Dr. med. Cornelia Urban
a) auf Antrag der Fraktion der CDU zu dem Thema: „Hausärztliche Versorgung sichern: Thüringen als ‚20-Minuten-Land‘“
Sehr geehrter Herr Präsident, geehrte Vorredner, Parlamentarier und liebe Gäste, ich finde das ja immer klasse, wenn Aktionstage uns quasi hier auch im Plenum den Anlass geben, über bestimmte Themen noch mal fokussiert zu sprechen. Noch besser finde ich eigentlich, wenn es dazu führt, dass Politiker auch wirklich in die Praxis gehen und sich Dinge angucken. Deswegen möchte ich an dieser Stelle – und vielleicht für alle, die es im Raum nicht wissen: ich bin selbst niedergelassene Fachärztin – dafür werben, das zu tun, was Herr Zippel getan hat, nämlich einfach mal rausgehen, sei es in Pflegeheime oder in die Praxen oder in die Krankenhäuser, und sich die aktuelle Versorgungslage in Thüringen eben nicht nur vonseiten des Patienten anzuschauen – das betrifft uns ja alle irgendwann mal, jeder wird irgendwann mal krank mit dem einen oder anderen Wehwehchen –, also einfach mal auf die andere Seite zu treten und zu schauen, was ist da jetzt eigentlich in Thüringen los. Wir haben dieses Thema schon oft gehabt. Ich bin jetzt die zweite Legislatur hier. Ich würde sagen, die letzte war sehr geprägt von solchen medizinischen Fragestellungen, wie ist die Versorgungslage. Ich bin letztendlich auch deswegen in die Politik gekommen, habe mir auch so diesen Slogan „Praxis in die Politik“ gewählt, weil ich glaube, das braucht es eigentlich.
(Beifall Abg. Hey, SPD)
Danke schön. Ich habe, weil gerade mein ehemaliger Fraktionsvorsitzender, Herr Matthias Hey, hier geklopft hat, gerade die Anregung bekommen, mal zu erklären, wieso denn „20 Minuten“ so ein Thema ist. Also „20 Minuten“ ist sicherlich symbolisch gewählt und niemand sollte mit der Stoppuhr dastehen. Aber er meinte, man könnte doch auch einfach mal 18 Minuten sagen, wir sind das 18-Minuten-Land. Gemeint ist damit aber letztendlich, dass wir überall in unserem kleinen Bundesland eine gute Versorgung haben wollen, die gut erreichbar ist. De facto haben wir dafür, ich sagte es gerade, in der letzten Legislatur auch schon einiges unternommen, weil wir gesagt haben, das dünnt dermaßen aus in einem rasanten Tempo, dass wir da massiv dagegenhalten müssen. Wir haben es in der letzten Legislatur geschafft, unsere Studienplätze für die Medizinstudenten zu verdoppeln, also 100 Prozent aufzusatteln. Das hat kein anderes Bundesland je in diesem Rekordtempo geschafft. Das ist eine echte Kraftanstrengung gewesen, aber – und so ist das eben auch manchmal in der Politik – diese Lorbeeren werden wir frühestens in acht oder zehn Jahren ernten können, denn die Studenten, die damit angefangen haben, die befinden sich gerade erst in ihrem ersten klinischen Jahr. Die haben noch vier Jahre Ausbildung in der Klinik vor sich. Dann werden sie sozusagen als Angestellte in der Klinik geführt und müssen dann erst lernen, was es eigentlich heißt, welchen Facharzt will ich eigentlich machen. An dieser Stelle sei vielleicht gesagt, lieber Vorredner von der AfD, das wissen Sie eigentlich besser, Herr Dr. Lauerwald, also auch Allgemeinmediziner sind Fachärzte. Wir haben den Facharzt für Allgemeinmedizin, wir sagen Hausärzte, aber letztendlich sind das Fachärzte, also wir reden in jedem Fall über Fachärzte. Jetzt vielleicht zu dem Punkt, nicht nur, was wir in der letzten Legislatur gemacht haben, sondern was sollte man tun. Da hat meine Vorrednerin von den Linken gesagt: Das waren alles Dinge aus der letzten Legislatur. Wie geht es denn eigentlich weiter? Ich denke, einerseits braucht es natürlich eine Verstetigung dieser Wege, die wir da eingeschlagen haben. Wir wissen, dass wir mehr auf multiprofessionelle Teams setzen müssen. Wir hatten in Thüringen erst die VERAH, dann haben wir die NäPa – das sind nicht ärztliche Assistenzen. Das bedeutet, dass eine MTA, eine Krankenschwester zum Beispiel Blut abnehmen oder zum Beispiel die Anamnese erheben darf – früher alles ärztliche Tätigkeiten, die aber manchmal von dem Pflegeoder Fachpersonal und den MTAs fast noch besser gemacht werden als von den Ärzten; das werden Sie vielleicht aus eigenem Erleben sagen können. Die Ärzte werden dadurch entlastet und können die Dinge tun, für die sie sehr lange studiert haben. Letztendlich diese Programme fortzusetzen, natürlich auch die Stiftungspraxen fortzusetzen, die Stipendienprogramme fortzusetzen – all diese Dinge, die wir angefangen haben, müssen wir intensivieren. Mein Vorredner hat es gesagt: Wir haben dafür auch mehr Geld in den Haushalt eingestellt. Aber in der Tat: Es braucht auch neue, weitere strukturelle Antworten. Da sind wir wirklich auch auf dem Weg in ein neues Zeitalter. Wir haben solch eine Zeitenwende ja nicht nur im gesellschaftlichen, sondern auch im technischen Bereich. Ich kann Ihnen aus eigenem Erleben sagen, das war das Highlight meiner ärztlichen Woche: dass die digitale Reform, die über uns hereinbricht, natürlich auch viele Veränderungen herbeiführt, nicht nur in Sachen Kosten – also wenn ich mein gesamtes Computersystem nach zwei Jahren erneuern muss, dann macht das extreme Kosten –, sondern es gibt auch strukturelle Veränderungen. Wir wollen als Koalition zum Beispiel, dass Transformation in Thüringen nicht nur von der Seite der Krankenhäuser gedacht wird, sondern auch vonseiten der niedergelassenen Fachärzte. Wir haben dafür zum Beispiel auch ganz viel Geld in den Haushalt eingestellt – schon jetzt erst einmal 20 Millionen Euro, es sollen 100 Millionen Euro werden –, damit diese Transformation auch gelingen kann. Deshalb danke noch mal. Ich hoffe, Sie werden uns alle gemeinsam dabei unterstützen – sei es jetzt beim 20-Minuten-Land oder einfach nur für eine gute medizinische Versorgung in Thüringen. Danke.
(Beifall CDU, BSW, Die Linke, SPD)
