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Anke Wirsing

BSW 14.05.2025 Sitzungen 8/16

b) auf Antrag der Fraktion der SPD zu dem Thema: „Familienfreundlichkeit als Zukunftspotential für Thüringen stärken – Bedingungen weiter verbessern, Angebote ausbauen und Akteure unterstützen“

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, werte Gäste, Familienfreundlichkeit ist kein Luxus. Sie ist die Grundlage für eine lebenswerte Zukunft in Thüringen – in unseren Städten genauso wie im ländlichen Raum. Heute sprechen wir aber über mehr als nur über Infrastruktur oder Einzelförderungen. Heute sprechen wir über ein zentrales Versprechen, dass wir den Menschen geben müssen: Thüringen soll ein Ort sein, an dem man gern lebt, gern Kinder großzieht und in Würde älter werden kann. Eine nachhaltige Steigerung der Familienfreundlichkeit, besonders im ländlichen Raum Thüringens, erfordert ein konsequentes abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Land, Bund, Kommunen und den zivilgesellschaftlichen Akteuren. Warum ist das gerade jetzt so wichtig? Weil wir mitten in einer Zeit großer Herausforderungen stehen. Der demografische Wandel ist längst nicht mehr eine abstrakte Zahl, sondern zeigt sich in leerstehenden Gebäuden, in fehlenden Auszubildenden und in wachsender Einsamkeit älterer Menschen – vor allem im ländlichen Raum. Wenn wir diesem Wandel etwas entgegensetzen wollen, dann braucht es mehr als Strukturpolitik, es braucht ein echtes familienfreundliches Klima. Thüringen hat viele Stärken, auf die wir stolz sein können. Wir haben eine hohe Lebensqualität, in vielen Regionen bezahlbaren Wohnraum, starke Vereine, engagierte Kommunen. Das sind Standortvorteile, die man anderswo vergeblich sucht. (Beifall BSW) Unsere Kitas bieten im Bundesvergleich großzügige Öffnungszeiten und das Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ fördert seit Jahren innovative gemeinschaftliche Ansätze vor Ort. Ein aktuelles Beispiel ist die brandneue Thüringer Familien-App. Sie bündelt wichtige Informationen und Angebote an einem Ort alltagstauglich, unkompliziert, lebensnah. Genau solche Schritte machen das Leben einfacher, stärken den Zugang zur Unterstützung und zeigen: Wir nehmen Familie ernst. Nun ist aber wichtig, dass die Familien-App mit noch deutlich mehr Leben, sprich, mit haufenweise Informationen gefüllt wird. Keine Frage darf zukünftig offenbleiben – egal, ob die Suche nach dem nächsten Babyflohmarkt, nach einer Sportgruppe für Demenzkranke oder den Öffnungszeiten der Gemeindebibliothek im Nachbarort. Wir dürfen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen. Thüringen ist stark ländlich geprägt und wir müssen uns daher auch immer die Frage stellen: Was brauchen Familien heute wirklich, besonders im ländlichen Raum? Verlässliche Kinderbetreuung, auch oder gerade in den Randzeiten, gute Schulen mit moderner Ausstattung und sicheren Wegen, Pflege- und Unterstützungsstrukturen für ältere Angehörige – wohnortnah und menschlich –, attraktive Freizeit- und Kulturangebote, die Kinder, Jugendliche und Eltern gleichermaßen ansprechen – besonders im ländlichen Raum, wo es ansonsten nur eingeschränkte Möglichkeiten gibt. Schnelles Internet – ja, auch das gehört zur modernen Familienfreundlichkeit. Und wir müssen die Akteure vor Ort stärken – Erzieherinnen, Schulsozialarbeiter, Familienzentren, Ehrenamtliche. (Beifall CDU, BSW, SPD) Denn sie sind es, die tagtäglich Menschen begleiten und auffangen. Oft über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinaus. Programme wie AGATHE, die Einsamkeit im Alter bekämpfen, oder der Landesfamilienförderplan sind richtige und wichtige Instrumente, aber wir müssen sie ausweiten, besser verzahnen und noch viel bekannter machen. Familienfreundlichkeit ist keine isolierte Maßnahme, sie ist ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz. Wenn wir ihn ernst meinen, dann bedeutet das eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch durch mobile Arbeit sowie flexible Arbeitszeitmodelle, die Mitgestaltung von Eltern und Familien bei kommunalen Entscheidungen, auch in den kleinen Dörfern, die Anerkennung der Familienarbeit als das, was sie ist, eine tragende Säule unseres Gemeinwesens. Wir müssen Mobilitätslösungen für Schul- und Freizeitwege entwickeln und Lösungen besonders für den ländlichen Raum finden. Denn nur wer mobil ist, wird zum Beispiel auch die Familien-App nutzen können. Aber auch digitale Verwaltungsleistungen müssen wir familienfreundlich gestalten. Meine Damen und Herren, wenn wir wollen, dass junge Familien bleiben oder neu zu uns kommen, wenn wir wollen, dass ältere Menschen eingebunden werden, dann müssen wir weiter investieren – nicht nur Geld, sondern vor allen Dingen Aufmerksamkeit, Wertschätzung und politischen Willen. Das Land Thüringen muss vor allem Rahmenbedingungen schaffen, die auf die konkreten Lebensrealitäten der Familien abgestimmt sind, besonders dort, wo Distanzen groß und Angebote dünn sind. Der Bund ist aufgefordert, strukturelle Grundlagen

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