bundesweit besonders seit der Coronapandemie stark zugenommen. Wurden Lehrkräfte im Jahr 2020 noch in 27 Fällen Opfer von Gewalt durch Schülerinnen und Schüler in Thüringen, so waren es im Jahr 2022 67 Fälle, 2023 bereits 147 Fälle, im Jahr 2024 konnten 114 Fälle registriert werden, wie die Antworten des Bildungsministeriums auf Kleine Anfragen zeigen. Jeder dieser Fälle ist einer zu viel. Diese Situation an unseren Schulen wird auch vom Thüringer Lehrerverband und vom Verband Bildung und Erziehung bestätigt. Gleichzeitig ist es wichtig, die Zahlen über die Gewalt an Thüringer Schulen zu beleuchten und nach den Ursachen zu fragen, konkret bei den Schülerinnen und Schülern. Erst gestern hat die Landesschülervertretung Thüringen gefordert, mehr auf das Thema „mentale Gesundheit an Schulen“ einzugehen. Beklagt wird der ständige Druck an Schulen, der zu hohen psychischen Belastungen führt. Gefordert werden verpflichtende Fortbildungen der Lehrkräfte und ein angemessener Umgang mit betroffenen Schülerinnen und Schülern. Wir sagen, Politik darf nicht untertauchen und wegsehen, wenn es um das Wohl der Schülerinnen und Schüler geht, auch nicht um das Thema „Gewalt an Schulen“, und damit eben auch um die Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen hier in Thüringen. Die Frage, die wir uns aber stellen müssen, ist vor allem und immer die Frage nach den Ursachen. Warum schlägt der Frust von Kindern und Jugendlichen in Gewalt um? Wir wissen alle, Schule ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, und die Frage, was aktuell eigentlich in unserer Gesellschaft los ist, müssen wir uns dazu stellen. Beim Einsteigen in den Bus oder in den Zug wird gedrängelt und geschubst, wer mit dem Auto nicht schnell genug ein- oder ausparkt, wird angehupt. Bei Meinungsverschiedenheiten wird nicht sachlich argumentiert, sondern direkt persönlich beleidigt. Das lässt sich auch besonders gut in den sozialen Medien beobachten. Der Kollege hat eben gesagt: Wir befassen uns heute mit einem Thema, das uns alle betrifft. Dem stimme ich sehr zu. Wir machen den Unterschied, jeder einzelne von uns macht den Unterschied an jedem Tag mit jedem einzelnen unserer Worte. Solange Personen, die im öffentlichen Fokus stehen, Aussagen tätigen wie „Lass dir die vollen Windeln wechseln, du stinkst.“, gern auch mit einem Smiley mit Freudentränen, „Dein Beitrag ist so peinlich wie deine bisherige Arbeit“, oder Menschen als „geistig teilmöbliert“, „Bettnässer“ oder „stabilen Clown“ bezeichnen, werden wir unseren Beitrag zu einer gewaltärmeren Gesellschaft nicht leisten. (Beifall Die Linke) Mancher im Rund mag sich angesprochen fühlen. Warum fehlen uns Kompromissbereitschaft und Respekt im Umgang miteinander? Das ist das Wesen unserer Demokratie. Auch heute hatten wir hier Besucher/-innen im Hohen Haus, auch heute gibt es Personen, die uns am Livestream zuschauen und sich anschauen, wie wir miteinander umgehen. Unsere Worte, unsere Tweets, unsere Posts, unsere Pressemitteilungen sind dabei kleine Steinchen, die ins Wasser fallen und Wellen verursachen. Ich denke, dass Sätze, wie ich sie eben zitiert habe, unangemessen sind. Ich glaube, die meisten hier im Rund würden mir auch zustimmen. Wenn Kinder und Jugendliche ein solches Verhalten bei Älteren und auch Personen, die Respekt für sich einfordern, auch bei Vertreterinnen und Vertretern aus dem Parlament hören, sehen, lesen, wie sollen sie dann lernen, mit Frust und Ängsten angemessen umzugehen? (Beifall Die Linke) Prävention, Familienbildung, ausreichend Personal an Schulen in Form von professionellen Teams – der Kollege hat es eben angesprochen – sind wichtige Schritte, doch es bleibt noch viel zu tun. Wir alle hier im Hohen Haus mit Verantwortung tragen eben jene Verantwortung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, das heißt, wir müssen Kindern und Jugendlichen ein Vorbild sein, im demokratischen Diskurs, in Sprache und im Verhalten miteinander und in der Öffentlichkeit. Vielen Dank. (Beifall Die Linke)

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