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Dr. med. Cornelia Urban

SPD 06.03.2025 Sitzungen 8/10

Geschlechtergerechtigkeit am Thüringer Arbeitsmarkt stärken

Ganz herzlichen Dank. Ich glaube, ich kann das heute kurz machen. Wir hatten gestern das Thema „Equal Pay Day“. Wir haben schon aus dem Blickwinkel der Notwendigkeit eines Equal Pay Day bzw. meiner Hoffnung darauf, dass wir das irgendwann nicht mehr tun müssen, gestern sehr ausführlich über Frauen und den Arbeitsmarkt gesprochen. Deswegen möchte ich eigentlich an dieser Stelle zunächst erst mal auf einen der Vorredner eingehen, von der AfD, der sagte, wir würden irgendwie durch Regeln die freie Entscheidungsfähigkeit der Frauen limitieren wollen, Frauen werden da – ich glaube, Sie hatten zum Beispiel die MINT-Berufe genannt – in MINT-Felder reingedrängt durch irgendwelche Maßnahmen. Ich glaube, ich als Ärztin kann hier durchaus für MINT stehen, ich komme aus dem Wissenschaftsund Forschungssektor und habe jahrelang dort gearbeitet, bin Medizinerin und habe sehr viel mit Naturwissenschaften zu tun gehabt. Ich kann nur sagen, es ist etwas Essenzielles, ob man in jungen Jahren nicht einfach immer nur mit den Puppen spielt oder zum Kochen angeleitet wird, sondern ob man auch – so wie das früher üblich war – diese sogenannten Jungsfelder kennenlernt. Das reicht vom Fußball bis zu MINT. Insofern geht es da schon los mit der Freiheit des Menschseins, denn Frauen sollten genau diese Freiheit bekommen. Das hat viel mit frühkindlicher Bildung zu tun. Und wenn ich mir dann aber meinen eigenen Lebensweg anschaue – gestern wurde auch nach Beispielen gefragt –, dann kann ich Ihnen nur sagen, dass zum Beispiel im Schulbereich, wenn wir uns die Abiturabschlüsse anschauen, Mädchen und Frauen sehr viel höhere Notenabschlüsse haben, in der Regel dort besser abschneiden als die Jungs. Wenn wir uns die Studienabschlüsse anschauen, trifft das auch zu. Wenn wir – ich nehme jetzt mal einfach meinen Bereich, denn da kenne ich mich aus – dann aber weiter in eine Klinik schauen, wie viele Chefärzte wir haben, dann sieht das eben gar nicht mehr nach den Frauen aus. Mit einem Mal sind Frauen abgefallen, hintenangestellt. Natürlich sind wir in Thüringen, man könnte jetzt sagen, relativ weit vorne, wir haben das gestern als Thema gehabt. Wir haben im Prinzip beim GenderPay-Gap 6 Prozent, das ist deutlich weniger als in ganz Deutschland. Wir haben sogar bei den jungen ostdeutschen Frauen einen negativen Pay-Gap, also selbst da sind wir im Osten sozusagen gut. Ich glaube, gestern sagte erst jemand, wir sind gut unterwegs. Aber ich finde, allein diese 6 Prozent und auch dieses Beispiel in der Hierarchie, wie Frauen die Möglichkeit haben, aufzusteigen, das zeigt, dass hier sehr viel zu tun ist. Frauen haben es schwerer. Gestern wurde auch das schon mal kurz genannt, ich glaube, von Frau Güngör. Nicht nur, dass wir die Aufstiegschancen nicht haben, sondern wenn Frauen in Beschäftigung sind, dann haben sie einfach auch in der Regel ein niedrigeres Einkommen. Man muss sagen, 20 Prozent der Frauen, die erwerbstätig sind, haben ein Monatseinkommen, das unter dem Existenzminimum liegt. Jede fünfte Frau verdient weniger als das Existenzminimum. Das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein und das ist auch nicht für die Zukunft gut, das ist auch für unsere Sozialsysteme nicht gut, denn am Ende reden wir natürlich auch über Renten, die aus den Gehältern resultieren, und Frauen tun sehr viel für diese Gesellschaft. Ich denke, es geht natürlich darum, dass es auch die Männer tun und dass wir das eben in gleichem Maße veranlagen und die Strukturen dafür schaffen. Jetzt hat sich Die Linke in ihrem Antrag nicht nur auf das Land konzentriert – darauf möchte ich noch mal eingehen –, sondern sie hat durchaus auch umfassende Forderungen an die Bundesebene mit formuliert, also Abschaffung des Ehegattensplittings, Evaluation der Sozialgesetzbücher hinsichtlich der Rentenansprüche von pflegenden Angehörigen und auch Änderung des Mindestlohns. Und ich kann natürlich sagen für unsere SPD-Fraktion, dass wir als linke Mitte bei diesen Forderungen absolut an Ihrer Seite stehen. Wir glauben aber, das ist zu großen Teilen Bundespolitik und natürlich nicht immer hier Thema in diesem Landtag. Nichtsdestotrotz sind wir an Ihrer Seite, wir glauben, es braucht konkrete Maßnahmen – genau, konkret, das ist das Wichtige dabei –, um die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu stärken. Wir halten das für wichtig und richtig. Weil dieser Antrag doch auch so vielschichtig ist, würden wir ihn – so wie vom BSW, glaube ich, schon vorgeschlagen – im Ausschuss für Arbeit und Soziales gern noch weiterdiskutieren wollen. Herzlichen Dank. (Beifall BSW, SPD)

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