Claudia Heber
b) auf Antrag der Fraktion der SPD zu dem Thema: „Familienfreundlichkeit als Zukunftspotential für Thüringen stärken – Bedingungen weiter verbessern, Angebote ausbauen und Akteure unterstützen“
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, sehr geehrte Regierungsvertreter, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer auf den Zuschauerrängen, auch ich danke für die Einbringung dieses Themas, aber es ist natürlich schwierig jetzt nach der Rede. Auf jeden Fall möchte ich am Anfang die Gelegenheit nutzen, ein paar grundsätzliche Ausführungen zum Thema „Familie“ zu machen. Ja, Familien sind das Herz unserer Gesellschaft und der Schlüssel für eine gute Zukunft. Wenn man auf die Zahlen des aktuellen Mikrozensus des Statistischen Landesamts schaut, dann hat sich die Zahl der minderjährigen Kinder in Familienhaushalten seit 2013 um 13,9 Prozent erhöht. Im Jahr 2023 haben 333.000 Kinder im Alter unter 18 Jahren in Thüringer Familien gelebt, das sind 41.000 mehr als vor zehn Jahren. Der Grund für diese Entwicklung liegt vor allem in den geburtenstarken Jahren der Vergangenheit. In den Jahren 2013 bis 2018 wurden jährlich mehr als 17.000 Kinder geboren. Diese Zahl – die Kollegin der SPD, Frau Dr. Urban, hat es schon angesprochen – ist aber seit Jahren rückläufig. 2023 waren es zuletzt 12.900, so wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Das bedeutet für uns alle eine große Herausforderung, denn – so sehe ich das – der demografische Wandel wird langsam zu einer demografischen Krise. Hier gilt es auch, die Ursachen gründlich aufzuarbeiten und ein Klima zu schaffen, das junge Menschen zur Elternschaft ermutigt und Ja zu Kindern sagen lässt, auch Ja zu einem weiteren Kind. Jedes fünfte Kind lebt in einer Familie mit mindestens zwei Geschwistern, das heißt, in den knapp 10 Prozent der Thüringer Familien, die als kinderreich gelten, leben ca. 20 Prozent der Thüringer Kinder, 15 Prozent davon bei einem alleinerziehenden Elternteil. Insgesamt ist jede fünfte Mutter in 2023 alleinerziehend, 2013 war es noch jede vierte. Ja, Familien sind in ihren jeweiligen Lebensformen sehr vielfältig. Familie ist überall dort, wo Eltern für ihre Kinder sorgen und dauerhaft und verbindlich für sie Verantwortung übernehmen, aber auch dort, wo erwachsene Menschen verschiedener Generationen füreinander einstehen. All diese Formen von Familie müssen wir als Politik im Blick behalten. Neben der Inflation, aber auch bei steigenden Lebenshaltungskosten in allen Bereichen sind Familien jedoch besonders belastet. Eine ganz besondere Belastung haben viele Thüringer Familien in der Coronazeit gespürt, als Betreuung nicht zur Verfügung stand und die Eltern gleichsam neben Berufstätigkeit die geschlossenen Kindergärten und Schulen irgendwie kompensieren mussten. Für alle Familien, aber gerade bei denen mit mehreren und auch beeinträchtigten Kindern war das eine enorme Belastung. Für mich persönlich bedeutete das: ein Abiturient, eine Grundschülerin im Lockdown und gelegentlich noch ein Kindergartenkind in der Betreuung, da war Homeoffice gelegentlich Nachtschicht. Wir haben das aber als Familie irgendwie gewuppt. Die Auswirkungen werden uns aber alle noch lange beschäftigen. Deshalb ist es auch wichtig, gerade die Situation von Familien in den Blick zu nehmen und Lehren zu ziehen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Thüringen zu einem Ort zu machen, an dem Familien sich wohlfühlen und vor allem Kinder gut aufwachsen und ihre Zukunft gestalten können. Wir brauchen Arbeitgeber, die die Elternschaft als soziale Qualifikation anerkennen und wertschätzen, flexible Arbeitszeitmodelle – und da sollte man vielleicht mal besser nachlesen mit dieser 78-Stunden-Woche, also es fordert keiner die 78-Stunden-Woche, sondern hier geht es um flexible Arbeitszeitmodelle –, die in der Familienphase eine echte Vereinbarkeit ermöglichen, ebenso Betreuungsangebote, die auf die Bedürfnisse von arbeitenden Eltern Rücksicht nehmen und – ja – auch finanzielle Unterstützung für Eltern, die ihre Kinder länger selbst betreuen möchten. Politik darf nicht bevormunden, sondern sollte echte Wahlfreiheit für Eltern ermöglichen; die Abschaffung der Hortgebühren zum Beispiel, die wir uns auch vorgenommen haben, wäre ein guter Schritt. Familienfreundlichkeit gehört aber nicht nur in die Sozialpolitik – Familienpolitik ist eine Querschnittsaufgabe in allen Politikfeldern. Familienfreundlichkeit ist kein kurzfristiges Ziel, sondern ein langfristiges Investment in die Zukunft Thüringens. Indem wir die Bedingungen weiter verbessern, Angebote ausbauen und Akteure vor Ort unterstützen, schaffen wir ein Umfeld, in dem sich Familien wohlfühlen können. Das ist nicht nur gut für die Familie selbst, sondern auch für die gesamte Gesellschaft und ebenso die Wirtschaft. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, Thüringen zu einem echten Familienland zu machen: stark, lebenswert und zukunftsfähig. Danke.
(Beifall CDU, BSW)
