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Dr. med. Cornelia Urban

SPD 14.05.2025 Sitzungen 8/16

b) auf Antrag der Fraktion der SPD zu dem Thema: „Familienfreundlichkeit als Zukunftspotential für Thüringen stärken – Bedingungen weiter verbessern, Angebote ausbauen und Akteure unterstützen“

Sehr geehrter Herr Präsident, für Unterstützung wären wir natürlich auch immer dankbar. Ich darf anlässlich eines Tages, nämlich des „Tages der Familie“, der ist morgen, heute unsere Aktuelle Stunde begründen und auch erläutern. Wir als SPD verstehen uns ja sowieso immer als eine große Familie seit fast über 160 Jahren. Wir glauben das aber nicht zuletzt, weil Thüringen auch die Mutter und Wiege des Kindergartens ist und Thüringen ein Land ist, in dem sich Familien wohlfühlen sollten, dass Thüringen eigentlich das familienfreundlichste Bundesland werden sollte. Das beinhaltet natürlich ganz viele unterschiedliche Maßnahmen und Unterstützungsbedarfe. De facto ist es so – das ist ein bisschen wie bei unserem vorangegangenen Thema, wenn man von 20 Minuten und von Ärzten redet, die aber eigentlich fehlen –: Thüringen fehlen Familien. Wir verlieren über die Jahre immer mehr Familien. Unsere Geburtenrate ist aktuell auf einem Tiefststand. Wir haben – ich habe es mal in der Statistik nachgeschaut – zwischen 2005 und 2023, also in knapp 20 Jahren, 90.000 Familien in Thüringen verloren. Das heißt, unsere jungen Menschen werden immer weniger. Ich sagte gerade, es gibt vielfältige Gründe, aber in Summe kann man natürlich sagen, es geht oft darum, Familien zu stärken, sie aber auch vor Überlastung zu schützen bzw. zu entlasten. Das ist natürlich an erster Stelle oft die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und das nicht nur für uns Frauen, sondern für alle Menschen in einer Familie. Für uns als SPD ist deswegen schon der erste Schritt, wenn es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, die Diskussion, die aktuell auch herrscht, bei der es um die zwei freien Samstage geht. Es gibt ja Menschen, die an Samstagen arbeiten müssen, und das nicht nur im Verkauf, und da wird im Moment diskutiert, ob man einfach diese Samstage freigibt, und das sei ja nur so eine Sache von den Gewerkschaften. Für uns als SPD ist das eben auch Familie, dass man mindestens zwei freie Samstage im Monat zur Verfügung hat, (Beifall SPD) dass man am Wochenende Zeit mit der Familie verbringen kann, weil wir glauben, Zeit ist durch nichts zu ersetzen. „Zeit“ ist natürlich auch das Stichwort, wenn es um die Vereinbarkeit geht. Wir haben den Kindergarten erfunden, aber man könnte auch sagen, wir entwickeln das immer weiter. Wir sind ja bei Ganztags-Kitas, dass es eben nicht nur um die Ganztags-Kitas geht, sondern dass zum Beispiel auch die Betreuung in den Kitas qualitativ gut ist, dass es eben keine hohen Betreuungsschlüssel gibt, sondern dass wir da immer weiter nachschärfen, sodass unsere Kinder schon im Sinne einer frühkindlichen Bildung eine bestmögliche, nicht nur Betreuung, sondern auch Entwicklung erfahren dürfen. (Beifall SPD) Und es geht weiter. Es geht auch bei den Kindern weiter, also gesundes, kostenfreies Mittagessen, dass Eltern nicht auch dafür immer noch in die Tasche greifen müssen, dass Ausbildung und Bildung kostenfrei sind. Da zählt natürlich das dritte kostenfreie Kita-Jahr mit rein, aber es zählt natürlich auch, Leben ist immer Bildung, also man hat lebenslange Fortbildung. Insofern ist das auch Teil unserer Programmatik, wofür wir werben möchten. Am Ende funktioniert natürlich Familie auch nur in Netzwerken. Man braucht Netze, wenn mal irgendetwas schiefgeht. Man braucht die Hebamme schon ganz am Anfang, wenn man ein Kind zur Welt bringen und eine Familie gründen will. Man braucht sie vorher, wenn man noch ganz aufgeregt ist, man braucht sie während der Geburt und man braucht sie vielleicht auch danach, wenn Fragen auftauchen. Wir haben gerade ein Gespräch mit Hebammen gehabt, die im Moment wirklich zu kämpfen haben, weil da ganz neue Kosten auf die Hebammen zukommen bzw. schlechte Vergütungen. Auch da müssen wir uns natürlich starkmachen. Aber es geht natürlich auch um Beratung, wenn eine Familie nicht klarkommt, wenn das Chaos über eine Familie hereinbricht und man einfach mal einen Rat braucht. Es geht um Kinder und Jugendliche, die vielleicht manchmal psychisch erschlagen werden und Dinge wie einen Stein mit sich herumschleppen und da Unterstützung in der Schule oder in ihrem anderen Setting, in Vereinen etc. brauchen. Wir wollen sie natürlich auch in ihren Vereinen mit all ihren Talenten und Fähigkeiten entwickeln. Und wir brauchen ein Zusammenleben der Generationen, denn am Ende ist es ja so, dass Jung von Alt profitiert und auch umgekehrt. Ich habe gestern ein neues Wort gelernt, das nennt sich „blaue Zone“. Wir hatten gestern eine Runde zur Pflege – darauf kommen wir in der nächsten Aktuellen Stunde – und da wurde gesagt, es gibt blaue Zonen. So werden Regionen genannt, in denen Menschen besonders alt werden. Warum werden sie besonders alt? Weil sie Geselligkeit, Familie miteinander leben. Das ist ein ganz wichtiger Faktor, wenn es ums Wohlergehen geht. Deswegen wollen wir natürlich solche Programme wie AGATHE, Mehrgenerationenhäuser, Familienfreizeitprogramme, das Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ nicht einfach nur weiterführen, sondern stärken und unterstützen. Wir gehen mit der Zeit – das ist mein letzter Punkt –, wir haben neu eine Familien-App, die all das ins digitale Zeitalter überführt. Deswegen möchte ich hier am Ende einen kleinen Werbeblock anführen: Nutzen Sie unsere Familien-App! Die ist aus der Coronazeit geboren. Damals haben wir uns gesagt, die Familien brauchen auch wieder mal etwas anderes als nur die eigenen vier Wände. Jetzt ist sie digital und ich freue mich, wenn Sie sie benutzen und damit etwas Gutes geschaffen wurde. Danke schön. (Beifall CDU, BSW, Die Linke, SPD)

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